Porträt: Ein Stück heile Welt

Jakob Kamm hat als OK-Präsident mit seinem Team das ESAF 2025 Glarnerland+ sehr erfolgreich durchgeführt. Im Porträt erzählt er aus seinem Leben.



Porträt: Ein Stück heile Welt

Gut gelaunt erscheint Jakob Kamm im dunkelblauen Polo-Shirt zum Interviewtermin. Schaut man genau hin, erkennt man Schwingerfiguren und das Logo des ESAF 2025. Obwohl der erfolgreiche Grossanlass ein Jahr zurückliegt, lässt er den OK-Präsidenten aus Netstal nicht los. Im Gegenteil.

Geerdet und bodenständig

Seine Kindheit verbrachte der heute 57-Jährige mehrheitlich in Obstalden auf einem Bergbauernbetrieb. Dies habe sein Leben geprägt, erzählt er: «Ich bin geerdet und bodenständig aufgewachsen und habe gelernt, was Schaffen heisst.» Er habe zum Beispiel zuerst die Kühe gemolken, ehe er die Schulaufgaben erledigte. Zudem brachte er eine gewisse Schnelligkeit in den Landwirtschaftsbetrieb rein – «was nicht immer gut ankam», wie er schmunzelnd verrät.

Nach der Schulzeit absolvierte er eine Käserlehre in Ernetschwil und Benken samt anschliessender Meisterprüfung. Es folgten verschiedene Jobs in verschiedenen Branchen. Zunächst in kleinen Käsereien, dann als Betriebsleiter der Toni AG in Glarus und schliesslich als Leiter Bündner Bergkäse von Emmi in Landquart. Hinzu kamen berufsbegleitende betriebswirtschaftliche Ausbildungen.

2006 wurde er zum Geschäftsleiter der lintharena gewählt. «Für mich nach gut 20 Jahren in der Landwirtschaft eine neue, vor allem sehr interessante berufliche Herausforderung», sagt er. Sieben Jahre war er dort tätig, dann kam «mehr oder weniger zufällig die Anfrage von Martin Reithebuch, ob ich bereit wäre, einen Job in seiner erfolgreichen Unternehmung Service 7000 anzutreten. Ich sagte Ja.» Es habe ihn gereizt, einmal in einem KMU zu arbeiten. Zudem sei es der richtige Zeitpunkt für eine Veränderung gewesen, meint er rückblickend. Heute noch arbeitet er mit 80 Stellenprozenten in Netstal als Leiter Objektgeschäft.

Vielfältig engagiert

Das ist die berufliche Seite von Jakob Kamm. Privat ist er verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Zudem hat er immer wieder diverse Engagements übernommen. So war er Verwaltungsratspräsident der Sportbahnen Kerenzerberg AG und einer Logistikfirma sowie Präsident des Bobclubs Zürichsee.

Aktuell ist er immer noch Präsident des Vereins OK ESAF. «Der Verein wird noch rund zehn Jahre bestehen, wir haben da noch Verpflichtungen», erklärt er. So will er zum Beispiel mit dem gesamten 189-köpfigen OK und den Ehrendamen die Fahne 2028 nach Thun bringen, wo das nächste Eidgenössische Schwing- und Älplerfest stattfinden wird. Aber auch andere Anlässe sind noch geplant.

Zudem ist er Präsident der neu gegründeten ESAF-Stiftung sowie Vizepräsident des Vereins Freunde ESAF 2040 Zürich. Wie kam es dazu? «Dies ist ein Ergebnis meines Netzwerkes und einer entsprechenden Anfrage für die Mithilfe. Grundsätzlich bin ich ein grosser Fan von diesem fantastischen Event. Wenn ich den Zürchern mit meinem Know-how helfen kann, dann tue ich das sehr gerne.»

