Nanotechnologie – Chancen für den Industriekanton Glarus?

Unter dem Titel: „kleiner Kanton – grosse Zukunft? Nanotechnologie – Aufbruch für den Kanton Glarus?“ fand am Donnerstag ein interessanter Vortragsabend der Glarnerischen Staatsbürgerlichen Gesellschaft statt.



Wirtschafsförderer Samuel Enggist: Referat zu Nanotechnologie in den Glarner Unternehmungen (Bild: ehuber)
Wirtschafsförderer Samuel Enggist: Referat zu Nanotechnologie in den Glarner Unternehmungen (Bild: ehuber)

Nach den Referaten über die eigentliche Nanotechnologie wurde auch über die Chancen und Möglichkeiten dieser Technologie im Kanton Glarus referiert. Zur Frage des Gesprächsleiters, ob es in absehbarer oder auch ferner Zukunft zu einem „Nanotechnologie-Valley“ kommen könnte bezogen zwei Referenten aus dem Glarnerland Stellung.

Nanotechnologie in den Glarner Unternehmungen

Zu diesem Thema referierte Samuel Enggist, lic. rer. Publ. HSG, Wirtschaftsförderung des Kantons Glarus. Von einem solchen Valley wie von Hauser angetönt, könne zum heutigen Zeitpunkt nicht der Rede sein. Selbstverständlich beschäftigen sich Unternehmungen wie die Netstal Maschinen AG, Kunststoff Schwanden AG oder auch die Weidmann Plastic mit dieser Technologie. Noch würde man aber keine Möglichkeit einer Serienproduktion mit dieser Nanotechnologie sehen. Allerdings würden sich zwei Glarner Unternehmungen aus der Baubranche intensiv mit dieser Technologie beschäftigen. Die Firma Casa-Vita/Frefel Holzbau setzt heute bereits Farben zur Naturholzbehandlung mit Nanotechnik ein. Auf Anfrage von glarus24 erklärte Franz Frevel, Geschäftsführer von Casa-Vita: „die Farbe, respektive der Anstrich mit Nanopartikeln ist viel dauerhafter als mit einer herkömmlichen Farbe oder Lack. Diese Naturholzbehandlung bringt auf jeden Fall grosse Vorteile und die Holzfassade ist wesentlich haltbarer. Auch die Nachbehandlung, respektive die Pflege dieser Fassaden ist einfacher. Im übrigen wird der letzte Anstrich mit dieser Farbe mit Zellstoffstruktur auf der Baustelle von gelernten Malern angebracht.“ Bei der Firma Eternit (Schweiz) AG werden Versuche mit dieser Nanotechnologie durchgeführt. Auf Anfrage von glarus24 bestätigte Anders Holte, Vorsitzender der Geschäftsleitung: „In der Tat laufen bei uns in Niederurnen Versuche mit der Oberflächenbehandlung von Eternitprodukten mit der Nanotechnologie. Noch befinden sich diese Tests in der Anfangsphase. Diese Technologie wird aber in den nächsten Jahren sicher Einzug in der Baubranche halten und als fortschrittliches und zukunftsorientiertes Unternehmen wollen wir rechtzeitig dabei sein.“ Zum Schluss wies Enggist darauf hin, dass an der Tischmesse „Spectrum“ vom 15. Juni in der linth-arena sgu in Näfels Nanotechnologie ein Thema ist. Mit dem Referat von Carlo Centonze, Gründer und Geschäftsführer des ETH-SpinnOff’s HeiQ vertieft die Spectrum die öffentliche Diskussion im Glarnerland zur Nanotechnologie.

Nanotechnologie aus der Sicht der Schweizerischen Nationalfonds

Als Vertreter der Politik und der Schweizerischen Nationalfonds erklärte Ständerat Dr. Fritz Schiesser dass es sich dabei um eine Private Stiftung handelt, welche über ein jährliches Budget von gut 500 Mio Franken verfügt und dieses Geld auch gezielt in die Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur verteilt. Ein grosser Teil dieser Mittel werden aber doch vom Bund zur Verfügung gestellt. Wie das Geld verteilt wird berät ein Forschungsrat, bestehend aus rund 100 Wissenschaftlern, aufgrund von eingereichten Gesuchen. Dabei handelt es sich um kleinere, aber auch grössere Forschungen wie zum Beispiel die Nanotechnologie. Letztendlich entscheidet aber der Bundesrat, wem diese Forschungsgelder zugesprochen werden. Der Bundesrat war sich schnell schlüssig, dass es sich bei der Nanotechnologie um eine zukunftsorientierte Forschung handelt und hat diesem Nationalen Forschungsprogramm in einer ersten Phase gut zehn Mio Franken für die Grundlagenforschung zugesprochen. Ziel ist es, dass aus den Grundlagenerkenntnissen später in Zusammenarbeit mit einer Universität oder der Industrie die Resultate wirtschaftlich umgesetzt werden. Diese Umsetzung ist dann aber nicht mehr Sache des Nationalfonds. In der Nanotechnologie wurden bisher drei Nationale Forschungsprogramme unterstütz, jeweils in der Grössenordnung von zehn bis fünfzehn Millionen Franken. Auf die Frage der Chance für den Kanton Glarus bezüglich dieser Schlüsseltechnologie der Zukunft erklärte Schiesser, dass nach seiner Meinung nur in Zusammenarbeit mit der technischen Fachhochschule Rapperswil oder der ETH Zürich eine Chance für Erfolg besteht. Der Kanton Aargau zum Beispiel investiert und beteiligt sich jährlich mit fünf Millionen Franken bei der Universität Basel für diese Forschung. Ein solcher Kontakt und solche Verbindungen sind auch für den Kanton Glarus äusserst wichtig. Hier muss die Chance unbedingt genutzt werden und erste Kontakte so schnell wie möglich geknüpft werden.

Im Anschluss an die Referate fand eine äusserst engagierte Diskussion statt, wobei vor allem Michael Riediker verschiedene Fragen zu beantworten hatte. Der Abend wurde wie gewohnt souverän und gekonnt von Fridolin Hauser geleitet und die zahlreichen Zuschauer verliessen sichtlich beeindruckt und intensiv diskutierend die Aula der Kantonsschule Glarus.

Weiter Informationen zur Nanotechnologie finden Sie unter www.empa.ch (Forschungsbereiche) und www.ta-swiss.ch/d/them_nano

Einen weiteren Bericht zu diesem Anlass finden Sie unter Nanotechnologie - Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts?