Näfelser Fahrt in Begleitung von Frau Holle

Es war das letzte Mal in den 60er-Jahren, als Frau Holle just an der Näfelser Fahrt ihre Decken über dem Glarnerland ausschüttelte. Ich mag mich gut daran erinnern, dass ich mit meinem Vater per pedes entlang am Fusse des Wiggis nach Näfels durch 20 Zentimeter Neuschnee waten musste.




In Anbetracht meiner kurzen Beine als kleiner Junge ein recht anspruchsvolles Unterfangen. So gesehen war der Schneefall von gestern eigentlich nichts Neues, nur mit dem kleinen Unterschied, dass gewisse politische Gruppierungen so Wetterphänomene gerne dazu missbrauchen, für ihre eigene Interessen zu werben. Gerade jetzt vor den Eidgenössischen Wahlen scheint die Farbe Grün zu einem wahren Hype zu werden. Gut gibt’s da unseren bewährten Wettermacher Petrus, der mit massivem Schneefall die zurzeit alles beherrschende Farbe Grün in ein angenehmes Weiss verwandelte. Trotz dieser Unbill der Witterung nahmen einige Unentwegte den Weg von Glarus nach Näfels unter die Füsse, um selbst am Ort des Geschehens im Jahre 1388 den Helden von damals zu gedenken. Auf dem Weg nach Schneisigen führte der Weg im Taktschritt der Harmoniemusik Näfels von Glarus nach Netstal, wo die Fahrt beim Denkmal im Unterbühl sich der Opfer des Minenwerfer-Unglücks im Jahre 1941 erinnerten. Nach einer bewegenden Kranzniederlegung durch Truppenangehörige führte der Weg auf das damalige Schlachtfeld in Schneisingen, für die einen über den offiziellen Fahrweg am Fusse des Wiggis, für die andern der Hauptstrasse entlang. Dort widmete sich Regierungsrätin und Landestatthalterin Marianne Lienhard in einer gehaltvollen Ansprache den Geschehnissen von damals, mit einem Fingerzeig aber auch auf die Probleme der heutigen Zeit. Ihre Fahrtsansprache wurde von den überraschend vielen Zuhörern trotz zunehmender Kälte mit warmem Applaus bedacht. Aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse liess die Fahrt den Fahrtplatz für einmal links liegen und bewegte sich direkt zum Schlachtdenkmal bei der Letzi und von dort aus in die St. Hilariuskirche, wo der langjährige und bewährte Fahrtsbriefleser Josef Schwitter ein letztes Mal in gewohnt souveräner Manier in der damaligen, ureigenen Sprache sich all die Toten auf Glarner Seite erinnerte. Eines ist sicher wie das Amen in der Kirche: Sepp Schwitter‘s letzter Auftritt, seine markante Stimme und seine spürbare tiefe Verbundenheit zu diesem Dokument wird uns fehlen! Die gehaltvolle Fahrtspredigt von Pater Lijubo Leko setzte den Schlusspunkt unter die Näfelser Fahrt 2019, die für einmal wettermässig ganz im Zeichen von Frau Holle stand