Nanotechnologie – Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts?

Diese Frage versuchten am Donnerstag verschiedene Referenten den zahlreich erschienenen Besuchern in der Aula der Kantonsschule Glarus zu beantworten.



Dr. Michael Riediker: zum Thema was ist Nanotechnologie? (Bild: jhuber)
Dr. Michael Riediker: zum Thema was ist Nanotechnologie? (Bild: jhuber)

Dieser Vortragsabend fand auf Initiative der Glarnerischen Staatsbürgerlichen Gesellschaft sowie TA-Swiss statt und stand unter dem Titel: „kleiner Kanton – grosse Zukunft? Nanotechnologie – Aufbruch für den Kanton Glarus?“

Zu Beginn betonte der Gesprächsleiter dieses Abends, Fridolin Hauser, dass den Nanowissenschaften eine grosse Zukunft vorausgesagt werde. Entsprechend hoch seien deshalb auch die wirtschaftlichen Erwartungen. In den Nanotechnologien werde auf der Ebene von einzelnen Atomen und Molekülen geforscht und experimentiert. In dieser Dimension von einem bis 100 Milliardstel Meter – Nano stehe für die Grössenordnung ein Milliardstel – würden sich die Eigenschaften von Stoffen teilweise radikal ändern. Genau das eröffne der Technik völlig neue Möglichkeiten, doch müsse auch mit Risiken gerechnet werden.

Abschätzung der Technikfolgen

Als erster Referent informierte Dr. Sc.techn. ETH Sergio Bellucci über die Funktion von TA-Swiss (Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung Bern) über die Aufgaben dieser Organisation. „Das TA-SWISS arbeite unabhängig, transparent und vorausschauend. TA-SWISS vermittle möglichst unabhängig Wissen über die Folgen – Chancen und Risiken – neuer Technologien. Das Zentrum setzt sich für transparente Forschung ein. Durch selbst entwickelte partizipative Verfahren unterstützt sie den Dialog zwischen Bürgern und WissenschaftlerInnen. Zudem beobachtet TA-SWISS die Trends in der Wissenschaft. Ziel dabei ist, vorausschauend kontroverse Entwicklungen zu erkennen. Zu ausgewählten Themen führt sie Projekte durch. Auf diese Weise macht sie Politik und Öffentlichkeit frühzeitig auf technische Möglichkeiten und deren Chancen und Risiken aufmerksam. Er wies darauf hin, dass die Nanotechnologie vor allem in der Medizin, aber auch bei den Lebensmitteln und der Umwelt enorme Möglichkeiten auszeichnet. Insbesondere bei der Krebsbekämpfung besteht ein grosses Potenzial, wobei nach seiner Meinung noch sicher zehn bis zwanzig Jahre Forschungsarbeit nötig seien.

Was ist Nanotechnologie?

Zu Beginn seines Referates erklärte Dr. Sc. Nat. Michael Riediker, Forschungsleiter im Institut de Santé au Travail an der Universität Lausanne, in verschiedenen Bildern das Grössenverhältnis eines Nanopartikels zu verschiedenen Objekten. Dem grössten Teil der Anwesenden war nicht bekannt, dass bereits in gewissen Sonnencremes Nanopartikel enthalten sind. Wie er weiter betonte, werden diese Nanotechnik auch bei Computern, in der Textil- und Lebensmittelbranche angewendet. Er selber trage eine „Nano-Krawatte“, welche komplett schmutzabweisend sei. Anhand weitere Beispiele erklärte Riediker die Nanotechnologie und betonte, dass er selber die Chancen dieser Technologie höher einschätze als die Risiken. Es müsse aber auf jeden Fall in beiden Richtungen weiter eingehend geforscht werden.

Nanotechnologie in der Pharmaindustrie

Auch in der Pharmaindustrie werde die Nanotechnologie immer mehr eingesetzt, erklärte Nationalrat Dr. Chem. Johannes Randegger, Novartis International. Immer mehr würden Pharmawirksubstanzen in Nanogrösse eingesetzt, wobei auch hier die Forschung intensiv weiterbetrieben wird. Die grosse Chance der Nanotechnologie in der Medizin ist, dass die Wirkstoffe viel gezielter angewendet oder eingesetzt werden können. Diese Technologie eröffne der Pharmaindustrie und der Medizin noch ungeahnte Möglichkeiten für die Heilung und für die Profilaxe von Krankheiten und Gebrechen.

Weitere Informationen zur Nanotechnologie unter www.empa.ch (Forschungsprogramme) und www.ta-swiss.ch/d/them_nano.

Ein weiterer Bericht zu diesem Anlass folgt unter dem Titel Nanotechnologie – Chancen für den Industriekanton Glarus?