Olgy Jutzeler – Näfelser «Rössli»-Wirtin hört auf

Dieser Tage ging im «Rössli» in Näfels eine Ära zu Ende. Seit 1938 führte die Familie Jutzeler das Gasthaus mit Metzgerei am Fusse des Fahrtsplatzes. Ab 1958 wirteten Mutter Olga mit ihrer gleichnamigen Tochter Olgy. Ab 1979 führte Olgy das legendäre «Rössli» selbstständig 41 Jahre lang. Nun musste sie es altershalber und aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.




Olgy wurde am 7. Juli 1937 als ältestes Kind und einzige Tochter von Beda und Olga Jutzeler-Frick geboren. Ihr folgten noch sechs Buben: Beda, Peter, Paul, Hans, Bruno und Werner. Leider erkrankte Vater Beda an Multipler Sklerose und verstarb bereits 1960. Die Söhne Peter und Paul, später Peter allein, führten den Metzgereibetrieb weiter. Das beliebte Gasthaus «Rössli» wurde durch Mutter und Tochter weitergeführt Ab 1979 übernahm es Tochter Olgy bis vor wenigen Tagen.

 

Olgy, liebevoll als «kleinste Wirtin der Welt» betitelt, könnte Bücher über die vielen Ereignisse im «Rössli» schreiben. Im «Rössli»-Saal fanden viele Vereinsversammlungen, Parteiversammlungen, Vorträge, Ausstellungen, Tanzanlässe und einmal im Jahr am «Oberseemarkt» die Gemeinderatssitzung extra muros mit Alpvergebung statt. Jeweils an der Näfelser Fahrt ging es von früh bis spät hoch zu und her. Legendär und urgemütlich waren die Abende und Wochenenden, namentlich an der Fasnacht, als «Maschgeren» noch «in» war. Die einheimischen Stammgäste, Jasser, aber auch regelmässig «Heimwehnäfelser» kehrten hier ein. Bei vielen Klassenzusammenkünften war ein Besuch im «Rössli» ein Muss. Früher fanden hier häufig Tauf-, Hochzeits- und Leidmähler statt. «Olgy» genoss grosse Sympathie und war als humorvolle und smarte Wirtin sehr beliebt.

 

Dass sie bis ins 83. Altersjahr als Wirtin wirkte, ist eh eine Ausnahmeerscheinung. Kürzlich war ihr eine spezielle Fernsehsendung gewidmet, die grossen Anklang fand und hohe Einschaltquoten brachte. Leider machte ihr ein Rückenleiden zu schaffen; mehrere riskante Operationen waren unumgänglich. Nach den jüngsten ärztlichen Eingriffen musste sie nun schweren Herzens ihren Beruf aufgeben. Das Bedauern ist gross und der heiteren Erlebnisse an die «Rösslizeit» gibt es viele.

 

Wer sie kennt und wer selber «Rössli»-Erlebnisse hat, bedauert sehr das Ende dieser einmaligen Ära, die ein Stück Näfelser Dorfgeschichte und Lebensqualität bleiben. Mögen sie sich von ihrem Leiden erholen und rasch genesen! Der herzliche Dank vieler begleitet sie in ihren Ruhestand.