Neugestaltung Berufsbildungsstrukturen

Der Regierungsrat beantragt dem Landrat, einen Verpflichtungskredit von 940 000 Franken für die Durchführung eines Architekturwettbewerbs und die Erstellung eines Vorprojekts zum Ausbau des Schulstandorts Ziegelbrücke zu bewilligen. Gleichzeitig sei die Sperrung vom Dezember 2017 der entsprechenden Budgetpositionen aufzuheben.




Ausgangslage

Die Glarner Bevölkerung ist gemäss Befragung 2017 mit den Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Kanton unterdurchschnittlich zufrieden, betrachtet sie aber als überdurchschnittlich wichtig. Im Bereich «Lernen» des politischen Entwicklungsplans 2020–2030 gehören deshalb das Ermöglichen von attraktiver Aus- und Weiterbildung in der Region und das Unterstützen in der beruflichen Neuorientierung zu den Schwerpunkten. Genauso das Stärken des lebenslangen Lernens, das Fördern des Ausbildungsniveaus der Bevölkerung und das aktive Begleiten des Wandels der Berufe. Auf dieser Basis sieht der Regierungsrat als Ziel für die neue Legislatur 2019–2022 vor, dem Fachkräftemangel speziell in den Bereichen Informatik und Gesundheit entgegenzuwirken bzw. das vorhandene Fachkräftepotenzial besser auszuschöpfen.

Das aus der Pflegeschule hervorgegangene Bildungszentrum Gesundheit und Soziales (BZGS) besteht seit rund 45 Jahren. Ausgehend von einer Klasse mit 8 Auszubildenden hat sich das Angebot zu 4 Ausbildungsgängen mit insgesamt 9 Klassen und rund 125 Lernenden und Studierenden entwickelt. Das BZGS bietet heute zwei Ausbildungen mit dem eidgenössisches Fähigkeitszeugnis EFZ als Fachfrau/-mann Gesundheit (FaGe) und dem eidgenössischen Berufsattest EBA als Assistent/-in Gesundheit und Soziales (AGS) im Bereich berufliche Grundbildung an. In der höheren Berufsbildung kann heute auch das eidgenössische Diplom als Pflegefachfrau/-mann HF erworben werden.

Das Gesundheitsleitbild des Kantons Glarus prognostiziert einen weiterwachsenden Bedarf an Personal im Gesundheitsbereich. Im Gesundheitsleitbild wird dargelegt, dass bis zum Jahr 2020 rund 100 Personen zusätzlich eingestellt und 240 Pflegefachpersonen ersetzt werden müssen. Auch wenn das BZGS diesen Bedarf bei Weitem nicht allein decken kann, muss es sein Angebot zwingend weiterentwickeln. Die berufliche Grundbildung ist weiter auszubauen sowohl in der ordentlichen Lehre (EFZ und EBA) als auch im Bereich Nachholbildung Erwachsener. Das Gleiche gilt für die Höhere Berufsbildung (HF Pflege), etwa durch die Rekrutierung zusätzlicher ausserkantonaler Studierender und durch eine deutliche Erhöhung der Klassengrössen. Zudem besteht Bedarf im Bereich Weiterbildung.

Vor diesem Hintergrund plant der Regierungsrat seit Längerem den Ausbau des BZGS. Vor den weiteren Planungsarbeiten ist die Standortfrage zu klären.

Standorte

Heute bestehen drei Ausbildungsstandorte im Bereich der Berufsbildung: die Berufsfachschule in Ziegelbrücke mit den Glarner Brückenangeboten, die kaufmännische Berufsfachschule KBS in Glarus sowie das Berufsbildungszentrum für Gesundheit und Soziales BZGS in Glarus. Der grösste der drei Glarner Berufsschulstandorte befindet sich in Ziegelbrücke mit rund 800 Schüler/-innen im gewerblich-industriellen Bereich, der Gastronomie, in der Bewegungs- und Gesundheitsförderung sowie bei den Coiffeuren/-eusen. Weiter sind hier sämtliche kantonalen Brücken- und Integrationsangebote domiziliert. Ein grosses Plus sind in Ziegelbrücke die ergänzenden Infrastrukturen wie Mensa und Sporthalle. Während die Mensa nach wie vor zu schwach ausgelastet ist, ist die Einfachsporthalle stets bis an die Kapazitätsgrenzen ausgebucht.

Das Zaunschulhaus in Glarus mit der KBS wurde in den letzten Jahren umfassend saniert. Sanierungs- und Erweiterungsbedarf besteht vor allem beim BZGS und in Ziegelbrücke. Basierend auf den bildungspolitischen Zielen, Infrastrukturbedürfnissen und verschiedenen Abhängigkeiten hat der Regierungsrat eine Gesamtschau vorgenommen – auch um zu verhindern, dass in einer isolierten Herangehensweise grosse Bauetappen an den aktuellen Berufsschulstandorten in Angriff genommen werden und mit kostspieligen Grossinvestitionen die jetzige dezentrale Struktur für Jahrzehnte zementiert wird.

Es wurden vier Szenarien geprüft:

– Ausbau für Pflegeausbildungen am bestehenden Standort in Glarus (alter Migros)

– Neubau für Pflegeausbildungen in Glarus (Areal alte Kaserne oder Raum Bahnhof/Ennetbühls)

– Zentralisierung und Ausbau in Ziegelbrücke mit Aufgabe des Standortes Glarus für Pflegeausbildungen

– kantonsexterne Lösung für Pflegeausbildungen.

