GKTG-Präsident Peter Wehrli kündigte diesen «Dessert» mit launigen Worten an. Die aus Marc Jaussi und Jozsef Luczek (Trompete), Thomas Gmünder (Horn), Joachim Tanner (Posaune) und Markus Hauenstein (Tuba) bestehende Philharmonic Brass bestehende Bläserformation gastierte verschiedentlich im Glarnerland und hat sich mit ihren wechselvollen Auftritten, dem vielseitigen Repertoire und der hohen Spielkunst viel Sympathien geholt. Angekündigt war diesmal eine musikalische Lesung über die gar üblen Streiche von Max und Moritz. Ihr Benehmen ist derart ruppig, rotzfrech, zuweilen gar kühn, die Erwachsenen und deren Erziehungsbemühungen total verachtend, dass sich die beiden Bengel wohl bei vielen Kindern Bonuspunkte geholt haben. Stefanie Walder trug die Inhalte der sieben Streiche in aktualisierter Form vor – zum grossen Vergnügen der grossen Zuhörerschar. Diese Mundfartfassung stammt von Jörg Schneider. Er verwendet eine üppigen Vielfalt von aussage- und deutungsstarken Sätzen mit überbordendem Geschehen. Dazu passend, hatte das Blechbläserquintett eine Vielzahl von spieltechnisch stark fordernden Stücke ausgewählt und entsprechend arrangiert. Die Interpreten setzten kluge Akzente, mal überbordend, stürmisch, dann besinnlich, verträumt, mal markant akzentuierend, dann wieder weite Spannungsbogen aufbauend. Ihr Spiel ist sehr gepflegt, hervorragend abgestimmt und von Kurzweil geprägt. Den Inhalten der sieben Streiche gleich, sind zuweilen rasante Wechsel erforderlich. Man befindet sich gedanklich da und dort, an der Sonne, im Zirkus, auf einem erhöhten Aussichtspunkt, in irgendwelchen Gebäulichkeiten – einfach so, wie es die jeweilige Situation erfordert. Auf die Leinwand projiziertes Bildmaterial verdeutlicht das weltweit bekannte Gehabe der Lausbuben, die sich nicht nur in der Schule gewaltigen Mist bauen, sondern auch Nachbarn, Gewerbetreibende, einen Onkel und andere an den Rand des Wahnsinns bringen. Heute würde man – das war der Erzählung zu entnehmen – therapieren, mit Ritalin behandeln, gewaltig massregeln, nach dem Kiffen und Klauen zur Rede stellen, zu Sanktionen greifen. Das sei voll krass, so ein Merksatz. Das Aus für lieblich gackernde, sich frei bewegende Hühner, das Beklauen der Witwe Bolte, der üble Umgang mit Schneider Böck – er fiel von der angesägten Brücke ins lebensbedrohliche Nass – oder das Schicksal des armen Schulmeisters Lempel liess niemanden unberührt. Dass sich der arme Onkel von den lästigen im Bett rumkrabbelnden Maikäfern dank dezidiertem Reagieren erfolgreich befreite, nahm man zum musikalischen «Guten Abend, gut Nacht …» gerne zur Kenntnis.
Und dass die Bengel hitzeresistent sind und sich nach dem Backen durch die Brotrinde rausfrassen, war schon olympiareife Klasse. Dazu gehörte wirblige Musik. Und nach dem letzten Streich mit der makabren Mahlerei in der Getreidemühle kArtikelehrte wieder der Alltag ein. Mit herzlichem Applaus wurden die Interpretierenden verabschiedet.



