«Mä sött halt redä mitenand»

Aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens trafen sich Anfang Woche Mitglieder des Glarner Architekturforums und Gäste in den Räumlichkeiten des «Hänggiturms Blumer & Co.» in Schwanden zu einem Meinungsaustausch. Zum Thema standen Architektur und Baukultur im Kanton Glarus. Aus Architekturkreisen wurde ein Runder Tisch gefordert, mit Ziel und Zweck, das willkürartige Bauen in den Glarner Gemeinden wieder in richtige Bahnen zu lenken.



Im Rahmen ihres 20-jährigen Bestehens trafen sich die Mitglieder des Glarner Architekturforums und zahlreiche Gäste in den geschichtsträchtigen Räumen des «Hänggiturm Blumer & Co.» in Schwanden. Zur Begrüssung konnte Hansruedi Marti, Präsident des Glarner Architekturforums, Mitglieder und Gäste willkommen heissen. Unter den Gästen weilte unter anderem auch Regierungsrat und Departementsvorsteher Benjamin Mühlemannn.

Haben wir eine Misere?

Das Landschaftsbild im Kanton Glarus wird geprägt durch die Topografie mit gewaltigen Höhenunterschieden. Ein Grossteil unseres Alpentals zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe mit der Tektonikarena Sardona. Auch architektonisch ist Glarus ein Kanton der Kontraste. Industriegelände, Fabrikantenvillen und Arbeitersiedlungen zeugen von der frühen Industrialisierung. Aber auch Bauernhäuser, Gaden und Alpbetriebe von der ursprünglichen Landwirtschaft sowie SAC-Hütten vom alpinen Tourismus. Diese einzigartige Kombination steht im Spannungsfeld von wirtschaftlichem Fortschritt und schützenswerter Bausubstanz. Auf politischer Ebene diskutiert man intensiv über den Umgang mit dem gebauten Kulturerbe. Gleichzeitig macht sich in Teilen der Bevölkerung Skepsis breit gegenüber rasanten baulichen Veränderungen in den Dörfern. GAF-Präsident Hansruedi Marti brachte es auf den Punkt und sprach sogar von einer Misere. Mit Kritik keineswegs zurückhaltend war ebenfalls Rahel Marti, Architektin und stellvertretende Chef-Redaktorin der Fachzeitschrift Hochparterre. «Was ist nur mit den Gemeinden in Glarus Nord los?», waren ihre einleitenden Worte. Sie zeigte sich erstaunt über die fehlende Baukultur. «Es ist schlimm, was da passiert», monierte die Referentin und erklärte am Fallbeispiel Näfels, was für gravierende Sünden in den letzten Jahren in Bezug auf die Baukultur gemacht wurden. Ihre Forderung: Der Kanton solle Vertreter des Kantons, der Gemeinden und Architekten zu einem Runden Tisch einladen und sich zweimal im Jahr treffen. Damit würde man der Baukultur im Kanton Glarus jenen Stellenwert zurückgeben, die es verdient, lautete ihr messerscharfes Plädoyer.

Wie man es machen sollte


Wie man es besser machen könnte, zeigte Architekt Christian Wagner aus Chur. Am Beispiel der Gemeinde Fläsch in den Bündner Herrschaften zeigte der erfahrene Referent, wie ein Musterbeispiel einer Ortsplanrevision aussehen sollte. Die konsequente Durch- und Umsetzung hatte dazu geführt, dass Fläsch im Jahre 2010 den begehrten Wakker-Preis bekam und heute floriert. Als katastrophal nannte er die Gemeinde Appenzell. In diesem Dorf mit ländlicher Idylle wurde in Sachen Baukultur eigentlich fast alles falsch gemacht. Das Problem dort sind zwar nicht die schützenswerten Häuser, sondern das ganze Drumherum. Sein Fazit: Regionale Baukultur, Identität und schützenswerte Bauten werden in der globalisierten Umwelt vermehrt grössere Beachtung finden.

Kaspar Jenny und seine «gschmöggeti Nase»

Eigentlich fast alles richtig hat Firmeninhaber Caspar Jenny aus Ziegelbrücke gemacht. Sein Mut für Investitionen hat sich gelohnt und sein Hang zur Erhaltung kultureller Güter, in seinem Fall sind es die Räumlichkeiten und die Gebäude der ehemaligen Firma Fritz & Caspar Jenny in Ziegelbrücke, sie sind vorbildlich und nachahmungswürdig. Sein Beispiel zeigt, dass beim Umgang mit denkmalgeschützten Liegenschaften auch der wirtschaftliche Nutzen nicht zu kurz kommen muss. So gesehen kann man dem Unternehmer Jenny im Nachhinein in seinem Fall einmal mehr eine «gschmöggeti Nase» attestieren.

Kontroverses Podiumsgespräch


Beim abschliessenden Podiumsgespräch, moderiert von Florian Spälty und Kaspar Marti, beteiligten sich Thomas Aschmann, Architekt und Präsident des Glarner Heimatschutzes, Architekt und Forumspräsident Hansruedi Marti, Landrat und Baumeister Simon Trümpi sowie Denkmalpflegerin Maja Widmer. Zur Diskussion stand die von Landrat Simon Trümpi eingereichte Motion, die vorsieht, dass die Anzahl der geplanten schützenswerten Bauten reduziert werden soll. Widmer und Aschmann waren da klar gegenteiliger Meinung. Es sollen unter keinen Umständen Bauten aus dem Inventar gestrichen werden, aber auch keine mehr zusätzlich aufgenommen werden. Ein weiterer Punkt in der angeregten Diskussion war das Thema zur Weiterführung der Glarner Bände «Kunstdenkmäler der Schweiz». Die Bände zeigen die Entwicklung der Dörfer im Kanton auf. Angesichts der ausserordentlich hohen Kosten muss die Realisation dieser Bände voraussichtlich noch ziemlich hohe Hürden nehmen.