Meisterhafte Interpretation

Nach dem Verlassen des eher mässig besuchten Konzerts mit Streichtrios von Beethoven fragte man sich unwillkürlich, wem eigentlich mehr Ehre gebühre – dem Komponisten Ludwig van Beethoven (1770–1827) als Schöpfer der ergreifenden, mitreissenden Werke oder den Interpreten, die mit faszinierender und begeisternder Leidenschaft und hohem Können eine Klangwelt aufleben liessen, die gewiss Seltenheitswert hat; gerade weil derart meisterhaft, perfekt und bewegend interpretiert wurde.



Beethovens Streichtrios interpretierten in der Aula Glarus (von links): Daniel Sepec (Geige)
Beethovens Streichtrios interpretierten in der Aula Glarus (von links): Daniel Sepec (Geige)

Beim Mitgeniessen konnte man zuweilen kaum mehr ruhig sitzen bleiben, es begann wohl in vielen zu schwingen, mal behutsam, dann kraftvoll, bei gar leisen, kaum mehr vernehmlichen musikalischen Sequenzen oder beim kraftvollen, sehr dezidierten Spiel. Was der Violonist Daniel Sepec, Anne Katharina Schreiber, Viola und der Cellist Roel Dieltiens an vollendeter Spielkunst boten, war in jeder Beziehung ansteckend schön. Die Interpretation war derart perfekt, sorgsam aufeinander abgestimmt und mit spürbarer Freude an beinahe grenzenlosen Ausgestaltungsprozessen erfüllt. Es wiegt schwer, die Differenziertheit dieser Spielkunst, die teilweise rasenden Tempi, die langsamen, wohlklingenden Tonfolgen, die Brillanz im Zusammenspiel, das Aufgreifen einer kurzen Sequenz und das damit verbundene Weiterspinnen in adäquate Formulierungen zu bringen. Die perfekte Technik der Interpretierenden führte Hörgenuss und Anteilnahme in beinahe neue Erlebniswelten. Und was durch kurze Zäsuren, der Steigerung aus einem allerfeinsten Piano ins strahlende Forte, das Verklingen, das oft einem reizenden kleinen Versteckspiel gleichkam so gesamtheitlich zum Tragen brachte, war Musik vom Allerfeinsten – so abgedroschen das nun klingen mag. Die Vielzahl an Gestaltungsformen, das Einbringen brillant aufklingender Feinheiten, technische Raffinesse führten zu einem unvergleichlich schönen, innigen Mitvollziehen, zu Verblüffung, Erwartungsfreude – wie wird das weitergehen? Und vieles geschah wahrlich blitzschnell, seien es die turbulenten Wechsel, das kurze Verharren, die Aufforderung zum Mittun, zum Weitergestalten von einer der zahllosen kurzen, stets ungemein innigen Sequenzen, deren Ausspielen hohe Präzision, Abgestimmtheit und Virtuosität erforderten. Man vernahm liebliche Leichtigkeit, Spannungsgeladenes, ungeheure Verspieltheit, Munterkeiten, kurze Dramatik, erspürte das Hinhuschen, Necken, Verstecken, Aufwecken, Verfolgen, Freude, Resignieren. Die Palette an Gefühlen wollte zuweilen kaum enden, sei es nun im 1792 entstandenen Trio in Es-Dur, dem Trio in c-Moll (vermutlich zwischen 1796–1798 geschrieben) oder jenem in G-Dur (wohl im gleichen Zeitraum entstanden).

Die Interpretierenden brachten eine wechselvolle, farbige Vielzahl an absolut Ausdrucksstarkem, stets meisterlich gespielt, zum Klingen. Konnte man mit dem herzlichen Applaus einen adäquaten Dank ausdrücken?

Im Programmtext war nachzulesen, dass die ersten zwei Trios der Tradition der Serenadenmusik verpflichtet sind, dass es sich also um gehobene Unterhaltungsmusik handle, welche oft im Freien aufklang und von Unbeschwertheit und Anmut geprägt sei. Die Satzfolge des dritten Trios hingegen entspreche einer grossen Sinfonie aus der damaligen Zeit. Die fünf Trios entstanden innerhalb von lediglich fünf Jahren.

Beethovens Trios sind spieltechnisch enorm fordernd. Daniel Sepec, Anne Katharina Schreiber und Roel Dieltienst erwiesen sich zuweilen als wahre Magier bezüglich Ausgestaltungskunst. Die Freude der genüsslich Hinhörenden war spürbar. Die Leichtigkeit und Munterkeit übertrug sich auf die begeisterten Zuhörer, die sich sogar eine Zugabe erklatschten.

Die Verantwortlichen der GKTG-Musikkommission mit Martin Zimmermann als Präsident haben ein unermesslich wechsel- und genussreiches Begegnen ermArtikelöglicht.