Mehr Vielfalt statt Einfalt auf öffentlichen Grünflächen

Der Kanton Glarus setzt erste Massnahmen der Biodiversitätsstrategie um. Mit Kursen zum ökologischen Unterhalt und einem neuen Handbuch unterstützt er Gemeinden, Werkhöfe und Gartenfirmen dabei, öffentliche Grünflächen naturnaher zu pflegen und die Biodiversität im Talraum zu fördern. In der Praxis ist der kantonale Strassenunterhaltsdienst initiativ und bestrebt mit einer ökologischen Bewirtschaftung entlang der Kantonsstrassen die Artenvielfalt zu fördern und wertvollen Lebensraum zu schaffen.



Kurs zum ökologischen Unterhalt: Die Teilnehmer lernten, Artenreichtum zu erkennen • Foto: zvg
Kurs zum ökologischen Unterhalt: Die Teilnehmer lernten, Artenreichtum zu erkennen • Foto: zvg

Im Juni 2026 führte die Abteilung Umweltschutz und Energie zwei Kurse zum ökologischen Unterhalt durch. Daran nahmen Mitarbeitende der kommunalen Werkhöfe sowie des kantonalen Strassenunterhaltsdienstes teil. Weitere Kurstage folgen im Herbst und im nächsten Jahr.

Blumenwiesen und -rasen

«Hört ihr die Feldgrille?» Die Frage überrascht die Kursteilnehmenden. Auf einer dichten, artenarmen Rasenfläche wäre nichts zu hören. Auf dem Friedhof in Schwanden hingegen erfüllt lautes Zirpen die Luft. Feldgrillen bevorzugen lückige Vegetation und warme Bodenstellen – genau die Bedingungen, welche die dortige Blumenwiese bietet. Sie ist damit ein anschauliches Beispiel dafür, wie ökologischer Unterhalt die Artenvielfalt fördert.

Viele Grünflächen im Siedlungsgebiet werden alle vier Wochen gemäht. Dadurch nimmt die Artenvielfalt ab und es entstehen häufig «grüne Wüsten». Gerade im Siedlungsraum bieten solche Flächen grosses Potenzial, die Natur wieder näher zu den Menschen zu bringen. Da die meisten Glarner Siedlungen auf dem Talboden liegen, können naturnah gepflegte Grünflächen einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Vernetzung leisten.

Kursleiter Andreas Kunz von der Naturwert GmbH erklärt: «Grünflächen im Siedlungsgebiet können wichtige Trittsteine zur Vernetzung von Biotopen sein. Anders als in der Landwirtschaft müssen sie nicht primär der Futterproduktion dienen. Mit einer angepassten und durchdachten Pflege können die öffentliche Hand und auch Privatgrundbesitzende einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten.»

Die Teilnehmenden lernten, artenreiche Blumenwiesen und Blumenrasen zu erkennen und gezielt zu fördern. Entscheidend ist dabei die richtige Pflege. Angepasste Schnittzeitpunkte und stehen gelassene Rückzugsstreifen schaffen Nahrungs- und Rückzugsräume für Tiere, wenn die übrige Fläche gemäht ist.

Grosse Artenvielfalt auf kantonseigenen Wiesen

Warum nicht einmal einen Heu- oder Asthaufen liegen lassen – beispielsweise als Unterschlupf für Ringelnattern oder Igel? Was der Natur nützt, kommt auch den Menschen zugute. Artenreiche Wiesen steigern langfristig die Lebensqualität und fördern das Wohlbefinden.

Der Kanton überprüft deshalb die Pflege seiner eigenen Grünflächen und richtet den Unterhalt schrittweise so aus, dass eine möglichst hohe Artenvielfalt erreicht wird.

Wertvolle Strassenböschungen in der Praxis

«Mehr Natur an Verkehrswegen» ist nicht nur ein theoretisches Ziel der kantonalen Biodiversitätsstrategie, sondern auch in der Praxis bei der Bewirtschaftung durch den kantonalen Strassenunterhaltsdienst. Um sich gezielt weiterzubilden, besuchten die Mitarbeiter einen Kurs zur ökologischen Pflege von Strassenböschungen und Wegrändern. Mit dem neuen Wissen kann die Grünpflege nun gezielt weiterentwickelt werden. Dass der Unterhalt bereits naturnah erfolgt und auf gutem Weg ist, zeigt sich an zahlreichen Standorten entlang der Kantons- und Gemeindestrassen. Kursleiterin Monika Orler vom Ökobüro Flor konnte den Kursteilnehmenden entlang einer Strasse mehrere Orchideenarten zeigen, darunter die Fliegen-Ragwurz – ein besonderes Highlight.

Strassenböschungen und Wegränder sind oft nährstoffarme Lebensräume mit einer hohen Artenvielfalt – vorausgesetzt, sie werden ökologisch gepflegt. Aufgrund ihrer Ausdehnung spielen sie eine wichtige Rolle als Vernetzungskorridore für Tiere und Pflanzen. Ein zu früher Schnitt oder das Mulchen kann für viele Tierarten und lichtliebende Pflanzen jedoch gravierende Folgen haben.

Gezielte Förderung der Natur an Kantonsstrassen

Flächen entlang von Verkehrswegen bieten häufig grosses ökologisches Aufwertungspotenzial. Der Kanton verfolgt deshalb das Ziel, entlang der Kantonsstrassen die Artenvielfalt zu fördern.

So liess der kantonale Strassenunterhaltsdienst in Zusammenarbeit mit der kantonale Fachstelle Natur- und Landschaftsschutz im Frühling auf einer monotonen Rabatte entlang der Landstrasse in Glarus frisches Schnittgut einer artenreichen Blumenwiese ausbringen. Dadurch werden sich bereits im nächsten Jahr zahlreiche Blumen- und Grasarten ansiedeln. Zur Entwicklung einer wertvollen Blumenwiese wird ein langfristig ökologischer Unterhalt verfolgt. Der kantonale Strassenunterhaltsdienst ist bestrebt, weitere Flächen entsprechend aufzuwerten. 

Weitere Informationen sind im Handbuch ökologischer Unterhalt verfügbar.