Mänu, Mättu und Simu mit einem Gastspiel der besonderen Art

Mani Matters Schaffen hat Kultstatus, seine Texte und Melodien wirken derart nach, dass die verfügbaren Sitzgelegenheiten in der stadtglarnerischen Kulturbuchhandlung Wortreich für die Besucherschar kaum ausreichten. Angekündigt waren auf dem kleinformatigen Flyer Mänu, Mättu und Simu, mit wortstarkem Bezug zum heimeligen Berner Dialekt, mit dessen Langsamkeit und Gemütlichkeit sich viele nachhaltigst arrangiert haben und sich unbestritten wohl fühlen.



Aber bevor es zu diesem Genuss kam, war es Sache von Christa Pelliciotta, alle gleichermassen herzlich willkommen zu heissen und auf Kommendes hinzuweisen, zu erwähnen, dass es sich beim angekündigten Auftritt um das 300. Konzert handle, das aus irgendwelchen Gründen ausgerechnet im Glarnerland stattfinde. Das geografische Zurechtfinden und das Gliedern glarnerischer Eigenheiten fiel den Interpretierenden mit Künstlernamen wie Mänu, bürgerlich Ivo E. Roesch (Gesang und Minimal – Perkussion); Mättu, Gabriel Kramer (Gitarre, Gesang und Mandoline); Simu, Simon Zürrer (Kontrabass und Gesang) anfänglich spürbar schwer. In charmanter Art tasteten sie sich rein. Wünschten vom Publikum spektakuläre Tipps und stellten ihre Herkunft vor – die von Bern weit entfernt scheint.

Man gewann die drei bald mal richtig lieb, freute sich an Mättu aus dem wilden Norden, genauer aus dem Fricktal. Man erfuhr wenig später, dass der Simu mit seiner riesigen Bassgeige aus dem Zürcher Oberland angereist sei.

Und irgendwann einmal erfuhr man, was es zum Gründen eines Vereins so brauche, welche Chargen wem zugeordnet seien, dass Mani Matter als geistiges Oberhaupt des abendfüllenden, von vielen Munterkeiten, Weisheiten und Schicksalen durchsetzten Angebots das Amt des Archivars innehabe.

Mit Bekanntem ging es dann los. Die Vermischung an Komödiantischem, sachte eingebrachter Theatralik, riesigem gesanglichem und instrumentalem Können, die Vielfalt der eingebrachten Stilmittel und die hervorragende gegenseitige Abgestimmtheit waren absolut überzeugend, mitreissend, bildeten einen hohen Faktor an Gemütlichem, Besinnlichem, Munterem. Und alles kam so spielerisch einher. Man erfuhr von der existenziell nicht eben bedeutenden Problematik eines Sandwiches, mit oder ohne Fleisch. Man sah sich mit der Tragik jenes Eskimos konfrontiert, der ums Leben kam. Man weilte in jener Beiz, in der Schillers Wilhelm Tell einst als Theater aufgeführt worden war – es handelt sich um den «Löwen» zu Nottiswil. Nach zwei Stunden – für überzeugte Eidgenossen gut zu wissen – waren die österreichischen Truppen besiegt.

Und so zwischendurch gab es kurze Aufklärungen, etwa jene, dass Matter gar kein Berner sei, sondern aus Kölliken stamme, dass der Gauner Bernhard Matter unschön geendet habe, dass einem begabten, aber riesig langsam gestaltenden Landschaftsmaler die Kuh einfach aus dem Bild weggelaufen sei und dass eben gerade aus diesem Grunde auf besagtem Bild ein weisser Fleck prange.

Und eine Tragik bedeutet sicher das Leben jenes Mannes, der so zwischen Clownerien und effektivem Beruf als Steuerbeamter hin- und hergerissen war, der am Pültchen, statt auf dem Narrenthron sass.

Gesamteidgenössisch wurde es, als das Jahr 2009 und zwei nationale Abstimmungen kurz angesprochen wurden, als das Publikum jenes Lied per Abstimmung favorisierte, das ihm eher zusagte. Der «Sidi Abdul von El Hama» war in die Minarett-Initiative eingebettet, so formschön und über den Inhalt dieser eidgenössischen Angelegenheit weit, weit hinausreichend. Nachdenklich stimmte das Lied über jene Strasse, die am Friedhof vorbeiführt, die aber – tröstlich zu vernehmen – keine Einbahnstrasse ist.

Und zwischendurch wurde als Special Guest der Tinu aus Schwanden, alias Martin Lehmann, einbezogen. Er «muulörgelte» so rassig und gekonnt mit, als sei er schon immer Teil dieses Ensembles gewesen.

Und nach der Pause traf man dank Gesangs- und Spielkunst auf einen, der sich mit einer währschaften Ladung Dynamit am Bundeshaus zu schaffen machte – so gegen Mitternacht.
Einer, der die Anarchie pries. Und wenig später kam der wieselflinke «Bueb mit Name Fritz» angerannt. Gibt es ihn nun oder nicht?
Rührend dann die Kunde über das bildhübsche Mannequin, das in einer sicher reich ausstaffierten Kutsche am Meer unterwegs war, weniger rührend dann die Likör-Szene.
Es tauchte der Quartierkater Ferdinand auf, er mit seinem bewegten Liebesleben und dem bitteren Abschied aus allem Irdischem – schuld war ja der Herr Brändli.
Eine wahre Endlos-Philosophie ergab sich ums Einparkieren des Autos, ums Geldstück, das zum Einwurf in den Parkingmeter fehlte, ums Besorgen dieser monetären Einheit oder das Wegfahren.

Zum Nachsinnen gehörte auch die Auseinandersetzung um das Ende der 5000 Jahre umfassenden Entwicklung, um den Aufbruch von Noah samt Getier in der Arche und missbilligenden Kommentaren vieler Leute. Leichtere Kost ergab sich um «Vrini, Schtini und Bikini», so liebenswürdig und kurzweilig.
Und irgendwann einmal kam die Zeit des Verabschiedens, zuerst mit zwei Zugaben ab Bühne samt damit verbundenem Auseinandersetzen um den «Hansjakobli, seinem Babettli und das Chuchitaburettli» und dem Zündhölzchen mit der Flamme, dem beschädigten Teppich.

Es gäbe noch über einen Wettbewerb zu berichten, den Jeremias gewann, übers zweite Gastspiel des Tinu aus Schwanden, die lange Pause mit den gar munteren Gesprächen am Tresen, über mannigfaltige Gefühle – alles am gleichen, riesig tollen Abend.