Musikalische Refugien dank Klassik, Jazz und Improvisationen

Packender, spannender, wechselreicher hätte es kaum mehr aufklingen können in der am Nachmittag voll besetzten Dorfkirche. Es war eine Vermischung von absolut Klassischem und fezzigen, mitreissenden Jazzmelodien angeboten, gespielt von absoluten Könnern – und Kennern, von Mitgeniessenden, aufmerksam und riesig geschickt und kenntnisreich Ausgestaltenden. Da waren Kraft, Kreativität und Spiellust vereint, die in einer derartigen Kompaktheit wohl Seltenheitswert hat.




 Andreas Böhlen, begnadeter, hochbegabter und gar virtuos ausgestaltender Blockflötist bot mit Bruno Hurtado, Barockcello und Thomas Leininger am Cembalo zu Beginn die Sonatina in a-Moll von Georg Philipp Telemann (1681 – 1767) in einer Vermischung von Leichtigkeit, Tanz, kunstreichstem Verzieren und immenser Eleganz an. Er wusste sich gut begleitet und ergänzt. Das hohe Einfühlungsvermögen und das innige Miteinander weckten viel Anteilnahme, Staunen und Bewunderung.

 

Ganz kurze Hinweise erfolgten zu einzelnen Werken, den Gang und das Verweilen in die verschiedenen musikalischen Refugien, das Suchen und Verweilen in zuweilen fordernden Umgebungen, samt Genuss und Spannung.

 

Und als sei es die einfachste Sache der Welt wechselte Andreas Böhlen zum Saxophon und gestaltete mit Sebastian Böhlen, Gitarre und Morten Toftgaard Ramsbol, Bass, neue Kompositionen basierend auf Telemanns Sonatina in a – Moll aus, kraftvoll, reich an unterschiedlichsten Intentionen, schwungvoll, mit viel innerer Kraft und Beseeltheit. Das Hinhören entwickelte sich zum  faszinierenden Mitvollziehen, mündete in verdient hohe Anerkennung. Die einzelnen Soli waren hochklassig, raffiniert, so elegant und temporeich. kunstvoll und intensiv. Es schien, als loteten die drei alles aus, was ihr Instrument so hergeben kann. Sie taten es mit hervorragender Technik, spürbar grosser Spielfreude, einfach meisterlich.  Bereitwillig wurde der Lead jeweils weitergegeben, kurz rückte man in den Hintergrund und nahm in sympathischer Art viel Anteil am jeweiligen Ausgestalten, man spornte an, trug mit, spendete Anerkennung.

Und schon war es Zeit für die Rückkehr in die Klassik, für Sopranino, Cembalo, Cello und Vivaldi. Zeit für Glanz, Tanz, Freude, ausufernde Fröhlichkeit, für Leichtfüssiges, für gern gehörte Harmonien, die vom Ensemble alla mente mit immensem Können vorgetragen wurden, so verspielt und ansteckend kecker Frische.

Und wenig später ergab sich wieder der Wechsel zur Andreas Böhlen Band, zu wildem, nie ungebärdigem Zusammenspiel, zu Kraftvollem, sehr Leidenschaftlichem, meisterlich und inhaltsstark Gefügtem.

Die Wechsel zwischen zwei eigentlich so verschiedenen Kulturen erfolgten gar elegant, liebenswürdig, einladend. Alles wirkte so spielerisch, leidenschaftlich. Man liess sich gerne und bereitwillig mittragen, war fasziniert und begeistert zugleich.

Man hätte problemlos noch lange zugehört, hätte sich für weitere genussreich lange Momente richtiggehend verwöhnen lassen.