Orchesterverein Oerlikon gastierte in Schwanden

Auf Einladung des Kulturvereins Glarus Süd gastierte der Orchesterverein Oerlikon unlängst im Gemeindezentrum Schwanden. Interpretiert wurde Unbekanntes. Das Zusammentreffen war möglich geworden – so Ruth Tüscher bei ihrer gewohnt herzlichen Begrüssung – weil in diesem Verein doch einige Glarner mitwirken.




Die Programminhalte machten neugierig, weckten begreifliche Spannung. Als Einleitung war die Ouvertüre in C-Dur von Fanny Hensel-Mendelssohn (1805 – 1847) ausgewählt worden. Das Orchester leitet Günther Stückle, irgendwie reserviert wirkend, sehr an die Partitur gebunden. Engagierte Kontakte zu den Interpretierenden, dezidiertes Fordern fehlten. Der Reiz der Komposition litt zuweilen. Unsaubere Einsätze der Bläser und etwas gar schnelle Tempi, die es zu meistern galt, irritierten. Das Laienorchester hatte sich mit diesem fordernden Interpretieren ein hohes Ziel gesteckt. Und in einigen Passagen war das Überfordertsein hörbar. Es mangelte an Präzision, Ausdrucksreichtum, packender Vielfalt und homogenem Zusammenspiel. In langsamen Passagen kamen weit mehr Stimmung und Beseeltheit auf.

Die Weiterführung galt der mehrsätzigen Petite suite d `orchestre von Georges Bizet (1838 – 1875). Es handelte sich um Sätze, die nicht nur titelbezogen mit starken Emotionen verbunden sind. Viel Frohmut und Leichtigkeit, adrette Wechsel bei Bläsern, Streichern und dem Schlagwerk, Träumereien, Dahineilen, genussvolles Verharren, keckes Fordern klangen auf. Die Interpretierenden waren gefordert. Es schlichen sich hin und wieder Unsauberkeiten ein. Das spürbar fordernde Ausdrücken wuchs nicht immer zur gewünschten Ganzheit. Die kurzen Sequenzen erheischten ein hohes Mass an Präsenz und Präzision. Nicht immer konnte dem Folge geleistet werden.

Am Schluss stand die Suite ancienne (a la mémoire de Ludvig Holberg, komponiert von Johan Halvorsen (1864 – 1935). Es klangen schöne, inhaltsstarke, beseelte Momente auf, in sich wiederholenden Motiven, die die Gefahr von Eintönigkeit in sich hatten. Man freute sich an attraktiver Leichtigkeit, an aufkeimendem Jubel, an Feierlich – Verspieltem. Man nahm wahr, wie heikel Pizzicati sein können, ärgerte sich, wenn sich wieder Unsauberkeiten einschlichen, wenn die Distanziertheit zwischen Dirigent und Orchester aufzukommen drohte.

Die Programminhalte waren attraktiv, die Ausgestaltung hinterliess Fragen und eine gewisse Ratlosigkeit. Vieles war zu wenig ausgereift, zu uneinheitlich, vielleicht auch zu anspruchsvoll. Applaus und Zugabe schlossen an.