Nicht nur die Särge mit dem Fridolin und Schweizerwappen auf dem Landsgemeindeplatz sind ein an Pietätlosigkeit grenzendem Missbrauch kaum zu überbieten. Absender des Flyers, mit dem – in alle Glarner Haushalte verteilt – für die Neutralitätsinitiative geworben wird: ein sogenanntes Friedenskomitee. In Wirklichkeit ist es aber vorab die SVP, welche als einzige grosse Partei hinter der Initiative steht. Das SVP-Sünneli lassen sie diesmal aber wohlweislich weg, weil sonst der Widerspruch und die Scheinheiligkeit wohl ins Auge springen würden. Denn dass die SVP und die Mitinitianten sich in der Vergangenheit als Friedensaktivisten und Pazifisten engagierten, ist wohl nicht nur für mich absolut neu.
Nein, auch die Taube als Friedenssymbol wird genau von denjenigen Kreisen missbraucht, welche handkehrum mit Nachdruck Kriegsmateriallieferungen (auch) an kriegsführende Länder ermöglichen wollen.
Des Missbrauchs nicht genug: Selbst John Lennon und seine Friedenshymne «Give Peace a Chance» müssen für die Kampagne herhalten. Dies, um eine Initiative durchzubringen, welche die Schweiz zwingen würde, die Sanktionen gegen Russland aufgeben zu müssen. Ein Land, das einen äusserst brutalen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die friedliebende Ukraine führt, welche übrigens bis zum Kriegsausbruch neutral war. (Nebenbei gesagt: ein trauriges Beispiel, dass Neutralität keineswegs eine Garantie dafür ist, um den Frieden zu sichern.)
Apropos tote Soldaten in den aufgereihten Särgen: Die aktuell in der Verfassung verankerte Neutralität lässt in keinem Fall zu, dass Schweizer Soldaten zu Kriegseinsätzen im Ausland aufgeboten werden dürfen. Lassen wir uns nicht verblenden: Die Neutralitäts-Initiative, die uns eine Friedensliebe vorgaukelt und vor Tod, Leid und Elend warnt, ist eine unehrliche, verlogene Mogelpackung. Die Schweiz braucht keine starre Neutralität, denn sie ist mit der geltenden Regelung in der Vergangenheit gerade dank einer gewissen Flexibilität gut gefahren. Bewahren wir, was wir lieben!




