Porträt: Den Humor nie verlieren

Ruedi Umberg aus Glarus ist Treuhänder und beschäftigt sich lieber mit den positiven Seiten des Lebens, als Trübsal zu blasen.



Ruedi Umberg geht gerne weg, kommt aber immer wieder sehr gerne nach Hause. (Bilder: Madeleine Kuhn-Baer)
Ruedi Umberg geht gerne weg, kommt aber immer wieder sehr gerne nach Hause. (Bilder: Madeleine Kuhn-Baer)

Er sei etwas verblüfft gewesen über die Anfrage, meint Ruedi Umberg: «Ich hätte mich eigentlich nicht für so wichtig oder spannend gehalten, als dass man über mich ein Porträt machen müsste.» Er stelle sich ungern in den Mittelpunkt, sei aber immer offen, neue Wege zu gehen und neue Erfahrungen zu machen. «Darum habe ich mich dann wohl auch entschieden, dass ich gerne beim Porträt mitmache.»

Wie richtig dieser Entscheid gewesen ist, zeigt sich beim Treffen in den Büroräumlichkeiten der Umberg Treuhand AG in Glarus. Ruedi Umberg erweist sich nämlich als interessanter Gesprächspartner, der ruhig und besonnen aus seinem Leben erzählt.

Grossunternehmen oder Treuhand?

Aufgewachsen ist der heute 42-Jährige mit drei jüngeren Brüdern in Glarus. Nach der Matura und einigen Praktika absolvierte er an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur ein Studium als Betriebsökonom. Der Einstieg in die Arbeitswelt führte ihn ins Controlling und die Finanzen. Rund acht Jahre arbeitete er dann in der produzierenden Industrie und bildete sich nebenbei zum dipl. Experten in Rechnungslegung und Controlling weiter.

«Nach der Weiterbildung kam irgendwann der Punkt, an dem ich mich entscheiden musste, in welche Richtung meine berufliche Zukunft gehen sollte. Entweder weiter in Grossunternehmen weiterarbeiten oder eine andere Richtung einschlagen. Treuhand war natürlich immer eine Option – aber nie ein Muss», so Ruedi Umberg. Schliesslich entschied er sich, ins Treuhandunternehmen seines Vaters einzusteigen. Nach einigen Jahren übernahm er dieses zusammen mit seinem Bruder Curdin.

Weshalb hat er sich so entschieden? «Durch die Tätigkeit meines Vaters war ich natürlich nah dran. Auf den ersten Blick geht’s um Steuererklärungen ausfüllen und Buchhaltungen abtippen. Dafür hätte ich mich wohl zu wenig interessieren können. Erst als ich gemerkt habe, dass der Beruf viel mehr bedeutet als nur Zahlen von links nach rechts zu schieben, konnte ich mich dafür begeistern.» Heute ist er froh über seinen Entscheid: «Hinter allen Zahlen stehen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und mit unterschiedlichen Zielen. Es ist spannend, diese Reise zu begleiten.»

Wurzeln und Freunde in Glarus

Glarus hat er nie verlassen. «Das war immer mein Lebensmittelpunkt. Ich gehe gerne weg, komme aber auch immer wieder sehr gerne nach Hause. Hier sind meine Wurzeln und meine Freunde», bekennt er. Und so gestaltet sich auch seine Freizeit: «Ich teile diese gerne mit Menschen, die ich mag. Sei dies beim Skifahren oder auf dem E-Bike.»

Früher spielte er aktiv Handball. Das wirkt immer noch nach: «Der Dienstagabend ist reserviert für das Handball-Training. Wobei unsere Seniorenmannschaft seit Jahren keinen Handball in die Finger mehr genommen hat. Wir sind da eher polysportiv, und das gemütliche Zusammensitzen beim Nachtessen nach dem Training darf auch nicht zu kurz kommen.» Heute gehe es mehr um die Gemeinschaft, meint er lachend.

Auch wenn er gerne mal alleine aufs Bike steige, sei er doch eher der Gruppensportler oder Vereinsmensch: «Da kommt es nicht drauf an, woher jemand kommt oder was er macht.»

