Ich bin ein unglücklicher Empfänger der kürzlich erschienenen «Glarner Zeitung». «Hast du sie auch bekommen?», war meine Frage rundum an im Kanton wohnhafte Postempfänger. «Nei», hiess es unisono. Jedoch soll diese 16-seitige Zeitung in 11 890 Briefkästen eingeschoben worden sein. «Glarner Zeitung», kein gesetzlich geschütztes Produkt wie etwa der Schabziger, die GKB oder die Glarner Nachrichten und auch nicht nötig, weil darin berichtet wird über Huttwil BE, Zofingen AG, Binningen BL, Frauenfeld TG, Möriken-Wildegg AG, Schönenwerd SO und Luzern. Die Geschichten sind ordentlich geschrieben von einer Verlagsredaktorin. Die Kolumne «Mit spitzer Feder», auch ein Produkt derselben Schreiberin, würde einem römisch-katholischen Kirchenboten gut anstehen. Ich bin überzeugt, dass die Verfasserin damit ihren eigenen Leserzirkel anspricht. Aber auch Gottes Worte sind nicht unfehlbar, sie schreibt: «... die mir im Alltag freundlich und wohlwollen begegnen.» In der Mitte des Blattes ein Panorama-Inserat – 61 x 41 cm– eines Wellnesshotels aus dem Schwarzwald. Kosten des Inserates Fr. 42 200. Ich schaue mir im Impressum die Auflagen an: Gesamtauflage Ostschweiz Kombi 203 962 Ex. Jedoch nicht erwähnt ist «Amtlich beglaubigt», wie das in Impressen üblich ist. Ein Bschiss ist möglich, da in 18 Zeitungen der gleiche Text veröffentlicht wird. Die Redaktion sagt mir auf Anfrage, nach einigen «krummen» Fragen meinerseits: «Es geht um die Auflagen, einen schönen Tag», und weg ist die Stimme. Alles klar, ein wohldurchdachter Plan, eine bestimmte Vorgehensweise, um ein Ziel zu erreichen, das Kalkül.




