New York, London, Tokyo, Hongkong, Moskau – dann Näfels

Dass sich das Klavierduo Hans-Peter und Volker Stenzl die Ehre gaben, zwischen Auftritten an doch sehr namhaften Orte im «klitzekleinen» Näfels ein hoch willkommenes, stark besuchtes Gastspiel zu geben, ist in seiner Art einzigartig. Es gereicht den organisierenden Vilma und Daniel Zbinden zur Ehre, dass sie während der gesamten ersten «Freulerpalast-Saison» bekannte Künstlerinnen und Künstler mit ganz verschiedenen Repertoires für eines der insgesamt fünf Gastspiele einladen konnten und dass damit ganz beeindruckende Begegnungen möglich geworden sind.




Um die Einzigartigkeit des jeweiligen Auftritts wissend, kamen stets erfreulich viele Zuhörende an die verschiedenen Matineen. Diesmal war in der Ausschreibung nachzulesen, wo das Klavierduo so überall auftritt, von welchen Dirigenten die beiden schon als begehrte Solisten verpflichtet worden sind, dass dank verschiedenen Rundfunk- und Fernsehproduktionen der Bekanntheitsgrad enorm hoch ist, dass die beiden arrivierten Künstler junge Pianisten und Klavierduos nachhaltig fördern oder dass sie an verschiedenen Orten in Deutschland unterrichten.

Zur Verpflichtung in Näfels kam es, weil sich die Gäste und Vilma und Daniel Zbinden gut kennen. Und nach der kurzen Begrüssung und dem Hinweis, dass es im Anschluss an Näfels nach China weitergehe, schritten die beiden Herren enorm ernsthaft an den Flügel – und dann begann die Sonne auch im prachtvollen Saal des Freulerpalasts in ihrer vollen Klarheit, Stärke und Wärme zu scheinen. Es klang eine Vielfalt an absolut Bewegendem auf. Träumen, Sehnen, Verharren, enorm Kraftvolles, dann wieder riesig Verspieltes, kecke und kurzweilige Momente, höchst dramatische und kraftvolle Sequenzen wechselten sich ab. Hans-Peter und Volker Stenzl präsentierten Werke von Claude Debussy, Franz Schubert und Maurice Ravel unter dem für dieses Konzert gewählten Titel «Farbklänge & Klangfarben». Für die Konzertbesucherinnen und -besucher war die beneidenswerte musikalische Leichtigkeit des Seins. Es wurde mit ungeheurer Eleganz, gegenseitiger Abgestimmtheit bis zum letzten Ton, mit einer immensen, nuancenreichen Kompaktheit interpretiert. Eine Partitur war nicht erforderlich, alles war so beneidenswert verinnerlicht.

Und würde man die Fülle der Melodien mit Farben vergleichen – in Anlehnung an den auf dem Flyer festgehaltenen Titel – käme es zu einem wahren Meer schönster Blumengebinde, so kostbar, kaum verwelkend, den farblichen Reichtum lange bewahrend, ein wunderbares Geschenk an alle, die aufmerksam mitvollzogen.
Lange könnte über Harmonien, Kraftvolles, Helles, Erhabenes, übers Kokettieren, das liebliche Hinterfragen und Wünschen, Schroffes und Markantes geschrieben werden; ein Enden wäre kaum möglich.
Erzählt wurde dann kurz von Mozart und Ravel. Beide seien eher klein gewesen. Ravel habe sich bei Besuchen unter Kindern am wohlsten gefühlt, habe mit ihnen gerne und ausdauernd gespielt.

Im Verlaufe eines mehrsätzigen Werks von Ravel wurden die Inhalte der einzelnen Sätze ganz kurz angesagt. Es begann mit Dornröschen, der schlafenden Schönheit, die von niemandem gestört werden sollte. Und alsbald klang gar Durchsichtiges, Helles, Lichtdurchflutetes in schönster, treffendster Weise auf.

Es schloss die Episode des Kleinen Däumlings an, der im Walde spazieren ging und Brotkrumen streute, um den Rückweg wiederzufinden. Nur hatte der die Rechnung ohne hungrige Vögel gemacht, die sich am Brot gütlich taten. Es war eine schicksalsschwere, schwierige Rückkehr. Davon zeugte die Musik.
Es ruhte im Folgesatz die Kaiserin der Pagoden. Nun waren diese Pagoden allerkleinste Musikanten, die auf Nussschalen der badenden Kaiserin gar liebliche Unterhaltung boten.
Und man gelangte – wieder nach kurzweiliger und willkommener Ansage – zur Geschichte mit der Schönen und dem gruseligen Biest, das sich zum stattlichen Prinzen wandelte. Und alsogleich verstanden sich die beiden und wurden ein Paar. Musikalisch ging das anfänglich recht dramatisch, dann weit feiner zu und her.
Und im Feengarten war es einfach schön, voller Verspieltheiten, Tanz und absolut Lieblichem.

Eine Zäsur ergab sich etwas gar schnell mit dem Ende des rund eine Stunde umfassenden Programms. Verdient gross und herzlich war der Dank. Erst nach zwei Zugaben endete das Klatschen. Beim Apéro im herrlichen Garten ergab sich ein willkommener Gedankenaustausch.