Porträt: Coiffeur aus Leidenschaft

Das Haareschneiden sei seine Leidenschaft, sagt Max Brunner. Seit 50 Jahren übt er seinen Traumberuf im eigenen Geschäft in Näfels aus.



Max Brunner ist «leidenschaftlicher Geniesser von allem Schönen». (Bilder: mb)
Max Brunner ist «leidenschaftlicher Geniesser von allem Schönen». (Bilder: mb)

Koch, Florist oder Coiffeur? Diese drei Berufe seien ihm schon früh präsent gewesen, erzählt Max Brunner. Mit sieben Geschwistern auf einem Bauernhof in Kaltbrunn aufgewachsen, habe er schon bald gewusst, dass er nicht Bauer werden wolle. «Der Stall hat gestunken, das Heu gestupft», lacht er.

Als dann ein Sekundarschulkollege erzählte, sein Bruder lerne Coiffeur und das sei super, er mache dies auch, war die Entscheidung gefallen. Der Bruder des bereits verstorbenen Kollegen ist übrigens heute noch «ein feiner Freund und Fachkollege».

Nach wie vor sein Traumberuf

So kam es, dass er seinen Traumberuf während drei Jahren als Herrencoiffeur und während anderthalb Jahren als Damencoiffeur in Rapperswil-Jona erlernte und mit der Supernote 5,8 abschloss. Die Bezeichnung «Traumberuf» stimmt für ihn nach wie vor: «Ich wüsste nicht, was ich lieber täte», sagt der heute 73-Jährige.

Seine erste Arbeitsstelle befand sich in Pontresina «in einem tollen Haute-Coiffure-Geschäft. Wir hatten 30 Plätze auf zwei Etagen.» Interessant ist, wie er dazu kam: Während der Lehre sagte eine Kosmetikerin zu ihm, er müsse in die Welt rausgehen, nach Rom. So schaltete er ein Inserat, «Coiffeurstelle in Rom gesucht». Er bekam tatsächlich zwei Rückmeldungen. Nicht aus Rom allerdings, sondern eine aus dem Tessin und eine eben aus Pontresina.

In der Folge reiste er mit seiner Mutter ins Engadin, um sich vorzustellen. Die Inhaberin des Coiffeursalons sagte, er könne bei ihr nicht viel verdienen, aber viel lernen. «Sie war mein Vorbild. Ihre Kundinnen kamen aus dem ganzen Engadin.» Eine Reise mit ihr nach Paris zu diversen Coiffure-Shows begeisterte ihn vollends. «Da wusste ich: Ich habe den schönsten Beruf, den es gibt.»

50 Lernende ausgebildet

Nach anderthalb Jahren zog es ihn weiter Richtung Zürich, wo er in Zollikon eine «tolle Stelle» hatte. Wieder anderthalb Jahre später erfuhr er, dass in Näfels Coiffeur Fischli an der Bahnhofstrasse einen Nachfolger suchte. Das war sein Schicksal. Während acht Monaten arbeitete er zunächst als Angestellter und übernahm dann die Führung des Salons. Parallel dazu trat er dem Verband Sektion Glarnerland bei.

Damals gab es nicht genügend Geschäfte für die Coiffure-Ausbildung. «Weil meine Praxisjahre noch fehlten, wurde mir ein Gesuch, früher die Meisterprüfung zu machen, bewilligt. Und schon bildete ich die erste von insgesamt 50 Lernenden aus», so Max Brunner. Viele Jahre war er auch Experte für die Lehrabschlussprüfungen.

Auch eine seiner vier Schwestern absolvierte bei ihm die Lehre, eine zweite arbeitete bei ihm.

Vidal Sassoon als Vorbild

Nun steht er seit 50 Jahren in seinem Coiffure Max Geschäft und arbeitet in einem vierköpfigen Team noch 60 bis 70 Prozent. «Es waren erfolgreiche, tolle Jahre», sagt er rückblickend. «Ich bin ein leidenschaftlicher Haareschneider und habe sehr viel Zeit aufgewendet für Schulungen. Hauptsächlich in London bei Vidal Sassoon, dem Meister des Schnitts und Erfinder mit Geometrie. Das wollte ich wissen! Genau lernen, anwenden und weitergeben.» Zu Hause bei ihm liegen fast 40 Diplome.

Viele Jahre war er auch einer Unternehmensberatung angeschlossen und traf sich monatlich mit den Besten des Fachs. Dies war für ihn Ansporn, noch besser zu werden und das höchste Niveau bei der Haar- und Kundenpflege zu erreichen.

Erinnert er sich an ein prägendes Ereignis in den 50 Jahren? «Eine Kundin wurde ohnmächtig mit Farbe auf dem Kopf», erzählt er. Da er ihren Arzt kannte, telefonierte er dem Mediziner. Dieser kam sofort in den Salon und wies die Kundin ins Spital ein. «Es brauchte viel Frotteewäsche wegen der Farbe. Sie musste eine Nacht im Spital bleiben, und so lange blieb die Farbe drauf …»

Warmes Ambiente

Wie hat sich sein Traumberuf verändert? «Die Anzahl der Lernenden geht markant zurück: Schlossen im Jahr 2000 noch zwölf bis 16 ab, sind es aktuell noch vier im ganzen Kanton. Das ist erschreckend», sagt Max Brunner. Am Anfang seiner Geschäftstätigkeit gab es zudem keine Computer, da wurden die Kundeninfos von Hand auf Karteikärtchen geschrieben.

Natürlich hat er den Salon in Näfels einige Male umgestaltet. Letztmals 2010, als er getreu dem Motto «reinkommen, wohlfühlen, geniessen» ein warmes Ambiente mit goldverzierter Terrakotta-Farbe schuf. «Es gibt heute noch Kundinnen und Kunden, welche die schöne Atmosphäre loben.»

Das Motto «Geniessen» passt sehr gut zu unserem Gesprächspartner. Er bezeichnet sich selber nämlich als «leidenschaftlichen Geniesser von allem Schönen». Dazu gehören Essen, Trinken und schön Wohnen in seinem Haus in Näfels, wo er selber gerne und gut Gäste bekocht. Hier erholt er sich von der Arbeit – wie seit Erreichen des Pensionsalters auch in vermehrten Ferien mal da, mal dort. «Ich bin än zfridne Mänsch», lautet sein Fazit. Schön, wenn man das so sagen kann.