Er sagt, er sei grundsätzlich «ein geselliger Mensch, der eigentlich mit vielen Leuten gut auskommt. Wen ich nicht mag, den meide ich, wenn es geht. Die offene Konfrontation brauche ich nicht – wieso aufregen, wenn es nicht wichtig ist. Ich beschäftige mich lieber mit den positiven Seiten des Lebens, als Trübsal zu blasen oder der Vergangenheit nachzuweinen. Was man nicht ändern kann, muss man akzeptieren und weitergehen.» Er besitzt eine positive Grundeinstellung und schaut generell gerne nach vorne. Humor ist ihm wichtig – «den sollte man nie verlieren», betont er.

Verwaltungsratspräsident der Raststätte Glarnerland AG

Als Nachfolger seines Vaters ist Ruedi Umberg auch Verwaltungsratspräsident der Raststätte Glarnerland AG. Dies ist geschäftlich bedingt: Das Präsidium wurde schon bei seinen Vorgängern durch das Treuhandbüro besetzt. «Somit war das zwar ein sachlogisches Nachrücken, aber keinesfalls ein Geburtsrecht.» Das Präsidium dürfe auch nicht überbewertet werden – es gäbe viele helfende Hände im Hintergrund.

Er habe das Amt gerne übernommen, weil ihn mit der Raststätte vor allem Kindheitserinnerungen verbänden: «Da war es ein Highlight, wenn man am Sonntag einen Ausflug ins Marché gemacht hat. Ich finde das spannend, dass man – zumindest in meiner Generation – die Raststätte nicht als solche, sondern eher als Ausflugsziel gesehen hat.»

Die Raststätte Glarnerland AG an sich sei im Grunde nichts Spannendes. «Eine Gesellschaft, die ein Stück Land im Baurecht hat, darauf ein Gebäude erstellt hat und Mieten erzielt. Es ist eine reine Immobiliengesellschaft, ohne einen einzigen festen Arbeitnehmer.» Was sie spannend mache, sei das Zusammenspiel mit den verschiedenen Partnern. «Diese geben der Raststätte auch das Gesicht, das wir wahrnehmen.» Und was oft unterschätzt werde: «Es arbeiten rund 120 Personen in den verschiedenen Betrieben auf der Raststätte, wobei der überwiegende Anteil aus dem Kanton Glarus kommt.»

Für Tiefgarage unter dem Zaunplatz

Zudem engagiert sich unser Gesprächspartner für die Tiefgarage unter dem Zaunplatz in Glarus. Da sei er eher zufällig reingerutscht und dann hängen geblieben. «Was aber nicht negativ verstanden werden darf», wie er betont: «Das Vorhaben hat mich begeistert. Dass wir die Landsgemeinde auf einem Parkplatz abhalten, finde ich eigentlich etwas entwürdigend. Für mich ist die Tiefgarage unter dem Zaunplatz ein Generationenprojekt. Eine Investition in die Zukunft mit dem klaren Fokus, Glarus attraktiver zu gestalten. Einen Platz zu schaffen, an dem sich Menschen begegnen können – die Landsgemeinde macht uns das ja vor. Kein Kunstwerk, etwas Lebendiges und Attraktives. Dass man damit auch gleich eine Tiefgarage verbinden kann, ist doch toll.» Er wünschte sich hier etwas mehr Mut und Kreativität, etwas mehr Weitsicht und den Willen, etwas Tolles der nächsten Generation übergeben zu können.

Erholung pur in den Ennetbergen

Letzte, schon fast obligate Frage: Wo erholt er sich? «Am allerliebsten fahre ich nach der Arbeit mit dem E-Bike in die Ennetberge, trinke bei der Bäsäbeiz beim Alpenblick ein Bier und schaue der Sonne beim Untergehen im Klöntal zu. Mit jedem Höhenmeter entfernen sich die Gedanken mehr vom Büro – oben angekommen sind sie ganz weg. Das Handy schaltet die E-Mail-Benachrichtigungen ab, und ich bin im Feierabend angekommen. Das ist Erholung pur.»