Der Mega-Event vom vergangenen Jahr lässt ihn also nicht los. War er ein Höhepunkt in seinem bisherigen Leben? «Er ist mit fast nichts zu vergleichen. Wenn ich die privaten Ereignisse in meinem Leben nicht in diese Beurteilung miteinbeziehe, dann ist der Stellenwert des OK-Präsidiums des ESAF und die Umsetzung dieses einmaligen Events mit dem ganzen Team sehr hoch einzustufen. Einfach perfekt. OK-Präsident eines solchen Anlasses zu sein, ist ein Privileg und erfüllt mich mit Stolz. Ich habe viel gelernt und bin auch demütiger geworden.»

Er hat als Jugendlicher übrigens selber geschwungen – «wenn auch auf sportlich niedrigem Niveau. Ich war ein erfolgloser Schwinger, aber ein erfolgreicher Funktionär», kommentiert er lachend.

Musik als wichtiger Teil seines Lebens

Aufgehört hat er, weil er sich entscheiden musste: Aktivschwingen oder Musik. Letzteres überwog und wurde zu einem anderen, wichtigen Teil seines Lebens. Denn Jakob Kamm ist auch ein begnadeter Akkordeonist, spielt bei der legendären Kapelle Echo vom Tödi und komponiert selber immer noch Stücke. «Zwar nicht mehr viel», räumt er ein. Zuletzt habe er den «ESAF-Fox» geschrieben.

Akkordeon spiele er «noch ein bisschen. Natürlich nicht mehr auf dem Niveau von früher und meistens im Privaten.» Die Auftritte mit dem Echo vom Tödi beschränkten sich auf vier bis fünf spezielle Auftritte im Jahr. «Das heisst dann jedes Mal wieder üben, üben, üben.»

Eher überraschend ist das nächste Bekenntnis: «Ich spiele auch in einer Rock- und Pop-Band. Akkordeon, E-Bass und Gesang.» Dies hat einen familiären Hintergrund: Er spielt zusammen mit seinen zwei Söhnen. «Es macht riesig Spass. Wir haben es im Übungsraum jeden Montagabend gemütlich und lustig. Das ist auch das Ziel», so unser Gesprächspartner. Dabei könne er sich total erholen: «Zwei Stunden nur Musik, sonst nichts.» Ansonsten erhole er sich «einfach zu Hause» von seinen vielfältigen Tätigkeiten. Und: «Ich jasse gerne, bin gerne in der Natur, verbringe Zeit auf dem E-Bike und musiziere sehr gerne.»

Liebt das Glarnerland

Wie würde er sich selber beschreiben? «Ich bin ein eher impulsiver Mensch, der durch die direkte Kommunikation nicht immer auf sofortige Gegenliebe stösst. Ich bezeichne mich gern als Glarner. Ob allerdings der typische Glarner oder die typische Glarnerin wirklich so ist wie ich, weiss ich nicht genau.» Ihn freue insbesondere das allgemeine Leben: «Sind wir doch alle privilegiert, die in so einem Tal leben dürfen.»

Ärgern könne er sich insbesondere dann, «wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe. Oder wenn ewige Diskussionen entstehen, die im Nachhinein sinnlos waren. Im Alter spüre ich aber, dass ich mindestens ein bisschen gelassener werde.»

Als Schwingerwerte gelten zum Beispiel Bodenständigkeit, Leidenschaft, Respekt, Kameradschaft, Verbundenheit. Zeichnen diese Werte auch ihn aus? «Ich denke, dass viele Menschen diese Frage mit Ja beantworten würden. Deshalb auch von mir ein Ja», sagt Jakob Kamm und ergänzt die Aufzählung noch mit Verlässlichkeit und Zielstrebigkeit.

In einem Interview sagte er einmal, dass er das Glarnerland liebe. Was heisst das? «Ja, das ist tatsächlich so. Ich schätze es sehr, hier im Glarnerland leben zu dürfen. Ich reiste mit der Kapelle Echo vom Tödi durch die Welt und habe als Musiker viel gesehen, auch hinter den Kulissen. Der Flecken auf der Erde, auf dem ich aufgewachsen bin, ist aber der Schönste. Wir haben alles, um das Leben zu geniessen. Für mich ist das Glarnerland noch irgendwie ein Stück heile Welt.»