- „Das Ziel einer guten Rede ist es, das Herz der Menschen zu erreichen“, meint Patrick Rohr. Er selbst ist ein Meister im Sprechen vor Publikum. Das stellt er auch in Glarus unter Beweis. Bei seinem einstündigen Auftritt führt er die Glarnerinnen und Glarner mit viel Charme in die Kunst des Redens ein. „Ohne diese Handbewegung wären Blochers Aussagen wohl nur halb so stark“, so Rohr und hält die Hände in der typischen Manier des Politikers in die Höhe. Das Publikum lacht laut heraus. Mit diesem und weiteren Beispielen, die Rohr immer wieder nachspielt, veranschaulicht er, was ein guter Auftritt ist. Seine Zuschauer sind, trotz des eigentlich trockenen Themas, mit grossem Interesse und Begeisterung dabei.
Authentisch sein
„Einfach sich selbst sein, dann passiert einem nichts“, sagt Rohr. Wer doch noch etwas mehr Hilfe braucht um eine gute Rede halten zu können, erhielt von Rohr an diesem Abend viele nützliche Tipps. Er vergleicht das Reden vor Publikum mit einer Autofahrt von Glarus nach Zürich: Dabei ist es wichtig, möglichst schnell auf die Autobahn zu kommen, also einen direkten Einstieg in seine Rede zu finden. Anschliessend sollte man auf unnötige Umwege verzichten. „Kein Mensch fährt zuerst auf den Hirzel um dann umzukehren und über Rapperswil nach Zürich zu fahren“, so Rohr. Dasselbe gilt fürs Reden: Was nicht zum Thema gehört lässt man besser weg. Wie beim Autofahren darf auch bei einer Rede das Ziel nie aus den Augen verloren werden. „Wenn ich weiss wo ich hin will, muss ich meine Rede auch nicht ablesen oder auswendig lernen“, meint Rohr. Daher sollte die Sprache einfach sein: Kurze Sätze und nur ein Gedanke pro Satz. Wer auf Schweizerdeutsch sprechen will, schreibt seine Rede am besten mit den Eigenheiten der Mundart auf, so gibt es später bim Sprechen keine gekünstelten Sätze. Neben dem Gesprochenen spielt natürlich auch der Auftritt selbst eine wichtige Rolle. Auch hier gilt: Authentisch bleiben.
Was wenn man sich nicht vorbereiten kann?
Nach seinem Vortrag bietet eine Fragerunde dem Publikum die Möglichkeit, dem Redeprofi eigene Schwierigkeiten zu schildern. Sehr kompetent geht er darauf ein. Beispielsweise zeigt er auf die Frage, was man machen solle, falls man keine Möglichkeit habe, sich auf eine Rede vorzubereiten, eine praktische Dreierstruktur auf. Mit dieser ist es möglich, auf jede Frage sofort und gut zu antworten. Wie das funktioniert beweist Rohr gleich selbst: Das Publikum gibt ihm ein Thema vor und er hält unvorbereitet eine kurze Rede dazu. Wer mehr von Rohr lernen möchte, findet in seinem neuen Beobachter-Ratgeber „Reden wie ein Profi“ weitere Anleitungen und Tipps. Hilfreich sind auch die verschiedenen Beispielsreden im Anhang des Buches. Sie geben Ideen für persönliche Auftritte und es macht Spass, die eigenen Worte mit denjenigen von teilweise bekannten Persönlichkeiten wie Bundesrad Moritz Leuenberger zu vergleichen.
Gebürtiger Glarner
Rohr wuchs bis zu seinem 15. Lebensjahr in Netstal auf. Danach zog er mit seiner Familie ins Wallis. Der Journalist kann auf 15 Jahre Tätigkeit beim Schweizer Fernsehen zurückblicken. Er moderierte die Sendungen „Schweiz Aktuell“, „Arena“ und „Quer“. Dabei beschäftigte ihn das Thema Reden immer wieder. Was macht einen guten Auftritt aus? Rohr beobachtete seine Gäste im Fernsehstudium sehr genau und lernte, selbst im Rampenlicht zu stehen. Seine Erkenntnisse fasst er in seinem Buch zusammen. Sicherlich ein nützlicher Ratgeber für alle, die nicht mehr nach den richtigen Worten ringen wollen.





