«Die Halle ist zwar nicht ganz voll, was bedeutet, dass jeder und jede unter Ihnen doppelt und dreifach so wichtig ist», begrüsst Rene Brandenberger im Namen der Linth-Escher-Stiftung und der IG Hochwasserschutz Linth. Nebst Regierungsrat Thomas Tschudi begrüsste Brandenberger eine Dreierdelegation der Gemeinde Glarus Nord mit Gemeindepräsident Fridolin Staub und seinen Kollegen Bruno Gallati und Daniel Landolt sowie von der Gemeinde Glarus Süd Gemeinderat Markus Marti. Aus dem Kanton Thurgau war eine Delegation der IG Thur anwesend und aus Zürich Hans Bieri, Geschäftsführer der schweizerischen Vereinigung Industrie und Landwirtschaft.
Versorgungsicherheit
«Vor rund 85 Jahren hat der damalige Bundesrat unter dem Namen «Anbauschlacht» in weiser Voraussicht die Anbau- und Ackerflächen für die Lebensmittelproduktion drastisch erhöht», so Rene Brandenberger zum Auftakt mit dem Hinweis auf die heutigen ungünstigen geopolitischen Zeichen. Seit Jahrzehnten kämpfen die Schweizer Landwirte um ihr Kulturland: ein stetes Interessenabwiegen zwischen Naturschutz, Bauvorhaben und allen Ansprüchen der Wohlfühlgesellschaft, die zu Ungunsten der Landwirtschaft gefällt werden, fügt er an. «Der heutige Abend soll dazu dienen, vor Augen zu führen, wie wichtig eine produzierende Landwirtschaft ist», so Brandenberger, bevor er Ritter auf die Bühne bittet.
Agrarpolitik
«Die Welt ist in Bewegung und die Schweiz muss dafür sorgen, das Beste für die Bevölkerung und das Land zu machen – das gilt auch für die Schweizer Landwirtschaft», findet Markus Ritter gewohnt klare Worte. 37% der Landesfläche können landwirtschaftlich genutzt werden, Lebensmittel werden immer weniger produziert, der Selbstversorgungsgrad umfasste 2024 42% und pro Sekunde geht ein Quadratmeter Boden verloren. Im Weiteren sei die Schweizer Landwirtschaft in einem fortgeschrittenen Alter, so Ritter. Die Hälfte der Betriebsleitenden seien über 50 und haben keine Hofnachfolger, jährlich werden 600 bis 700 Betriebe aufgegeben.
«Die letzten 30 Jahren war die grosse Diskussion stets Ökologie und Umwelt. Aus unserer Sicht hat man dort die Ziele erreicht», so Ritter anhand des Beispiels der Biodiversität. Lebensmittelproduktion und Einkommen sollen in der neuen Agrarreform gestärkt werden, Bürokratie dagegen vermindert.
Gewässerräume
Ein wesentlicher Bestandteil der Produktion ist das stets schwindende Kulturland. In den letzten 30 Jahren gingen 1142 km2 Landwirtschaftsfläche verloren. «Die seit 2012 geführte Gewässerraumdiskussion setzt Betriebe weiter unter Druck», zeigt Ritter die Nutzungseinschränkungen von allen Seiten auf. Erst rund 30% der Gemeinden haben den Gewässerraum auf ganzem Gemeindegebiet eigentümerverbindlich festgelegt. «Das eilt auch nicht, es braucht hier Anpassungen», hält Ritter gegen den Druck auf die Landwirte. «Wir sind der Meinung, dass der Gewässerraum folgende Funktionen abdeckt: die Renaturierung, Schutz vor Einträgen wie Dünger oder Pflanzenschutzmittel sowie zu nahen Bauten. Für die überdimensionierte Extensivierung haben wir kein Verständnis», erläutert Markus Ritter die Diskussionen mit Bundesrat Albert Rösti. Es brauche eine Lösung, in der sowohl der Schutz der Gewässer, der Hochwasserschutz, aber auch die landwirtschaftliche Produktion, nebeneinander Platz haben.
Petition gestartet
Als Dank für seinen Besuch im Glarnerland überreichte Brandenberger Ritter einen Korb mit Nussprodukten aus dem Glarner Riet. «Mit dem heutigen Tag starten wir auch eine Petition gegen das Projekt Aufweitung Kundert-Riet und für den Erhalt von 6 ha Kulturland am Escher-Kanal», schliesst Rene Brandenberger nach einer offenen Fragerunde den Abend.







