Olten und Schriftstellerei, das hat in der Schweiz schon fast Tradition. Wegen der «Gruppe Olten» und wegen Franz Hohler. Alex Capus geht mit seinem Erzählband «Der König von Olten» in Hohlers Spuren, schreibt herrlich leicht und undogmatisch über eine Eisenbahnerstadt, die ihren Glanz etwas eingebüsst hat. Insofern ist sie anderen kleineren Städten der Schweiz nicht unähnlich.
Die Schweiz – insbesondere das Mittelland – führt in der literarischen Selbst-Wahrnehmung nach wie vor ein Schattendasein. Doch dem hat Alex Capus in den letzten Jahren einiges entgegengesetzt. Etwa mit «Munzinger Pascha» über den Schweizer Afrikaforscher Werner Munzinger. Oder mit den 10 Porträts von Patriarchen des 19. Jahrhunderts, über Leute wie Maggi, Nestlé, Bally, Hoffmann-La Roche oder Lindt. Sein Werk «Himmelsstürmer» zeichnet neben der Lebensgeschichte von Madame Tussaud (eigentlich ein Berner Dienstmädchen namens Marie Grosholtz) oder jener des Revolutionärs Jean-Paul Marat auch die Lebensgeschichte von Fritz Zwicky, dem weltberühmten Glarner Astronomen.
«Der König von Olten» dagegen ist mehr als die Biografie einer Stadt, er ist eine Liebeserklärung, wenn auch eine kritische. Hier kommen der Stripper mit dem Holzbein vor und der Duft des nassen Kopfsteinpflasters, die Eisenbahner, der Geruch von Wernli-, Sunlight- und Von-Roll und – der König von Olten.
Ihn muss man einfach lieben, und – so ist anzunehmen – an seiner Lesung wird Alex Capus den Glarnerinnen und Glarnern auch verraten, wer dieser König ist und wie er sein Stadtkönigreich regiert. Wie schön muss es in Olten sein, wo hie und da auch etwas nicht funktioniert. Oder wie Capus sagt: «Plant Olten mal eine Flaniermeile am Flussufer, wird's zum Schluss immer nur ein Imbissstand.» Sympathisch, lustig, schweizerisch – und sehr, sehr gut geschrieben.
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