Meine Geschichte, mein Recht – bewegende Geschichten aus der Schweiz

Kaum fünf Wochen nach Öffnung der Tür zum neuen Anna-Göldi-Museum im Hänggiturm in Ennenda wurde eine erste, spektakuläre Sonderausstellung unter dem Titel «Meine Geschichte – mein Recht» eröffnet. Es sind Porträts von neun Menschen, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Im Mittelpunkt steht die Frage zur Bedeutung der Menschenrechte. Viele der Ausstellungsbesucher zeigten sich vom Gesehenen und Gehörtem tief beeindruckt. Die nachfolgende, engagiert geführte Diskussion hat bewiesen, dass dieses Thema heute die Menschen buchstäblich unter ihren Nägeln brennt.




Im einmaligen, beinahe mystischen Ambiente des Hänggiturms in Ennenda fand am vergangenen Donnerstagabend die Eröffnung der ersten Sonderausstellung statt. Die Anna-Göldi-Stiftung bot dazu Gastrecht für eine Ausstellung mit dem Titel «Meine Geschichte, mein Recht». Notabene ein Thema, welches die Stiftung von Anfang an auf ihre Fahne geschrieben hat. Museumsdirektor Fridolin Elmer zeigte sich erfreut über den Aufmarsch und das grosse Interesse der Ausstellungsbesucher. «Südostschweiz»-Redaktor Daniel Fischli überzeugte als gewiefter Moderator und Diskussionsleiter

Ein Thema, welches polarisiert


Eines kann man jetzt schon voraussagen: Aufgrund des brisanten Themas dürfte diese Sonderausstellung, die auf die Bedeutung und die Rolle der Menschenrechte hinweist, bei der Bevölkerung auf überaus grosses Interesse stossen. Andrea Huber, Initiantin der Informationskampagne «Schutzfaktor M» meinte dazu: «Die Menschenrechte sind die Basis unserer Demokratie und unseres Rechtsstaates, ein wichtiger Schutzfaktor. Denn sie schützen unsere Rechte als Bürgerinnen und Bürger und unsere Freiheit.»

Menschenrechte müssen erkämpft werden


Die Geschichten illustrieren eindrücklich, dass auch wir in der Schweiz unserer Rechte immer wieder einfordern und verteidigen müssen. «Menschenrechte müssen buchstäblich erkämpft werden», meinte Huber von «Schutzfaktor M». Sei es das Recht auf ein faires Verfahren oder das Pochen auf die Rechte der Pressefreiheit, das Recht für Menschen mit Behinderungen, die Frauenrechte oder den Schutz der Privatsphäre und das Diskriminierungsverbot. Die Informationskampagne «Schutzfaktor M» zeigt mit der Ausstellung Menschen, die wissen, was es heisst, wenn die Menschenrechte nicht mehr gelten.

Im Gefängnis, weil sie mit 17 schwanger wurde

Gespannt warteten die Ausstellungsbesucher auf das Referat von Ursula Biondi, Empfängerin des Anna-Göldi-Menschenrechtspreises im Jahr 2015. Biondi schilderte auf eindrückliche Art und in bewegten, sehr emotionalen Worten ihre unglaubliche Geschichte und die schrecklichen Erlebnisse, welche sie wegen einer Schwangerschaft als17-Jährige im Frauengefängnis von Hindelbank erleiden musste. «Sie nahmen mir mein Kind und meine Würde. Die Zeit im Gefängnis hat tiefe seelische Wunden hinterlassen. Tausende von Menschen sind früher vom Staat gebrochen worden. Wenn wir den Menschenrechten nicht Sorge tragen, kann das jederzeit wieder passieren», lautete ihr unmissverständliches Statement.

Die Sonderausstellung ist während den offiziellen Öffnungszeiten bis Ende Oktober zu sehen. Der Eintritt zu diesem Museumsteil ist gratis. Das Museum ist nicht beheizt. Deshalb der Witterung angepasste Bekleidung mitnehmen!