Bei der Evaluation der verschiedenen Szenarien wurden alle Aspekte wie Investitionen, Betriebskosten, Synergien, bestehende Infrastrukturen und ausserkantonales Marktpotenzial mitberücksichtigt.

Favorisierte Variante: Zentralisierung und Ausbau in Ziegelbrücke

Die zentrale Lösung ist die zukunftsträchtigste und nachhaltigste. Zu diesem Schluss kommt der Regierungsrat aufgrund der notwendigen Vorwärtsstrategie im Berufsbildungsbereich, der beschriebenen Abhängigkeiten, dem Vergleich der Szenarien sowie der finanziellen Auswirkungen. Das Festhalten an einer dezentralen Struktur bzw. das Zementieren derselben durch einen Ausbau des Standortes Glarus erscheint nur auf den ersten Blick günstiger (Investition rund 5,5 Mio. Franken), die Ausbildungskosten für Glarnerinnen und Glarner sind damit langfristig höher. Zudem ermöglicht dieses Szenario im Bereich der Pflegeausbildungen weder das notwendige Wachstum noch zeitgemässe Schulkonzepte, es löst das Problem des Sportunterrichtes nicht und verhindert die positiven Effekte neu gestalteter Glarner Berufsbildungsstrukturen. Die vorgeschlagene Variante rechnet mit folgenden Kosten:

Investitionskosten (in Fr.):

Erweiterung Schulhaus in Ziegelbrücke 13,3 Mio.
Provisorium für Bauphase 0,0 Mio.
Einrichtung Schulraum in Ziegelbrücke 1,2 Mio.
Total-Investitionen in Schulhaus Ziegelbrücke 14,5 Mio.

+ Neubau Zweifachsporthalle in Ziegelbrücke (16,800 m2) 5,7 Mio.
- möglicher Verkaufserlös Liegenschaft glarus24.ch 2,6 Mio.

Finanziert werden soll dieses Vorhaben via Bausteuerzuschlag von 0,5 Prozent ab 2023. Da andere Finanzierungen über diesen Kanal in der Zwischenzeit auslaufen (insbesondere der Bausteuerzuschlag von 1,5% für die Gesamtsanierung des Kantonsspitals ab 2022), steigt dieser Zuschlag mit diesem Projekt nur auf 1,7 Prozent (2018 2%, ab 2019 1,5%).

Zusammengefasst sprechen folgende Gründe für dieses Szenario:

1. Positionierung in der Bildungslandschaft

– Sowohl die Angebote der Höheren Berufsbildung als auch der Berufsmaturität können ausgebaut werden. Mit zeitgemässer Infrastruktur am Standort Ziegelbrücke schafft der Kanton Glarus die notwendigen Voraussetzungen, um den sehr rasch wandelnden Anforderungen im nachobligatorischen Bildungsbereich gerecht zu werden.

– Ein attraktives Bildungszentrum im Tertiärbereich hat Leuchtturmwirkung und stellt eine echte und konkrete Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Wirtschaft dar, was für den Standort Glarnerland von zentralem Interesse ist (Standortattraktivität).

– Der Standort Ziegelbrücke und das gesamte Glarner Bildungsangebot werden gefestigt und langfristig gesichert. Auch Berufsfachschulen stehen in einem gewissen Wettbewerb (bspw. bezüglich Schulortszuweisung der Berufe).

2. Erschliessung/Erreichbarkeit

– Der Standort Ziegelbrücke, der im Richtplanentwurf als strategischer Entwicklungsschwerpunkt vorgesehen ist, knüpft räumlich unmittelbar an den Metropolitanraum Zürich an und profitiert von dessen grosser Entwicklungsdynamik.

– Das Areal in Ziegelberücke ist allein schon aufgrund der Lage und Erschliessung ideal, um das Marktpotenzial nicht nur des Kantons Glarus, sondern auch der weiteren Wirtschaftsregion ausschöpfen zu können.

– Der Standort ist attraktiv auch für ausserkantonale Lernende und insbesondere HF-Studierende, was einerseits zu relevanten zusätzlichen Einnahmen führt und andererseits den sogenannten «Braindrain» dämpft.

3. Synergien/Finanzen

– Die Kräfte in der Glarner Berufsbildung werden gebündelt. Das Angebot kann dadurch insgesamt gestärkt werden (Skaleneffekte, Synergieeffekte).

– Mehr ausserkantonale Studierende erhöhen den Kostendeckungsgrad, ermöglichen eine effiziente Abwicklung von Lehrgängen und damit tiefe Ausbildungskosten für Glarner Abschlüsse.

– Verbesserte Raumnutzung: Spezialräume (Bibliothek, Chemie/Physikzimmer usw.), Aufenthaltsbereiche, Sporthallen, Mensa (heutige Auslastung ungenügend).

– Eliminierung von Mietlösungen (alles unter einem Dach).

– Vereinfachte Personalrekrutierung und -einsatz.

– Straffung zentraler Dienste möglich (Sekretariate, Support, Informatik, Haustechnik, Hausdienst usw.).

Weiteres Vorgehen

Die entsprechenden Planungskredite werden in die Budgets 2019 und 2020 eingearbeitet. Für die Realisierung ist folgender enger Zeitplan vorgesehen:

– Wettbewerb (Publikation Fachpresse usw.) Jan. 2019–Sept. 2019

– Kostenvoranschlag durch Architekten und Fachplaner Okt. 2019–April 2020

– Beschluss Regierungsrat Juni 2020

– Beschluss Landrat Okt. 2020

– Beschluss Landsgemeinde Mai 2021

Bezug Neubau Juli 2024