Markus Somms Plädoyer für eine eigenständige und freie Schweiz

Es gehört zur schönen Tradition der General-Bachmann-Gesellschaft, sich jeweils am Bettagssamstag im Beisein illustrer Gäste und in kameradschaftlicher Umgebung sich im Rittersaal des Freulerpalastes in Näfels zu treffen. Mit dem Verleger und Chefredaktor der Basler Zeitung Markus Somm referierte in diesem Jahr ein kompetenter und belesener Referent über das Thema «Leben wir bald wieder im Ancien Régime?»




Im altehrwürdigen Rittersaal des Freulerpalastes konnte Martin Laupper, Präsident der General-Bachmann-Gesellschaft, im Namen des Generalrates die zahlreich anwesenden Mitglieder und politischen Vertreter, unter ihnen Ständerat Dr. Thomas Hefti und Landratspräsident Bruno Gallati, herzlich zum traditionellen Bettagssamstag-Anlass willkommen heissen. Er freue sich ganz speziell über die Anwesenheit von Verleger und Chefredaktor der Basler Zeitung Markus Somm und seiner Frau Anita. Beide Gäste wurden mit kräftigem Applaus herzlich begrüsst. «Markus Somm vorzustellen wäre Wasser in die Linth getragen», meinte alt Gemeindepräsident Laupper. BAZ-Chefredaktor Somm sei bekannt als fundierter, pointierter und ab und zu provokativer, bürgerlicher Journalist und Chefredaktor. Immer wieder schaffe er es, politische Diskussionen zum Erlebnis für Zuhörer werden zu lassen. Sein persönlicher Leistungsausweis sei beeindruckend. Gespannt sei er auf das nachfolgende Referat «Leben wir bald wieder im Ancien Régime?»

Das Ancien Régime

Zuerst einmal eine Erklärung zum Ancien Régime. Das Ancien Régime, zu dem unter anderem auch General Niklaus Franz von Bachmann gehörte, war das politische und soziale System des Königreichs Frankreich vom Ende des Mittelalters bis 1789, als die Französische Revolution die Erbmonarchie und das Feudalsystem des französischen Adels aufhob. Das Ancien Régime wurde von den Valois und Bourbon Dynastien regiert. General Bachmann spielte in diesem Régime als Heerführer in einer der mächtigsten und wichtigsten Armee der Welt eine wichtige und entscheidende Rolle. Eine Riesenleistung eines Näfelsers, der unter anderem auch Spiritus Rector der Schweizer Fahne war. Das weisse Kreuz auf rotem Felde sollte dazu dienen, die Eidgenossen auf Kriegsschauplätzen von den anderen zu unterscheiden. Diese hatten zur damaligen Zeit ein extrem enges Bündnis mit Frankreich.

Zur Person Markus Somm

Markus Somm ist im Jahr 1965 geboren, hat in München, Bielefeld und Zürich Geschichte und in Harvard Politikwissenschaften studiert. Seit zehn Jahren schreibt er über Schweizer Innenpolitik und Zeitgeschichte, zuerst für den Tagesanzeiger, unter anderem als Bundeshaus-Korrespondent in Bern, heute für die WELTWOCHE. Er lebt mit seiner Familie in der Region Zürich.

Sind die in Bern Brüssel hörig?

Referent Somm gewährte den Anwesenden einen Einblick hinter die Kulissen von Bundesbern. Mit schonungsloser Offenheit und unverblümt sprach er vom Kniefall vieler Parlamentarier vor den Technokraten in Brüssel. Viele dieser «Volksvertreter» sehen in der EU interessante Karriereaussichten und denken und handeln mehrheitlich nur zum Eigennutz. Chefredaktor Somm warnte eindringlich, Werte wie Eigenständigkeit, Demokratie und Freiheit leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Ein Riesenproblem sei auch die Zuwanderung in Europa. Auch der bilaterale Weg kam zur Sprache. Eine Art von Bilateralismus hatten wir schon lange hatten. Was uns heute mit dem bilateralen Weg verbindet, das hat es damals schon gegeben. Das Verhältnis Frankreich-Schweiz hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. Schweizer waren während dem Ancien Régime nichts anderes als Untertanen der Franzosen und der König hat sie entsprechen behandelt. Am schlimmsten war es unter Ludwig XIV. Schon damals mussten die Schweizer «höfälä». «Warum bin ich besorgt – wenn man den Zustand der heutigen Schweiz anschaut, erkennt man gewisse auffällige Parallelen zwischen dem damaligen Ancien Régime und der heutigen EU», so die Meinung von Chefredaktor Markus Somm «Wir haben eine Brüssel-Hörigkeit unserer politischen Elite, welche gefährlich ist. Wenn Brüssel etwas von uns will, sind wir wahnsinnig schnell dienstfertig. Wir fügen uns dem Diktat von Brüssel und kuschen vor Brüssel. Wir sind die perfekten Umsetzer der Richtlinien der EU. Diese gefährlichen Anbiederungen und das unappetitliche Kuscheln einiger Parlamentarier mit der EU in Brüssel geben zu denken.

Referat von Markus Somm war ein Erlebnis

In seinem rund anderthalbstündigen, brillanten Referat verglich Chefredaktor Somm die damalige Zeit des Anciem Régime mit der heutigen Zeit. Er sieht dabei viele Parallelen aus der Zeit des 18. Jahrhunderts und gewisse Entwicklungen von heute im 21. Jahrhundert. Dies nicht nur in der Schweiz, sondern auch in anderen Ländern. Seine abschliessenden Prognosen verheissen nichts Gutes. Die Revolution komme zwar nicht. Es werde auch nicht so sein wie damals beim Anciem Régime, wo es plötzlich geknallt hat und daraus erst die Revolution und später ein Krieg ausbrach. So weit werde es im heutigen Europa nicht kommen. Doch so wie es im Moment läuft, werden populistische Parteien wachsen, Spannungen werden zunehmen und sich irgendwann einmal entladen.