Netstaler empfangen ihre erfolgreichen turnenden Vereine

Am Sonntagabend empfingen Vereins-und Fahnendelegationen mit Brimborium die am Eidgenössischen Turnfest in Biel erfolgreichen turnenden Vereine aus Netstal. Der alle sechs Jahre stattfindende Grossanlass wird den Netstalern in jeder Beziehung in nachhaltiger Erinnerung bleiben. Nebst den sportlichen Erfolgen steckt bei einigen der Teilnehmer der Schrecken nach dem katastrophalen Gewittersturm mit zahlreichen Verletzten immer noch tief in den Gliedern. Eine Gruppe Netstaler war mittendrinn und fürchtete um ihr Leben.




Auch nach dem Zusammenschluss der Gemeinden werden alte Traditionen in Netstal weiterhin am Leben erhalten. Dafür besorgt ist der örtliche Verkehrsverein Netstal unter dem Präsidium von Peter Schadegg. Mit der Organisation des Empfangs der Turnvereine aus Netstal nach ihren erfolgreichen Auftritten am Eidgenössischen Turnfest in der Uhrenmetropole Biel hat der Verkehrsverein diese Aufgaben am vergangenen Sonntagabend perfekt umgesetzt. Die Dorfvereine mit Fahnendelegation und die Dorfbevölkerung bereiteten ihren turnenden Vereinen einen würdigen Empfang. Der Einladung des Verkehrsvereins für einen nachfolgenden Apéro im Musikpavillon wurde gerne Folge geleistet.

Verheerender Gewittersturm mit Verletzten

Eine Gruppe Netstaler Turner war am Donnerstag eben daran, das turnereigene Zelt für die Netstaler Turner, die am Freitag ihren Auftritt hatten, auf der vorgesehenen Zeltwiese aufzustellen. Man sah, wie sich eine gewaltige Gewitterfront, eine sogenannte Superzelle, aufbaute. Wenige Minuten nach einer ersten Durchsage, man solle sich in Sicherheit bringen, erlebte die Gruppe aus Netstal die schlimmsten Momente ihres Lebens. Ein verheerender Gewittersturm fegte über das Festgelände und hinterliess in Kürze ein Bild der Zerstörung. Sepp Kubli, Turner und Bobfahrer, stand am Sonntagabend immer noch unter dem Eindruck der Ereignisse. «So etwas habe ich noch nie erlebt. Da wurden riesige Zeltnägel einfach aus dem Boden gerissen. Alles flog einem um die Ohren. Wir rannten tatsächlich um unser Leben. Dann fanden wir Unterschlupf in einem Container. Ich bin immer noch am Verarbeiten dieses Ereignisses.» Den eigentlichen Wettkampftag am Freitag erlebten die Netstaler zum Glück dann etwas ruhiger und recht erfolgreich.

Nationalturner brillierten

Ein Blick auf die Ranglisten zeigt, dass die Netstaler Turnerinnen und Turner auf verschiedenen Ebenen hervorragende Resultate erzielten. Vor allem die Nationalturner zeigten ihre grosse Klasse. So erreichte Christian Hefti in der A-Klasse (offen) mit 93,60 unter 116 Teilnehmern den hervorragenden 16. Rang und holte sich damit einen Eidgenössischen Kranz. Das geschah ein letztes Mal vor rund 50 Jahren mit den Brüdern Fred und Werner Tremp. Werner führte damals nach den Vornoten sogar die Rangliste an. In der gleichen Leistungsklasse findet man Reto Landolt auf dem ausgezeichneten 65. Rang (88,80 Punkte) und sein Namensvetter Stefan Landolt auf dem 83. Rang (86,90 Punkte). Thomas Riedi, der in der Leistungsklasse 2 mit 74,50 Punkten unter 39 Teilnehmern ebenfalls den sensationellen 16. Rang erreichte, stand seinen Kollegen in nichts nach. Ansprechend waren die Leistungen der Netstaler Faustballer in der Kategorie C – Männer, wo ein 26. Rang unter 28 Vereinen erreicht wurde. Bei den Vereinen erreichten die Netstaler in der Kategorie «Aktive, 3. Stärkeklasse mit der Note 25,32 einen Platz im Mittelfeld.

Jugenderinnerungen werden wach


Das Abholen des erfolgreichen Dorfvereins nach einem Eidgenössischen oder kantonalen Fest war damals eine fest verankerte Tradition im Dorfleben von Netstal. Gerne erinnere ich mich an diese Zeit zurück, wo die äusserst erfolgreiche Turnersektion in den 50er- und 60er-Jahren mit ihren Leistungsträgern, unter anderen Nationalturner Felix Weber (Hof Felgg), Kunstturner Jakob Leuzinger (Sternen Schaag) und die Allrounder Fred und Werner Tremp, Jakob Kamm und wie sie alle hiessen, mit Eidgenössischen Lorbeerkränzen auf ihre Häuptern von den Vereinsdelegationen samt Ehrendamen auf dem Netstaler Bahnhofplatz empfangen wurden. Barfuss sind wir anschliessend im Gleichschritt zwischen der Harmoniemusik und dem nachfolgenden Turnverein auf den Schulhausplatz mitgelaufen, immer dem Takt des Harmoniemusik-Traditionsmarsches «Frohes Wiedersehen» folgend.