Bürokratischer Mehraufwand: Schweizweit müssen rund 1,7 Mio. zusätzliche Steuererklärungen ausgefüllt werden. Es müssen also alle Kantone ihr Steuersystem umbauen und zusätzliches Personal einstellen. Aus diesem Grund haben auch verschiedene Kantone das Referendum gegen diese Vorlage ergriffen. Der Kanton Glarus rechnet mit rund 8 zusätzlichen Stellen, was Personalkosten von ca. 1 Mio. verursacht.
Umverteilung: Die Berechnungen zeigen, dass gerade Familien aus dem Mittelstand mit einem klassischen Familienmodell in Zukunft höhere Steuern bezahlen werden, während gutverdienende Doppelverdienerpaare steuerlich begünstigt werden. Entscheiden Sie selber, ob das für den Mittelstand gut ist oder nicht.
Umsetzung in der Praxis: Als Ehepaar werden Sie in Zukunft für jeden Ehepartner eine separate Steuererklärung ausfüllen. Sie werden sich also hinsetzen müssen und als Paar darüber diskutieren, wer z.B. die Spende an den örtlichen Samariterverein von den Steuern abzieht, wer die Kosten für die Kinderbetreuung von seinem steuerbaren Einkommen abziehen kann oder wer in Zukunft das gemeinsame Auto als Vermögen versteuern muss. Ich bin überzeugt, dass dies zu unangenehmen Diskussionen führen wird. Auch eine Einzahlung in die 3. Säule oder Pensionskasse wird in Zukunft vermutlich bei jenem Ehepartner mit dem höheren Einkommen vorgenommen, was in der heutigen Zeit immer noch vielfach der Mann ist. Ob dies die Gleichstellung fördert, wie die Initianten möchten, bezweifle ich sehr.
Zudem sind weitere Fragen offen. Bekommt z.B. ein nicht erwerbstätiger Mann in Zukunft Prämienverbilligung, obwohl seine Frau ein Einkommen von CHF 200 000 erzielt?
Es gibt bessere Lösungen für das Problem der Heiratsstrafe. Der Kanton Glarus löst dies aktuell über den Splitting-Faktor für Verheiratete, eine einfache und bewährte Lösung.
Aus diesen Gründen sage ich klar NEIN zur Individualbesteuerung.




