Mit Herz gegen Hass im Netz

So heisst der obige Titel einer Informationsbroschüre des Vereins «Netz Courage», der gegen Internethass, Diskriminierung und Rassismus im virtuellen Lebensraum antritt. Der Verein wurde im Oktober 2016 von der Journalistin und ehemaligen Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin geründet.




Die Politikerin geriet bekanntlich wegen einer Medienaffäre im Jahr 2014 ins Schussfeld der Presse, vor allem von Social Media. Nebst der Präsentation vom Verein «Netz Courage» diskutierte die Referentin unverblümt und aufklärend über den erlebten Psychoterror und die unglaublichen Erlebnisse nach der erwähnten Medienaffäre. Erlebnisse, welche die Referentin physisch und psychisch an ihre Grenzen brachte, die sie gleichzeitig aber auch unglaublich stark machten und sie auf einen Weg führten, der ihr wieder Boden unter ihre Füsse setzte und gleichzeitig vielversprechende Zukunftsperspektiven versprach.

Parallelen zum Schicksal von Anna Göldi

Das Anna-Göldi-Museum in Ennenda, Erinnerungsstätte der im Jahre 1782 nach einem beispiellosen Justizirrtum als letzte Hexe vom Schwert des Scharfrichters exekutierte Magd Anna Göldi, war idealer Austragungsort für ein vom zahlreich anwesenden Publikum mit Spannung erwarteten Referat der ehemaligen Zuger Stadträtin Jolanda Spiess-Hegglin. Sie selbst hatte sich das Anna-Göldi-Museum als idealer Ort für die Vorstellung ihres Vereins «Netz Courage» mit anschliessender Diskussion ausgewählt. Dabei sieht sie durchaus Parallelen zwischen ihrem Fall und dem Schicksal von Anna Göldi. Blicken wir zurück: Die sympathische und rhetorisch hervorragende Referentin wurde im Jahr 2014 von den Sozial- und Printmedien, allen voran von der grössten Schweizer Tageszeitung mit anspruchsloser Leserschaft wegen einer Medienaffäre buchstäblich in der Luft zerrissen. Wild umherschiessende Redaktions-Cowboys aus verschiedenen Medienhäusern benutzten die damalige Zuger Kantonsrätin als wehrlose Zielscheibe, respektlos, Menschenrechte verachtend und sämtliche journalistische Sorgfaltspflichten vergessend. Noch schlimmer aber waren für die Referentin die menschenverachtenden, hasserfüllten Angriffe auf ihre Person auf den Social Medien. Was mit Jolanda Spiess-Hegglin geschah, war nichts anderes als eine völlig inakzeptable, virtuelle Hexenjagt!

Mit Mut gegen Hass, Diskriminierung und Rassismus

Zusammen mit Freundin Irina Studhalter gründete Jolanda Spiess-Hegglin im Oktober 2016 den Verein «Netz Courage», mit dem sie als Geschäftsführerin ehrenamtlich Betroffenen von Internethetze Hilfe anbietet.Nach eigener Angabe hat Jolanda Spiess-Hegglin als Geschäftsführerin des Vereins «Netz Courage» bis dato gegen 150 Anzeigen geschrieben, von welchen die meisten mit einem Strafbefehl oder einem Vergleich abgeschlossen wurden. Dazu nutzt Spiess-Hegglin auch einen Fake-Account bei Facebook, mit dem sie unter falschem Namen Material für ihre Anzeigen sammelt. «Netz Courage» erweiterte die Tätigkeit, indem der Verein für Firmen oder Nonprofit-Organisationen Referate oder Workshops anbietet.

Das darf sich nie mehr wiederholen!

«Ein Fall wie meiner darf sich nie mehr wiederholen», ist das oberste Ziel von Jolanda Spiess-Hegglin. Damit das nicht mehr passiert, arbeitet sie im Verein und mit den Schulungen von Journalisten. «Es gibt aber auch Dinge, die ich allein nicht bekämpfen kann. Beispielsweise das patriarchische System in der Politik und der Frauenhass. Diese Probleme gilt es gemeinsam zu bekämpfen. Dann möchte ich, dass Hatespeech (Hass auf eine bestimmte Gruppe von Menschen) und Hassattacken in der Schweiz als Gewalttaten anerkannt werden. Dass Prävention betrieben wird und offizielle Anlaufstellen geschaffen werden.» Das Ziel der Referentin wäre, dass es am Ende einen ehrenamtlichen Verein wie «Netz Courage» nicht mehr braucht.

Viel zur Aufklärung beigetragen

Nachdem Museumsdirektor Fridolin Elmer nach geschickter Fragestellung den Weg für eine Diskussion ebnete, wurde Diskussion vom Publikum rege benutzt. Wie voraussehbar stand dabei die Medienaffäre aus dem Jahr 2014 natürlich im Vordergrund. Unverblümt, offen und Fakten auf den Tisch legend beantwortete Jolanda Spiess-Hegglin all die vielen Fragen, die vom interessierten Publikum auf sie hereinprasselten. Warmer Applaus am Schluss der Veranstaltung war verdienter Lohn für einen interessanten und spannenden Informations- und Diskussionsabend. Die besten Wünsche für viel Mut und Kraft begleiteten Jolanda Spies-Hegglin auf ihrem Heimweg vom Glarnerland nach Zug.