Musique Simili, Brahms Tzigane und Saisonende – ein Gastspiel der besonderen Art

Dank vielseitigem, bewegendem Kompositionsreichtum des Johannes Brahms, geboren am 7. Mai 1833 in Hamburg, verstorben am 3. April 1897 in Wien, einem genialen, den weltlichen Genüssen nie abgeneigten Mitmenschen und den intentionsstark interpretierenden Aline Du Pasquier (Sopran, Klavier, für einmal im Service tätig); Juliette Du Pasquier (Violine und Kontrabass); Marc Hänsenberger (Akkordeon und Klavier, Arrangements, Lebenslauf – Erzähler) und Ioanes Vogele (Gitarre und Gesang) gedieh die letzte Veranstaltung des Kulturvereins Glarus Süd im Gemeindezentrum Schwanden zu einem Begegnen der wahrhaft besonderen Art.



Die herzliche Begrüssung durch Ruth Tüscher, Präsidentin des Kulturvereins, und die liebenswürdige Verabschiedung samt herzlichem Dank am Schluss waren so etwas wie der Rahmen eines riesig bunten Bildes, das eine Überzahl an Gefühlen barg. Es kam einer unglaublich attraktiven Vermischung von Herzschmerz, damit riesig grossen Sehnsüchten, leichter Angeberei, Liebeleien, unerfüllten Wünschen, Tanz, Träumerei, gebieterischem Anordnen, Umschmeicheln, leicht Kitschigem gleich. Alles passte so herzlich zusammen, war spürbarer Liebe und beeindruckendem Ideenreichtum gefügt worden.

Es begann mit dem Bühnenbild. Der Flügel war mit einem Tischtuch gedeckt, irgendwelche Teller, Tassen und Krüge standen drauf. Zuvorderst auf dieser Fläche – anfänglich noch verhüllt, thronte die kleinformatige, weisse Büste des Herrn Brahms. Etwas weiter entfernt waren das Salontischchen samt Sitzgelegenheiten. Abgerundet wurde dieser Teil – so etwas wie eine neckische, die Neugierde weckende Einführung – mit einer Leinwand, auf der viele Bilder projiziert wurden. Deren Inhalte kommentierte Marc Hänsenberger hingebungsreich und gekonnt. Nicht zu vergessen sind die Instrumente, Gitarre, Geige, Tamburin, Bass, Akkordeon. Die Einstimmung zu erwartetem Begegnen hätte nicht inhaltsstärker sein können.

Aber welche Liaison ergibt sich zwischen dem Text: «Restauration zum Rothen Igel, Wien 1; Wildpretmarkt; Haus ersten Ranges», dem Flügel samt bereitgestellten Utensilien für die Bewirtung und allen Instrumenten? Es war Marc Hänsenberger, der Ordnung schuf. Brahms sei weltlichen Genüssen nie abgeneigt gewesen. Er liebte gutes Essen, eines oder mehrere Gläschen samt anregendem Inhalt, einen tollen Schwatz, adrette Frauen – hat das zum Reichtum aller Kompositionen etwas beigetragen?

Im Mittelpunkt des Abends standen schwergewichtig die Zigeunerlieder, ungarische Volkslieder und einige Gedichte. Die Vielfalt und riesige Abgestimmtheit der Interpretierenden, deren behutsames, liebliches, dann wieder protzig – kraftvolles Ausdrücken, die hurtigen Wechsel zwischen den Instrumenten, das enorme spielerische Können kamen einem inhaltsstarken Verwöhnen gleich. Da liess man sich bereitwilligst mittragen, kam ins Träumen und Schwelgen, dankte jeweils mit verdient herzlichem Applaus. Bekanntes wechselte mit unbekanntem Liedgut.

Man war so wohltuend und auf charmanteste Art in das Leben von Brahms, seinem Verweilen bei Robert und Clara Schumann einbezogen, lernte Liedinhalte wie «Da unten im Tale», «Der Gang zum Liebchen», «Valse a Jojo», «He, Zigeuner !», einen Ungarischen Tanz, «Es ging ein Maidlein zarte» oder «Guten Abend, gut` Nacht» kennen, innerlich begann es mitzuschwingen, dies mit zarter Bestimmtheit.

Aus dieser Vielfalt an Geschehnissen – so klug und gekonnt, wechselvoll und mit grosser Hingabe angeboten – verabschiedete man sich ungern.