Motion «Der Kanton Glarus braucht eine Velo/Mountainbike-Strategie»

Die Regierung wird beauftragt, dem Landrat einen Gesetzesentwurf vorzulegen, mit welchem eine Strategie für das Velo/Mountainbike-Angebot im Kanton Glarus nachhaltig weiterentwickelt werden kann.



Begründung

lm Sommer 2020 kurvten mehr Velofahrer als je zuvor durch die Täler und Alpen. Das lag an den eingeschränkten Reisemöglichkeiten und an den zahlreichen Neueinsteigern. Corona sei Dank. Doch das Virus ist nur ein Detail.
Drei andere Gründe für das Wachstum der Sportart sind viel wichtiger: Wegqualität, Gesetz und Akzeptanz.
Eine Tatsache sind die rechtlichen Grundlagen. Es gibt zwar kantonal unterschiedliche Positionen, aber insgesamt gilt: Mountainbiken / Velofahren auf Strassen und Trails ist in der Schweiz legal. Das zuständige Bundesamt gibt einen klaren Tarif vor.
lm Kanton Glarus besteht noch ein akuter Handlungsbedarf für die Weiterentwicklung zu einer Velo/Mountainbike-Strategie. lm Frühling/Sommer 2020 wurden Velofahrer in Glarus Süd gebüsst, wenn sie auf Wegen der Kat. 6 untenrwegs waren. Durch diverse lnfrastrukturprojekte (Sanierung Höhenweg Elm für MTB, Gumen Enduro Braunwald oder Flowtrail Schwammhöchi) wurde bekräftigt, dass die rechtliche Auslegung hinsichtlich

Motion <Der Kanton Glarus braucht eine Mountainbike-Strategie>

Nutzung der Weginfrastrukturen im Kanton Glarus liberal ist und das MTB auf öffentlich klassierten Strassen, Wegen und Wanderwegen erlaubt ist.
Es ist aber nicht einheitlich geregelt, dass für Velo-Routen und auch für die Velo-lnfrastrukturen abseits von Wegen die Verantwortung primär im Zuständigkeitsbereich der Gemeinden oder der Betreiber liegt.
Der Velo/Mountainbike-Sport ist ein Breitensport und die vergangenen Monate haben gezeigt, dass das Entwicklungspotenzial sehr gross ist.
Diese Entwicklung wird mittel- und langfristig anhalten.

Ein Hauptproblem stellt das zu kleine oder fehlende Angebot dar, insbesondere in Tourismusgebieten und Agglomerationsräumen.
Erfahrungen zeigen, dass eine passive Haltung der verschiedenen Staatsebenen oder sogar Verbote und Bussenkataloge keine Lösung sind. Nur ein proaktives und abgestimmtes Handeln seitens des Kantons und der Gemeinden und unter Berücksichtigung der unterschiedlichen lnteressen bringt nachhaltige Verbesserungen.
Die Entwicklung hat aber auch ihre Schattenseiten. Nutzungskonflikte zwischen den verschiedenen Akteuren sind bereits an der Tagesordnung.
Die kantonalen und kommunalen Behörden vertreten im Umgang mit den Velo-Sportlern eine unterschiedliche Praxis und teilweise wird mit unlauteren Mitteln gegen die Velo-Sportler vorgegangen. Ohne verbindliche Regelung und ohne ein genügend attraktives Angebot droht die Situation zu eskalieren.

<Share the Trail>: Toleranz und Rücksicht auf den Velo-, E-Bike- und Wanderwegen. Trail-Toleranz – gemeinsam die Natur erleben könnte ein möglicher Lösungsansatz sein. Auch wenn auf Bundesebene ein entsprechendes Ausführungsgesetz erst in Bearbeitung ist, muss der Kanton Glarus jedoch zeitnah handeln. Die planerischen lnstrumente für die Entwicklung und Realisierung von bedürfnisgerechten Velo-Angeboten sind vorhanden.
Der Kanton muss aber seine Koordinations- und Leaderfunktion in der Entwicklung einer Velo-Strategie wahrnehmen.

Regionen, Gemeinden und Dritte sind in diese Strategie miteinzubeziehen. Marktgerechte und nachhaltige Angebote sind bereitzustellen und dabei die lnteressen aller Nutzer und lnteressensgruppen zu berücksichtigen.

Die Regierung wird beauftragt, dem Landrat einen Gesetzesentwurf vorzulegen, mit welcher Strategie das Velo/Mountainbike-Angebot im Kanton Glarus nachhaltig weiterentwickelt werden kann.

Der Entwurf soll insbesondere:
– eine aktuelle Bestandesaufnahme über sämtliche Velo-/Bike-lnfrastrukturen im Kanton Glarus enthalten;
– darlegen, wie die Regierung zeitnah die federführende Koordination gegenüber den Gemeinden, Grundeigentümern sowie den Anspruchsgruppen wahrnehmen kann;
– aufzeigen, wie andere Nutzergruppen – Forst, Jagd, Landwirtschaft, Erholungssuchende (Wanderwege), Touristen – sowie die Flora und Fauna in die Strategieentwicklung nach dem Credo <Share the Trail> miteinbezogen werden können;
– auflisten, welche Massnahmen und Ressourcen für den Ausbau und Unterhalt eines flächendeckenden, kantonalen MTB-Netzes nötig sind;
– die Auswirkungen der Planung einer MTB-Struktur auf die bereits bestehenden Angebote beleuchten;
–beschreiben, wie die MTB-Wege und lnfrastrukturen unter Berücksichtigung der Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden und unter Einbezug der Nutzer zu finanzieren sind;

– darlegen, wie die Beratung, Betreuung und Unterstützung beim Thema MTB gegenüber sämtlichen Anspruchsgruppen zu gestalten ist;

–die notwendigen gesetzlichen Anpassungen für eine Weiterentwicklung der MTB-Strategie enthalten.

Mit der Bitte um möglichst speditive Behandlung verbleiben wir mit freundlichen Grüssen

Der Erstunterzeichner
Marti Zopfi, Landrat
und Mitunterzeichner