Neues Atlasblatt Linthal: Zentraler Teil bei der Alpenbildung

Das neue Atlasblatt Linthal des Geologischen Atlas der Schweiz 1:25 000 zeigt eine Region, die für das Verständnis der Alpenbildung von grosser Bedeutung ist. Noch immer verursachen aktive Massenbewegungen in der Umgebung von Braunwald und im südlichen Linthal grosse Probleme für die Bewohner und ihre Infrastruktur.




Im Jahr 1930 drohte der Kilchenstock («Chilchenstogg») das Dorf Linthal zu verschütten. Auch heute ist die Gefahr von Felsstürzen und Murgängen im Alpenraum nicht gebannt. Heutzutage stehen jedoch der Naturgefahrenprävention qualitativ hochstehende geologische Daten zur Verfügung. Das Blatt Linthal des Geologischen Atlas der Schweiz 1:25 000 liefert diese wertvollen Basisinformationen nun für Teile der Kantone Schwyz, Uri und Glarus. Mit dem Atlasblatt Linthal erscheint Nr. 166 von dereinst 220 Blättern. 

Das Gebiet zwischen Silberen, Urnerboden und Kärpf ist zentral für das Verständnis der Entstehung der helvetischen Decken in den östlichen Schweizer Alpen. Ihre Sedimente reichen vom Erdmittelalter (300 Millionen Jahre) bis in die jüngere erdgeschichtliche Vergangenheit (30 Millionen Jahre) und repräsentieren damit eine über 270 Millionen Jahre andauernde Ablagerungsgeschichte. Das Gebiet war während der letzten Eiszeit vom Eis des Linth- und Muotagletschers bedeckt. Davon zeugen noch zahlreiche Moränenwälle. 

Vom Tal der Linth bis weit gegen Osten erstreckt sich die sogenannte Glarner Hauptüberschiebung. Diese entstand, als sich im Rahmen der Alpenbildung ältere Gesteinsschichten gut 50 Kilometer nach Norden über deutlich jüngere Gesteine schoben. Dank der guten Sichtbarkeit dieser Überschiebung – vielfach als deutliche helle Linie in den Felswänden zu erkennen – wird der Gebirgsbildungsprozess auch für Laien nachvollziehbar. 

Kastentext zum Geologischen Atlas der Schweiz 1:25000 

Ein Blatt des Geologischen Atlas der Schweiz 1:25 000 umfasst neben der geologischen Karte mit Legende auch eine Übersichtskarte, eine Tafel mit geologischen Querschnitten und eine illustrierte Broschüre, in der die Geologie des Gebiets im Detail erklärt wird. 1930 erschien mit Delémont das erste Atlasblatt. swisstopo geht heute von einer Bearbeitungszeit des gesamten Geologischen Atlas von rund 100 Jahren aus. In einem Kartenblatt stecken durchschnittlich 600 Arbeitstage. Die Hälfte der Arbeitszeit entfällt auf die Kartierung im Gelände und das Erstellen des Kartenoriginals. Die andere Hälfte wird für Redaktion und Medienmitteilung, Produktion der Karte, der zugehörigen Erläuterungen und des Datensatzes benötigt.

Jede Karte ist auch als Vektordatensatz erhältlich. Mit GeoCover ist die ganze Schweiz vorerst in digitaler Form abgedeckt. 

Das Blatt Linthal sowie alle weiteren bisher erschienenen Blätter des Geologischen Atlas der Schweiz sind unter www.swisstopo.ch für Fr. 50.– erhältlich oder können im Geodatenportal des Bundes (map.geo.admin.ch) eingesehen werden.