Petition will die Aufweitung endlich vom Tisch fegen

Die mögliche Aufweitung des Kundert-Riet in Mollis ist seit Jahrzehnten ein heisses Thema. Obwohl die Bevölkerung von Mollis und Glarus Nord sich mehrmals dagegen entschieden hat, ist das Projekt nicht verworfen. Mit einer Petition mit 1755 Unterschriften will die Linth-Escher-Stiftung und die SVP Glarus Nord endlich klare Verhältnisse schaffen. Dies erklärten Vertreter am letzten Dienstag gleich vor Ort.



Sie erklärten die Hauptgründe für die Petition von links: Adrian Hager, Roman Zehnder, René Brandenberger und Samuel Leuzinger. (Bilder: jhuber)
Sie erklärten die Hauptgründe für die Petition von links: Adrian Hager, Roman Zehnder, René Brandenberger und Samuel Leuzinger. (Bilder: jhuber)

So wie das Wasser beständig den Escherkanal hinunterfliesst, so beständig beschäftigt die Zukunft des «Kundert-Riet» in Mollis die Bevölkerung und die Politik. «Neben den Umfahrungsstrassen sind sie mit über drei Jahrzehnten der zweite Dauerbrenner im Kanton Glarus», meinte Roman Zehnder, Präsident SVP Glarus Nord, an einer Pressekonferenz am letzten Dienstag. In diesem Zeitraum geistert immer die Möglichkeit der Linth-Aufweitung durch die politischen Gremien. Die Linth-Escher-Stiftung und die SVP Glarus Nord wollen mit der in den nächsten Tagen übergebenen Petition dieses Gespenst endgültig vertreiben. «In kurzer Zeit konnten wir 1755 Unterschriften sammeln. Die Bevölkerung hat einmal mehr seinen Willen klar geäussert», betonte Zehnder weiter. Er und weitere Vertreter der Partei und der Stiftung führten im Anschluss die Hauptgründe für die Petition, sowie gegen die Linth-Aufweitung an diesem Ort weiter aus. «Zuerst müssen wir den Zweck und die Funktion der beiden Kanäle und vor allem des Escherkanals betrachten», erklärte dazu René Brandenberger. Die beiden Kanäle wurden vor über zweihundert Jahren für den Hochwasserschutz des Gebietes gebaut. Der Escherkanal sorgt dabei, dass das Geschiebe des Berggewässers in den Walensee geführt wird, und es so nicht im vorgängigen Lauf der Linth zu Ablagerungen und Problemen kommt. Der Linthkanal am Abfluss des Walensee dagegen sorgt dafür, dass die Wassermassen weitergeführt werden. «Es sind also zwei grundlegend andere Funktionen.» Da der Linthkanal kein namhaftes Geschiebe mehr mitführt, können hier Aufweitungen durchaus auch dem Hochwasserschutz dienen und sinnvoll sein. «Dies liegt beim Escherkanal aber nicht vor», ist sich Brandenberger sicher. Experten hätten ermittelt, dass bei einer Aufweitung im Riet es hier zu Ablagerungen und deswegen zu Bedrohungen des Hochwasserschutzes kommen kann. «Die Aufweitung birgt deshalb grosse Gefahren bei grossen Wassermassen.»

Als zweites Hauptargument brachte Stefan Leuzinger das bestehende Kultur- und Naturland. «Auf diesen knapp 6 Hektaren besteht ein vielfältiges Ökosystem, in dem sich in den letzten Jahren viele weitere Tiere – wie der Biber – angesiedelt haben.» Diese werden unweigerlich durch die baulichen Massnahmen und Eingriffe im Rahmen der Aufweitung zerstört und müssten sich erst wieder über einen langen Zeitraum neu aufbauen. «Solche vielfältigen Ökosysteme sind sehr sensibel. Einen funktionierenden Naturraum – wie hier – wissentlich zu zerstören, um einen fast gleichen wieder aufzubauen, halte ich mehr als nur sinnlos.»

Als drittes Argument brachte Adrian Hager den Volkswillen ins Spiel. «Ja der Hochwasserschutz ist die Hauptaufgabe des Linthwerks, dies aber mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Bewohner.» Und dieses Bedürfnis habe die Bevölkerung von Mollis an der Gemeindeversammlung 2004 und Glarus Nord an der Versammlung von 2023 bereits mehrmals klar formuliert. «2023 waren es 497 zu 139 Stimmen gegen die Aufweitung.» Gerade eine direkte Demokratie, wie die im Glarnerland, hat als Grundpfeiler die Entscheidungsgewalt des Souveräns, der Bevölkerung. «Wenn dieses Grundprinzip nicht mehr eingehalten wird, ist das gesamte Demokratische System in Gefahr.» Mit der Petition wird noch einmal deutlich – und für die Vertreter hoffentlich zum letzten Mal – seinen Willen kundgetan. In den nächsten Tagen wird diese nun dem Regierungsrat und dem Präsident der Linthkommission Thomas Tschudi übergeben.