Mitlödi präsentierte sich an den «Europäischen Tagen des Denkmals»

Unter dem Patronat von Bundesrat Alain Berset fanden am vergangenen Wochenende in verschiedenen Gemeinden in der Schweiz im Rahmen der «Europäischen Tage des Denkmals» verschiedene Aktionen mit Dorfführungen, Atelier- und Baustellenbesichtigungen statt. Die Glarus Süd-Gemeinde Mitlödi beteiligte sich als einzige im Kanton Glarus mit dem Thema «Weiterbauen» an diesem ganz besonderen Anlass.



Das 1000-Seelendorf Mitlödi am Fusse des Vorderglärnisch zeigte sich am vergangenen Samstagmorgen noch etwas schlaftrunken, als sich über 30 Teilnehmer am «Europäischen Tag des Denkmals» bei strahlendem Sonnenschein auf einen spannenden und interessanten Dorfrundgang durch die Strassen, Nebenstrassen und Gassen der kleinen Perle am Fusse des Vorderglärnisch begaben. «Weiterbauen» hiess das Thema und war eine Anknüpfung an das Thema «Verdichtes Bauen», welches im Februar, also noch vor dem Ausbruch, der Corona-Pandemie, schon behandelt wurde.

Ziel der Europäischen Tage des Denkmals

Ziel der Europäischen Tage des Denkmals ist es, das Interesse an unseren Kulturgütern und deren Erhaltung bei einem breiten Publikum zu wecken. An rund 300 Orten, verteilt auf die ganze Schweiz, fanden am Samstag und am Sonntag verschiedene Aktivitäten wie Städte- und Dorfführungen, Atelier- und Baustellenbesichtigungen, Exkursionen sowie viele weitere Veranstaltungen statt. Organisiert wurden die Besichtigungen an den Denkmaltagen vorab von den eidgenössischen, kantonalen und städtischen Fachstellen für Denkmalpflege und Archäologie. Jedes Jahr wählen diese Objekte aus, knüpfen Kontakte zu den Eigentümern und organisieren die Führungen und Veranstaltungen vor Ort. Die Europäischen Tage des Denkmals sind ein kulturelles Engagement des Europarates und werden von diesem offiziell lanciert. Unterstützt wird die Initiative auch durch die Europäische Union. Die Denkmaltage fanden insgesamt in über 50 europäischen Ländern statt. Aus was für Gründen auch immer: Mitlödi war die einzige Gemeinde im Kanton, welche sich an dieser Aktion beteiligte. Eigentlich schade, denn hier verpassten die Fehlenden eine wirkliche Chance, ihr Dorf in irgendeiner Form zu präsentieren.

Mitlödi ist stolze Besitzerin zahlreicher Trouvaillen

Was für ein schönes Dorf ist doch Mitlödi, seit 2011 Ortsteil der Gemeinde Glarus Süd. Zu dieser Erkenntnis kam ich am vergangenen Samstagvormittag nach einem rund anderthalbstündigen Dorfrundgang mit Heinrich Speich Senior und Historiker Heinrich Speich Junior. Die beiden stark im Dorf verwurzelten Ur-Mitlöder brillierten mit grosser Sachkenntnis und umfassendem Wissen über die Geschichte des Dorfes und dessen Bevölkerung. Mit Historiker Heinrich Speich Junior startete die Wanderung durch das Dorf mit seinen prägnanten Wohnbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert und den Fabrikgebäuden der ehemaligen Seidendruckerei. Als Mann vom Fach und Experte für Kulturgüter und Denkmalschutz erläuterte Historiker Speich die Anfänge, die Industrialisierung und De-Industrialisierung von Mitlödi. Der Start vom Kirchenbrunnen ins Oberdorf führte zum Schönenberger-Haus, auch Schiffmeister-Haus genannt, vorbei über Wege und Stege in verschieden Quartiere, wo die bauliche Entwicklung des Dorfes gut sichtbar war. Vorbei am «Blumerhaus» führte der Weg ins Quartier «Sändle», wo Historiker Speich alles Wissenswerte über Fabrikvillen, Fabrikdirektoren und die Industrialisierung in Mitlödi zu erzählen wusste.

Der» Hänggiturm» und seine verborgenen Schätze

Das Highlight des Dorfrundgangs war der Besuch des «Hänggiturms». Eigentümer Joe Groner hiess die Gästeschar willkommen und Architekt Stefan Noser erläuterte die verborgenen Schätze von einem der imposantesten Bauwerke der Industrialisierung im Glarnerland. Abgeschlossen wurde der Dorfrundgang beim Ratsherrenhaus mit einer kulinarischen Zugabe. Aus dem interessanten Dorfrundgang durch die Strassen und Gassen Mitlödis konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Europäischen Tag des Denkmals viele positive Eindrücke über das Leben und die Geschichte der Bevölkerung von Mitlödi mit nach Hause nehmen.