Politik und glarnersteg Schwanden

Dass sich Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten, die bis zur Fusion im Amt waren, einmal pro Jahr zu einer Exkursion samt lebhaftem Gedankenaustausch bei einem Mittagessen irgendwo treffen, ist mittlerweile zu einer geschätzten Tradition gewachsen. Stets organisieren Fridolin Dürst aus Obstalden und Hansruedi Forrer ebenso kreativ wie kompetent. Mit willkommener Regelmässigkeit laden sie die ehemals politisch Tätigen samt Begleitung und aktiv Amtierende immer kurz vor den Sommerferien ein. Bald wird die zehnte Durchführung Tatsache. Rund 30 Interessierte trafen sich beim glarnersteg im Mühleareal Schwanden und folgten den Erläuterungen des Gesamtleiters Franz Horat mit spürbarem Interesse.




Man nahm zur Kenntnis, wie sorgsam betreut wird, wie stark die Belastung fürs Personal zuweilen ist, welche zielführenden und sinnrichtigen Angebote zur Verfügung stehen und genutzt werden, dass Arbeiten für Dritte erledigt werden, wie gross das Interesse am kulinarischen Verwöhnen im betriebseigenen, im obersten Stock des grossflächigen Trakts gelegenen Restaurant ist. Man erfuhr viel, Fragen waren wirklich willkommen und wurden offen beantwortet. Man spürte Herzlichkeit, Anteilnahme, hohe sachliche Kompetenz. Es standen alle Türen der verschiedenen Räumlichkeiten offen, man durfte sich umsehen und wurde von einer Bewohnerin liebenswürdig und bereitwillig ins eigene Zimmer geführt.

Hansruedi Forrer begrüsste und stellte Franz Horat ganz kurz vor. Er war einst Schulkommissionspräsident und damit Forrers Vorgesetzter. Franz Horat sprach zu den zweieinhalb Jahren, während denen man im Mühleareal tätig sei. Man habe eine ideale, ehemalige Fabrikhalle aus der Textilzeit übernehmen und nach sorgfältigem, langem Planen nach den eigenen Vorstellungen und den Intentionen der verantwortlichen Architekten einrichten können. Die bauliche Struktur der ehemaligen Textilbaute wurde zum Teil beibehalten. Viel Wert wurde auf Lärmschutz, Energieversorgung, Wohnlichkeit und Funktionalität gelegt. Die langen Gänge sind ganz leicht geschwungen, es liessen sich an einigen Orten Nischen einrichten. Aufgenommen werden Mitmenschen mit Beeinträchtigungen ab dem 18. Lebensjahr. Einzelne Bewohner, so der Gesamtleiter, seien stolze 80 Jahre alt. Es gebe auch Aussenwohngruppen in Netstal, Glarus, Mitlödi und andernorts. Vier Sechsergruppen wohnen in Schwanden.

Man besuchte, kundig geführt, die Tagesstätten, Therapieräume, den Wohnbereich. Liess sich über Energieversorgung, Abfallbewirtschaftung, Werkstätten und anderes informieren. Man erfuhr, dass 138 Leute fest angestellt seien, wobei die Pensen grösstenteils um 60 Prozent ausmachen. Der glarnersteg bietet somit viele willkommene Arbeits- und Ausbildungsplätze, aktuell für zwölf Lehrlinge, die sich in der Küche und als Fachangestellte Betreuung und Gesundheit und Sozialpädagogen ausbilden lassen.

Franz Horat zeigte auf, welche Arbeiten für Dritte ausgeführt werden. Er ist froh, dass über 20 Industriebetriebe einen Teil ihrer Fertigungsprozesse den Leuten im glarnersteg übertragen.

Man erfuhr, wie gross die Auslagen fürs umfassende Betreuen sind, dass Beschäftigte einen Lohn erhalten, dass Ferienzimmer in ganz kleinem Umfang angeboten sind, wie stark der Fahrdienst beansprucht ist, dass im Restaurant müli mit seinen 80 Plätzen pro Tag zwischen 80 bis 100 Essen abgegeben werden, dass intensiv und in gegenseitig konstruktivem Miteinander gehandelt werden könne.


Die Ausführlichkeit der vielen Hinweise, das klug vorbereitete Konzept für die Besuchenden, die Möglichkeit des umfassenden Einblicks wurde sehr geschätzt, ebenso auch die Hinweise von Victoria Romeo Martin Hefti, Präsidentin glarnersteg.

Dann wurde in den Brauereigasthof Adler gewechselt, wo man kulinarisch bestens verwöhnt wurde und die Zeitspanne für lange Gespräche kaum ausreichte.