Mit Ritter, Burgfräuleins und dem Drachen vom Schwändital

Unglaublich, was Kinder nicht alles fertigbringen und zu was sie alles bereit sind! Manchmal genügt ein cooles Thema oder die Erzählung einer spannenden Geschichte und schon gehts wie von selbst so richtig zur Sache. So geschehen kürzlich in der Stadtkirche in Glarus, wo 34 kleine Ritter und Burgfräuleins eine spannende Ritternacht erlebten.




Im mystisch sakralen Raum der reformierten Stadtkirche in Glarus trafen sich kürzlich 34 Kinder, um gemeinsam eine richtig spannende Ritternacht zu erleben. Begrüsst wurden sie von den Ritterfrauen Dagmar Doll, Anita Ochsner, Beatrix Künzli und Catherine Etter. Mit Spannung erwarteten die kleinen Rittersleute die von Pfarrerin Dagmar Doll rezitierte Sage vom «Drachen aus dem Schwändital» aus dem Buch «Glarner Sagen», geschrieben vom bekannten Glarner Schriftsteller Kaspar Freuler. Buchautorin Swantje Kammerecker hat die spannende Geschichte für Kinder leicht verständlich umgeschrieben und die bekannte Scherenschnittkünstlerin Estrellita Fauquez hat das reich bebilderte Kinderbuch farbenfroh illustriert. 

Ritterschlag durch das Schwert

Nach der spannenden Erzählung vom mutigen Ritter aus dem Schwändital durch Pfarrerin Doll versammelten sich die kleinen Ritter und Burgfräuleins, mittlerweile verständlicherweise alle mit einem kleinen Hüngerlein rund um den blau geschmückten Tisch für ein feierliches Rittermahl mit allem Drum und Dran. Ritterköchin Anita Ochsner schwang gekonnt ihre Kochlöffel in einer Pfanne auf einem Feuer vor der Kirche und bereitete den hungernden Mäulern eine wohlschmeckende Rittersmahlzeit zu, während zahlreiche kleine Lichter eine mystische Stimmung in den geschmückten Rittersaal zauberten. Nach dem Nachtessen teilten sich die Kinder in Gruppen auf und durchliefen fünf spannende Posten. Dabei erlernten sie das Ritterhandwerk und wurden am Schluss mit dem Schwert zu Rittern geschlagen. Da gab es beispielsweise den Posten 1 «Kräuterkunde», Posten 2 «Kalligrafie in der Schreibstube», Posten 3 «Bibelkunde-Stafette», Posten 4 «Kampfkunst – wer ist der Stärkere» und Posten 5 «Reitstunde auf einem Reitparcours». Eine entsprechende Frage, ob ihr die Ritternacht gefallen habe, beantwortete die Kleine: «Ich gehe eigentlich nicht so gerne in die Kirche, aber diesmal hat es mir nichts ausgemacht und es hat mir sogar sehr gefallen.» Dem ist nichts mehr beizufügen. Zum Abschluss gab es noch eine Gutenachtgeschichte, bevor allgemeines Lichterlöschen den tollen Ritterabend beendete. Wie sich gehört, übernachteten die Kinder im Rittersaal auf der Empore, bevor in der Stille der Kirche nur noch das ruhige Atmen der kleinen Ritter und Burgfräuleins wahrnehmbar war.

Der Drachen aus dem Schwändital

Vor vielen, vielen Jahren hat ein riesiger Drachen das Schwändital oberhalb des Glarner Dorfes Näfels unsicher gemacht hat. Die Bergler haben damals ihre Häuser und die Sennen ihre Hütten wegen diesem Ungeheuer kaum mehr verlassen. Das Wildheu ist deswegen überreif geworden, denn kein Bauer hat sich mehr hinauf gewagt. Selbst die Jäger waren dem verrufenen Tale ausgewichen. Zwar sei ein hoher Preis für einen Drachentöter ausgesetzt worden, doch sei jedem das Leben lieber gewesen als das Geld. Ein armer Ritter, der sein Ansehen eingebüsst hatte, hatte damals von der Not im Schwändital erfahren und beschlossen, den Drachen zu bekämpfen, um durch diese Heldentat seine Ehre wieder zurückzugewinnen. Mit einem Schwert und einem von Dornen umwundenen Stecken bewaffnet, verliess der Edle das Dorf Näfels, begleitet von guten Wünschen der Einheimischen, in Richtung Schwändital. Schon bald entdeckte der arme Ritter den Flammen und Funken stiebenden, gefährlichen Riesenwurm und furchtlos, wie Ritter eben sind, ist dieser mit einem Stecken voll Dornen auf den Drachen losgegangen und hat diesem den Dornenwisch in den Schlund gesteckt. Dieses Futter war selbst für den Drachen zu rau. Vor Schrecken wälzte sich der Drachen hin und her, bäumte sich vor lauter Schmerzen auf und versuchte immer wieder, den mutigen und furchtlosen Ritter anzufallen. Dieser hat sich aber vorgesehen, sein Schwert gepackt und – ritsch – dem Scheusal den Kopf abgehauen. Den Preis erhielt der Tapfere nach seiner Heldentat leider nie, denn ein Tropfen des giftigen Drachenblutes hatte ihn berührt, sodass er kurz darauf sterben musste. Zuhinterst im Schwändital haben damals dankbare Menschen, so wird behauptet, dem unerschrockenen, fremden Ritter ein Denkstein gesetzt, doch niemand hat diesen bis zum heutigen Tage je einmal gesehen.