Matura in einer besonderen Zeit

55 von 56 Maturandinnen und Maturanden haben die Prüfungen in Glarus bestanden und sind am Freitagabend geehrt worden. Von einem rappenden Rektor, mit humorvollen Reden, Jonglage und viel Musik.



Die Maturafeier in der gut gefüllten Aula der Kantonsschule kommt schon fast normal daher. Zwar durften die Lernenden nur je vier Gäste anmelden. Handschlag vom Bildungsdirektor gibt es keinen, und der Schlussapéro findet in der Turnhalle an Tischen statt. Geblieben aber sind die frohe Stimmung und der grosse Applaus nach den bunten Darbietungen. Bei Tina Turners «Simply the Best», dargeboten vom Schwerpunktfach Musik unter Leitung von Randy Müller, gibt es gar Standing Ovations.

Jonglage und Rap

Rektor Peter Aebli blickt auf das besondere Jahr zurück – für einmal nicht alleine auf der Bühne, sondern hervorragend begleitet von der ehemaligen Maturandin Carla Kühne und Maturand Niculo Dan Zubler. Der Rektor lässt sich dabei sogar zu einem Rap hinreissen!

«Ich bin mir bewusst, es war nicht einfach», sagt Peter Aebli angesichts der vergangenen Monate, geprägt von der Corona-Pandemie. Die Lernenden waren mit Stresssituationen konfrontiert, selbst die Maturareise fiel ins Wasser. «Es wird nicht die letzte Krise sein, die Sie in Ihrem Leben meistern müssen. Wir haben versucht, Ihnen das Rüstzeug dafür mitzugeben», so der Rektor.

Er würdigt die guten, ja sehr guten Leistungen der Maturandinnen und Maturanden. 55 von 56 haben mit Bravour bestanden. Obenaus schwingt Roman Dirnberger mit einem sagenhaften Schnitt von 5,92. Speziell gratuliert Peter Aebli auch Finn Hasler, die mit ihrer Maturaarbeit zur Ringparabel den Theologiepreis der Universität Basel gewonnen hat.

Das musikalische Zwischenspiel «Sunny» von Marc und Yves Gregor sowie Niculo Dan Zubler leitet über zu den persönlichen Gedanken von Debora Beccaletto. Humorvoll blickt sie auf die Schulzeit zurück. «Wir haben es überstanden, die Lehrer auch. Es war nicht einfach mit uns, aber auch nie langweilig», lacht sie.

Die letzten Wochen seien nervenaufreibend gewesen. «Doch am Ende ist es gut rausgekommen. Ich würde sagen, es war der krasseste Jahrgang, den die Schule je gesehen hat», sagt die Maturandin und dankt allen Beteiligten.

Gelegenheiten im Leben ergreifen

Ebenso humorvoll sind die Ausführungen von Jarryd Lowder, 1968 in den USA geboren und seit sechs Jahren in Glarus wohnhaft. «Ich komme aus einem chaotischen Drittweltland», meint er vielsagend und nimmt in seiner Ansprache immer wieder Bezug auf den aktuellen Präsidenten.

Aufgewachsen ist der Journalist, Fotograf und Grafiker im Staat Iowa im mittleren Westen, nicht allzu weit entfernt von New Glarus. 200-mal würde der Kanton Glarus in Iowa reinpassen. Später lebte er in New York City, dessen Landfläche etwa gleich gross ist wie das Glarnerland. Als er dann nach Glarus kam, fand er das Leben «sehr spannend und sehr desorientiert». Nach und nach fand er viele Freunde – vom Zwerg Bartli bis hin zur «Bügelschneggli-Familie», was er mit grafisch veränderten Fotos untermalt.

«Do what you can, what you must, what you are able to do», sagt er zu den erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen. Sie sollten die Gelegenheiten im Leben ergreifen. Und zwischendurch auch Fotos ausdrucken, damit die Leute später sehen, wie sie gelebt hätten, schmunzelt der Fotograf.

Vor neuen Freiheiten

Wunderschön ist anschliessend Beethovens «Mondscheinsonate», gespielt von Sophia Rast. Und dann kommt der von allen ersehnte Moment: die Übergabe der Maturazeugnisse durch Bildungsdirektor Benjamin Mühlemann. Ausgehend von Einsteins Zitat, «Neugier ist ein verletzliches Pflänzchen, das nicht nur Anregung, sondern vor allem Freiheit braucht», erinnert auch er an die «tristen drei Monate», die angesichts der Einschränkungen gezeigt hätten, was Freiheit heisse.

«Nehmen Sie Mut und Elan mit, bleiben Sie kritisch, übernehmen Sie Verantwortung», sagt der Regierungsrat, während draussen ein starkes Gewitter tobt und einzelne Hagelkörner aufs Dach der Aula prasseln. «Unsere Welt verändert sich, wir stehen vor grossen Herausforderungen. Bildung und Weiterbildung sind absolut zentral, Kreativität und Innovation sehr wichtig. Machen Sie aus Ihrem Pflänzchen einen mächtigen Baum.»