Mädchen an die Maschinen

Sie sind drei der fünf Mädchen aus dem rund zwanzigköpfigen Team von Fridolins Robotik 6417. Dieses Jahr werden sie in der Türkei versuchen, mit einem klug ausgetüftelten Roboter am Wettbewerb einen Preis abzuräumen. Doch vorher geht es darum, das Fahrwerk zu bauen, die Elektronik, die Baugruppe «Klettern». Der FRIDOLIN sprach mit ihnen über Berufswünsche, Motivation und darüber, wie sie im Team aufgenommen sind.



Noch nie waren bei Fridolins Robotik 6417 so viele Mädchen dabei und noch nie war das so selbstverständlich. «Für mich ist der Unterschied nicht so gross», sagt Moana Brand, auf die Frage, ob es denn zwischen Mädchen und Jungs Unterschiede gebe. «Ich fühle mich mit offenen Armen aufgenommen.» Und Rana Corbaci legt nach: «Es gibt immer noch Menschen, die glauben, Mädchen verstehen das nicht. Aber wir wollen das auch und wir verstehen das auch.» Sina Hefti stellte zwar fest, dass die Knaben von Kantonsschule und Lehrbetrieben zuerst untereinander offener im Umgang waren als mit den Mädchen: «So mit dem Bro-Gruss. Aber jetzt sind sie auch mit uns offen.»

 

Man lernt vieles

Moana nennt den Grund, warum immer mehr Mädchen sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – kurz MINT-Fächer – und damit für das Projekt Fridolins Robotik 6417 interessieren. Er ist einfach, ja fast banal: «Man lernt vieles, was man sonst nirgends lernen könnte. Programmieren, CAD, Metallteile fräsen. Es ist eine Riesenchance, wenn man sich interessiert. Eine sehr gute Erfahrung, man lernt das Technische und die Teamarbeit.» – «Man kann sonst nichts Praktisches lernen», sagt Sina Hefti, «wenn es einem nicht der Vater zu Hause zeigt.» Dabei wurde auch bei den Mädchen schon früher vorgespurt. «Mein Vater arbeitet bei Radio Noser», sagt Rana Corbaci. «Er hat mich gefragt: «Wotsch hälfe?» und ich habe mitgemacht. Konstruieren beim CAD finde ich spannend, auch Geometrie finde ich spannend.» Ähnlich geht es ihr mit dem Berufswunsch Architektin: «Das ist sehr kreativ, weniger technisch als die Robotik. Aber die Erfahrung hier nützt mir, bei der Architektur braucht es auch Ingenieure.» Noch höher hinaus will Moana Brand. «Ich möchte Astrophysik studieren. Ich interessiere mich fürs Universum, für NASA JPL. Ich will bei einem Roboter wissen: Wie baut man das? Sonst sieht man ja nur den Anfang und am Schluss den fertigen Roboter.» Noch nicht entschieden hat sich Sina Hefti: «Ich habe Bio megagerne, wollte auch mal was mit Sprachen machen, deshalb habe ich Latein genommen. Und ich mag auch Mathematik.»

Kontakte knüpfen

Dass sie für das Projekt auch Opfer bringen, ist für alle drei klar. «Wir sind derzeit das einzige Schweizer Team, eine grosse Verantwortung. Aber das fühlt sich gut an», sagt Moana Brand. «Ich habe meine Hobbys Fussball und Volleyball zurückgestellt und mich für Robotik entschieden.» Zwar hätten sich viele Mädchen aus ihrer Klasse auch für das Projekt interessiert, sagt Sina Brand, aber «sie hatten zu wenig Zeit. Man muss bereit sein, sechs Wochen zurückzustecken.» Wenn sie dann in die Türkei reisen, geht es auch um die Kontakte zu den Partnerteams. «Ich freue mich», sagt Rana Corbaci, «so viele Menschen kennenzulernen und zu sehen, wie andere die Aufgaben anpacken. Es ist eine andere Atmosphäre, eine andere Welt, wo wir sind. Ich war noch nie an so einem Wettkampf.» Nach sieben Wochen sehen die Kantonsschülerinnen, wie ihr Roboter im Match funktioniert. «Auf dem richtigen Spielfeld. Dann sehen wir, was wir geschaffen haben. Das ist unser Baby, jetzt lernt es laufen.»