Musikwoche – Schlusskonzert in Linthal

Die Verantwortlichen der 83. Musikwoche Braunwald und mit ihnen die Auftretenden blieben der sich selber gestellten Herausforderung treu, von gewohnten Bahnen – lies Interpretationen bekannter, publikumsnaher und bekannter Werke – ins Programmheft aufzunehmen. Dieses Wagnis, wenn davon die Rede sein darf, hat sich ausbezahlt. Die Konzertbesucher liessen sich gerne auf dieses «neuartige» Begegnen ein.




In der reformierten Kirche Linthal war unter der musikalischen Leitung von Katharina Jud, der Sopranistin Corina Schranz, dem Chor und dem Orchester der Musikwoche Braunwald das gut besuchte Schlusskonzert angeboten. Auf dem Programm standen neben einer Improvisation Werke der Hildegard von Bingen (1098 – 1179), von Petr Eben (1929 – 2007), Peter Warlock (1894 – 1930) und Ola Gjeilo (*1978). Das war ein inhaltlich und zeitlich wohl bewusst weit gespannter Bogen.

Das Einstudieren war in wohl vielen Teilen eine Herausforderung, standen doch für gemeinsame Vorbereiten nur gerade die wenigen Tage der 83. Musikwoche zur Verfügung. Das sorgsame Einüben hat sich gar positiv ausgewirkt. Es wurde mit hoher Intensität, grosser Reife und guter gegenseitiger Abstimmung zwischen dem Orchester und dem grossen Chor interpretiert. Die Sopranistin Corina Schranz verfügt über eine gar strahlende Stimme, sie vermag sehr einfühlend und mit grosser Intensität, die viele Emotionen zu wecken vermag, auszudrücken. Ihre innere Kraft und das wechselvolle, eingebungsreiche Singen beeindruckten ebenso wie die erbrachte Leistung der Chormitglieder, die sich spürbar sorgsam vorbereitet hatten und mit viel inhaltlichem und gesanglichem Reichtum brillierten, genau wie die Orchesterleute. Ihr Spiel war feinnervig, von grosser Sensibilität geprägt. Dynamik, Virtuosität, Innigkeit, das Entstehen und Wachsen vieler Empfindungen zwischen grosser Ruhe, Weite und wirbligen Momenten und dem gar sorgsamen Begleiten des Chors und der Solistin waren immens überzeugend. Katharina Jud leitete mit grosser Übersicht, mit viel Ruhe und Klarheit.

Hildegard von Bingen war Benediktinerin, Äbtistin, Dichterin und Komponistin. Ihre Universalität war und bleibt anerkannt. Sie wurde heiliggesprochen, was über alle Jahrhunderte hinweg eine verständliche Wertschätzung bedeutet. Sie gilt als erste Vertreterin der deutschen Mystik. Die überlieferten geistlichen Lieder sind als «Symphonie der Harmonie der himmlischen Erscheinungen» bekannt gemacht worden. Es standen zu Beginn zweimal ein Antiphon auf dem Programm. Ergreifend und inhaltlich reich war dieses Interpretieren. 

Petr Eben schrieb unter anderem «Cantico delle Creature». Er war einer der bedeutendsten Komponisten der Tschechoslowakei. Er schrieb eine grosse Zahl unterschiedlichster Werke, darunter auch Oratorien. Das Begegnen mit den reichhaltigen Inhalten war ebenso erfüllend wie es mit der instrumentalen Interpretation der «Capriol Suite von Peter Warlock der Fall war. Die ungeheure Behutsamkeit, Intensität und das sehr wechselvolle Gestalten stiessen auf viel Anteilnahme und weckten eine Vielzahl von Gefühlen. Warlock war ein englischer Komponist und Musikkritiker, sein Pseudonym verwendete er als Komponist. Sein Schaffen galt vor allem der Niederschrift von Liedern. Die «Capriol Suite» für Kammerorchester zählt zu seinen bekanntesten Werken.

Ola Gjeilo, ist ein norwegischer Pianist und Komponist. «Sunrise Mass ist eine Messe für achtstimmigen Chor und Streichorchester. Vieles wurde gar innig, dann wieder mit strahlender Schönheit, unter Einhaltung und Aufbau langer Spannungsbögen und mit einfühlendem Begleiten durchs Orchester ausgedrückt. Die Messeteile enthalten den starken Glauben, Innigkeit, Flehen, Fragen und Jubel. Man lauschte mit grossem Staunen, spürte eine tiefe innere Freude.

Mit verdient grossem, langem Beifall wurde das abwechslungsreiche, kunstvolle Interpretieren verdankt. Die Zugabe nahm man gerne an.