Poetischer Surrealismus

Für Romi Cash sind die Ausstellung im Alterszentrum Schwanden samt angebotenen Führungen und Lesungen mit Kulturinteressierten eine Begegnung auf Zeit, ein kurzes Innehalten und Wiedersehen samt regem, zuweilen intensivem Gedankenaustausch. Unter dem nicht einfach einzuordnenden Titel «Poetischer Surrealismus» stellt sie ihr neues Schaffen samt Illustrationen zu zwei von ihr verfassten Büchern bis Mitte Oktober aus.




Es sind in erster Linie nicht die Bilder, sondern die in zwei Büchern enthaltenen Texte, die von einem bewegten und bewegenden Leben zeugen, die den alles andere als geraden Weg durch viele Jahre des Erwachsenseins bis hin zur kürzlich erfolgten Pensionierung aufzeigen. Das Vorgehen ist mutig, ist doch dokumentiert, wie belastend, hart und fordernd es zuweilen war, wie unsicher die jeweilige Zukunft aussah. Romy Cash schreibt bewundernswert offen, ehrlich, zuweilen sehr detailliert. Dieses Schildern passt für den Betrachter nur sehr bedingt zu den Bildern. Surrealismus ist als «Kunst- und Literaturrichtung» erklärt, die «das Traumhafte, Unbewusste künstlerisch darstellen will.» Man steht Bildinhalten mit Titeln wie «Atlantis», «Zeit und Bewegung», «Lichtstrahl», «Sternwarte», «Traum» oder «Zauberwald» gegenüber, man erkennt sich fügende Figuren, Konkretes, sich inmitten vieler Farben Verbindendes. Mit den Figuren, Linien und Körpern fügt sich ein Bild, das aus vielen Einzelheiten besteht, dessen Inhalte zu verbinden sind.

Mit dem Innehalten, Suchen und Betrachten wächst zuweilen jenes Verständnis, das zum Deuten und Nachvollziehen bildnerischer Aussagen erforderlich ist. Romi Cash wird Besucher bei diesem Betrachten bereitwillig begleiten, von ihren Intentionen erzählen. Es ist fast eine Parallelwelt, die Begleiterin der Bilder ist. Dieses Deuten basiert auf starken und ehrlichen Aussagen, wie sie im Buch «Kuhreigen» enthalten sind. Mit schonungsloser Offenheit schildert Romi Cash Erlebnisse, wie sie sich vor Jahrzehnten auf zwei glarnerischen Alpen zugetragen haben, wie sie mit ihrem damaligen Mann schuftete, zuweilen ausgenützt wurde, nie und nimmer Erträumtes umsetzen konnte. Ob das nur Scheitern war, müssen Lesende beurteilen. Weshalb derartige Erlebnisse und Erfahrungen auf Alpen im Durnachtal und bei Elm so bereitwillig preisgegeben werden, bleibt als Frage. Romi Cash hat sich zu diesem Vorgehen entschieden, hat dem Aufruf der Edition Unik Folge geleistet. Sie lässt andere an ihrem damaligen Leben teilhaben, ein Leben, das alles andere als einem ruhig dahinplätschernden und munteren Bächlein gleicht. In diesem Bachbett hat es gewaltige Steine, zahllose Untiefen, nicht einsehbare Winkel, breite und eklig schmale Passagen. Romi Cash hat ihr Schildern mit dem zweiten Buch «Im Windschatten meiner Schritte» weitergeführt, hat Illustrationen zu den Texten gefügt.

Wechsel hat es nicht bloss in diesen Geschichten, sondern auch im realen, echten Leben gegeben. Die Abkehr vom Alpleben, die Trennung von ihrem Mann, die Arbeit als Illustratorin, die Ausbildung zur Innenarchitektin, die Arbeiten für das Freilichtmuseum Ballenberg. Es folgten in den Achtzigerjahren die Ausbildungen zur Werklehrerin samt enorm forderndem Absolvieren der Fachklassen in Basel und Zürich. Wirtschaftlich ging es mit der Anstellung an der Kantonsschule Sargans besser, geordneter, planbarer. Romi Cash erzählt so lebhaft von ihrer damaligen Probelektion, von Erlebnissen mit Schülern und Erwachsenen. Sie denkt an ihre Zeit in Diesbach mit vielen Kunstschaffenden zurück.

Wahnsinnig viel hat sich ereignet, ist intensiv gelebte Vergangenheit, ist Hinwendung zum Heute, zu dem Kunst nach wie vor und unabdingbar gehört.