Die zwei sehen einander in die Augen, ein vertrautes Lächeln überzieht das Gesicht der Geigerin; ihn sieht man auf der Klarinette antworten, im Hintergrund sind weitere Instrumente zu erahnen. Beide strahlen noch immer die ungebrochene Faszination für ihre Arbeit aus, die Neugier auf die Musik aller Couleur, wie sie mit bunten Kreisen im Konzertflyer angekündigt ist: volkstümlich – klassisch – jazzig – ungarisch. Doch am Morgen des 23. Februar 2026, einen Tag, nachdem Johannes Kobelt anlässlich eines Familienfestes noch einmal sein Elternhaus in Mitlödi besucht hatte, fand ihn seine Ehefrau im Bett, friedlich eingeschlafen für immer. Das für den 31. Mai angekündigte Konzert in der Kirche Mitlödi, das dort eine lange Tradition fortgesetzt hätte, fällt nun aus. Was bleibt, ist ein erstaunliches Vermächtnis: Johannes und Katharina Kobelt, die nach der Hochzeit 1970 erst in Rüti ZH, später in Berg St. Gallen am Bodensee heimisch wurden – in einem Haus voller Instrumente, einem klingenden Museum – schufen miteinander über fünf Jahrzehnte ein musikalisches Märchen. Märchen handeln von wundersamen Begebenheiten, verwenden vorhandene, oft archaische Elemente und erschaffen daraus etwas Neues. Sie strahlen tiefe Sinnhaftigkeit und Lebensbejahung aus; nehmen uns mit in die grosse Erzählung vom Menschsein und -werden. So auch das Quantett, 1973 gegründet vom Ehepaar Kobelt, das drei, vier Musizierende oder auch, wie zuletzt, nur sie beide umfasste. Ein «Kind der Liebe», das auf unzähligen Tonträgern weiterlebt, und in den Erinnerungen an über 1200 Konzerte im In- und Ausland, Auftritte in Fernsehen und Rundfunk ebenso wie an Privat- und Festanlässe, Schul- und Altersheimaufführungen. Zudem erhielt das Ensemble die Ehrengabe der Stadt Zürich.
Aber zurück zu den Wurzeln, die in Mitlödi im Haus an der Alten Landstrasse, bei den Eltern Dora und Jakob Kobelt, beginnen; sie Geigerin, er der langjährige Musik-Direktor von Glarus. 1945 wurde Johannes geboren, als zweiter Sohn nach Jakob, die Brüder Michael und Christoph folgten. Im Haus Kobelt wurden alle Arten von Musik gespielt und gehört. 18-jährig gründete Johannes mit anderen jungen Jazz-Begeisterten die Dixieland- und Swing-Jazzband Glarona Jazz Tigers, sie probten in der Remise im Garten, durchaus vom Wohlwollen der Nachbarn begleitet. Als Leader und Arrangeur prägte er die Band, gewann mit ihr 1968 und 1969 als Klarinettist den Solistenpreis am internationalen Jazzfestival. Dazu kam «The collest prize for the hottest band». Von den Pionieren der Jazzszene im Glarnerland sind mehrere Schallplatten erhalten.
Im Glarner Ländlerquartett, mit seiner Frau Katharina sowie den Brüdern Köbi und Christoph, pflegte Johannes auch die Volksmusik, ebenfalls mit eigenen Arrangements und Kompositionen; eine LP entstand 1976 (Bild). Nebst seinem Hauptinstrument, Cello, bildete sich Johannes auch auf Klavier, Klarinette und Saxofon, Posaune, Cymbal und später Akkordeon aus. Nach dem Cello-Diplom am Konservatorium Zürich bei Claude Starck begann er zunächst eine glänzende Karriere als klassischer Musiker: Cellist im Kölner Kammerorchester, im Sinfonieorchester St. Gallen, im Musikkollegium Winterthur (wo er Katharina kennenlernte) und im Tonhalle-Orchester Zürich. Doch als «Aussenseiter im positiven Sinne», wie sein Bruder Christoph ihn beschreibt, fand er seine Bestimmung in der kreativen, freiberuflichen Tätigkeit. Privat führte er ein eher zurückgezogenes Leben, doch in seiner Musik entfaltete er ein Feuerwerk von Charme, Humor und Leidenschaft. So brachte er den Klang der grossen weiten Welt zu den Menschen.





