Oh Weisstannenbaum

Ein fein duftender Weihnachtsbaum bringt ein kleines Stück Natur in die kerzenbeleuchtete Stube. In der Glarner Natur heimisch sind aber nur zwei der gängigen Weihnachtsbaumarten: Fichte und Weisstanne. Die Fichte, auch Rottanne genannt, ist weit verbreitet, die Weisstanne hingegen das Sorgenkind der Förster.



Weihnachtszeit ist Nadelbaumzeit. (Bilder: Bettina F. / pixelio.de) Weisstannenzweige.
Weihnachtszeit ist Nadelbaumzeit. (Bilder: Bettina F. / pixelio.de) Weisstannenzweige.

Gut unterscheiden kann man Fichte und Weisstanne an ihren Nadeln. Während die Fichte spitzige Nadeln mit rundlichem Querschnitt hat, sind diejenigen der Weisstanne flach gedrückt und besitzen auf der Unterseite zwei typische, weisse Striche. Wer unterwegs in der Glarner Natur die Nadelbäume diesbezüglich studiert, wird viele Fichten entdecken, aber lange nach der ersten Weisstanne suchen müssen. Die Fichte ist mit 60 Prozent Anteil der häufigste Baum im Glarner Wald, aber nur 5 Prozent sind Weisstannen.

Weisstanne untervertreten

Früher war das anders. In den Tannen-Buchenwäldern kamen natürlicherweise viel mehr Weisstannen vor. Die Weisstannen sind also heute im Glarner Wald deutlich untervertreten. Die Ursachen des Rückgangs gehen weit zurück. Fichten wurden als gutes Nutzholz bei der Waldbewirtschaftung gefördert, die Weisstannen dadurch verdrängt. Weitere Einbussen in der natürlichen Verjüngung der Weisstannen werden seit rund 50 Jahren durch Verbiss von Rothirsch, Reh und Gämse verursacht. Zusätzlich machen Luftschadstoffe der empfindlichen Tanne zu schaffen.

Wert erkannt


Heute wird der ökologische, aber auch ökonomische Wert der Weisstanne erkannt. Als Teil der Lebensgemeinschaft Wald tragen Weisstannen zur natürlichen Artenvielfalt bei. Durch ihre tiefen Wurzeln geben die Tannen zudem dem Schutzwald besseren Halt als die flachwurzelnde Fichte. Die Tanne kann die zunehmenden Witterungsextreme besser ertragen. Und auch Stammverletzungen bei Steinschlag toleriert sie besser als die Fichte.

Heute gefördert


Mit verschiedenen Massnahmen wird die Weisstanne im Glarnerland gefördert. Dazu gehören Pflanzungen, technische Schutzmassnahmen wie Einzäunungen an Einzelbäumen oder auf ganzen Waldflächen sowie jagdliche Massnahmen zur Reduktion und besseren Verteilung von Rothirsch, Reh und Gämse. Wenn man bedenkt, dass Weisstannen erst mit 60 Jahren fortpflanzungsfähig sind, bedeutet dies: es braucht Geduld.

Wer übrigens eine Weisstanne aus einheimischer Produktion als Christbaum in der Stube hat, gefährdet den Weisstannenbestand im Glarnerland nicht. Denn es werden keine Weisstannen aus dem Glarner Wald feil geboten.

Für weitere Informationen

Infostelle Naturzentrum Glarnerland, im Bahnhofsgebäude Glarus
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 17.30 Uhr, Samstag 10.00 bis 12.00 Uhr, Eintritt frei. E-Mail: [email protected], Telefon: 055 622 21 82, www.naturzentrumglarnerland.ch