Porträt: Freiheit pur

Für Monja Bowald aus Glarus ist Eiskunstlauf Leidenschaft und Freiheit pur. Im Juli wurde sie Erste an einem weltweiten Wettkampf.



Monja Bowald aus Glarus ist fasziniert vom Eiskunstlauf. (Bilder: Madeleine Kuhn-Baer/zVg)
Monja Bowald aus Glarus ist fasziniert vom Eiskunstlauf. (Bilder: Madeleine Kuhn-Baer/zVg)

Sie sei ehrgeizig, humorvoll, ein Wirbelwind und totaler Bewegungsmensch, antwortet Monja Bowald auf die Frage, wie sie sich selber beschreiben würde. Zudem stelle sie hohe Ansprüche an sich selber. Dass sich diese Haltung auszahlt, zeigt der «International Adult Figure Skating Competition» vom Sommer in Oberstdorf Deutschland. An diesem weltgrössten internationalen Anlass wurde sie Erste in ihrer Kategorie. Am Event laufen 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer; sie hatte 17 Mitstreiterinnen.

«Mit diesem Resultat habe ich gar nicht gerechnet. Ich startete als erste Läuferin. Als die Rangliste auf dem App kam und ich Erste war, dachte ich, ich hätte statt der Rangliste die Startliste offen», lacht sie. Gehofft habe sie schon, einen Podestplatz zu erreichen. «Aber auf Platz eins stehen zu dürfen, war ein Traum, der mit sehr viel Disziplin und Engagement in Erfüllung ging. Auch die Tagesform stimmte, was nicht zu unterschätzen ist. Es war die Belohnung für hartes Training und Schweiss.»

 

Herz gebrochen

Die 40-jährige Stadtglarnerin war schon als Kind fasziniert vom Eiskunstlauf. Sie hatte das Eisfeld im Buchholz ja auch direkt vor dem Haus. «Das war eine schöne Einladung», meint sie. Während der Konditor-Confiseur-Lehre in der Bäckerei Staub in Netstal war ein Training aus zeitlichen Gründen jedoch nicht mehr möglich. «Das hat weh getan und mir das Herz gebrochen.» Nach der Lehre war sie im Gastgewerbe tätig; heute arbeitet sie als Fachspezialistin Backoffice bei Service 7000 in Netstal.

Sie stand nicht mehr auf dem Eis, bis sie rund 20 Jahre später die alten Schlittschuhe wieder anlachten. Dann kam Corona. «Es war extrem mühsam. Wir hatten eingezeichnete Plätze in der Garderobe und mussten mit Maske trainieren. Aber ich liess mich nicht bremsen. Ich wusste, dass ich, wenn ich wieder anfange, auch wieder Wettkämpfe laufen wollte. Denn es ist nichts für mich, ziellos auf etwas zu trainieren respektive hinzuarbeiten.»

So kam sie in den ISCB Ice Sport Club Bäretswil, wieder zu ihrem früheren Trainer beim Glarner Eislaufclub. Dort fand sie das ganze Jahr über Eis in der Halle vor. «Spiegelglatt. Ein Riesenunterschied zu Glarus, wo das Eisfeld noch nicht überdacht war. Ich trainierte vorher bei Wind und Wetter draussen, egal wieviel Wasser auf dem Eis lag. Eigentlich war das auch eine coole Zeit», sagt sie. Als ihr Trainer meinte, sie könne besser werden als zuvor, war das eine Riesenmotivation für sie. «Let’s go!», lacht sie. Dabei ist ihr bewusst, dass sie ohne ihre Trainer, «die mehr an mich geglaubt haben als ich selber, nicht da stehen würde, wo ich bin».

 

Hartes Training

Heute trainiert sie vor allem in Chur und Bäretswil. Wo und wieviel, ist sehr unterschiedlich: «Ich höre viel auf meinen Körper und muss beachten, dass ich genug regenerieren kann – im Alter nochmals anders als früher. Grundsätzlich sind es zirka fünf Trainings pro Woche, gemischt mit Eistraining, Krafttraining und spezifischem Off-Ice-Training. Auch kommt es darauf an, ob ich mich gerade in der Wettkampfsaison befinde oder ausser Saison. Ich trainiere aber Sommer wie Winter auf dem Eis.»

Da sie beruflich zu hundert Prozent arbeitet, heisst das zum Beispiel am Sonntag um 5 Uhr früh aufstehen, damit sie um 8 Uhr in Chur auf dem Eis trainieren kann! «Dazu habe ich nicht immer Lust. Aber wenn ich meine Ziele, meine Vision, meine Träume verwirklichen will, gehört es dazu. Ich muss die Komfortzone verlassen.» Auch mit ihrem konsequenten Fitnesstraining nach der Arbeit gibt es lange Tage.

 

Wie in einer Familie

Sehr dankbar ist sie «für die neuen Freundschaften, die entstanden sind in der Eislauffamilie. Auch der Rückhalt und die Unterstützung jedes einzelnen bedeutet mir sehr viel. Es ist ein Zusammenhalt wie in einer Familie. Es läuft ja nicht immer rund. Da braucht es Leute, die bei Selbstzweifeln sagen: Du schaffst das.»

Wie sie von ihrem Sieg in Deutschland erzählt, als alle hinter ihr standen und auf das Ergebnis warteten, bekommt sie Tränen. «Das war so emotional», sagt sie. Auch ihr Partner war mit dabei. «Er ist meine mentale Unterstützung und hat viel Verständnis, dass ich oft nicht zu Hause bin. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.»

Aktuell bestreitet sie drei bis vier Wettkämpfe pro Saison. Im Breitensport. Dabei heisst es: Neue Saison, neue Show. «Und neues Röcklein», ergänzt sie. «Ich will alles so professionell wie möglich machen. Das ist mir wichtig. Ich will ja weiterkommen.»

Eiskunstlauf sei wie eine Lebensschule: «Umfallen, aufstehen, Krönlein richten, weiterfahren.» Sie ist begeistert von diesem Sport, der für sie Leidenschaft, Passion und Freiheit pur bedeutet. «Er fasziniert mich, weil er so viel beinhaltet. Es ist pure Eleganz mit wahnsinnig viel Power. Es ist eine Sportart, die sehr fit hält, Koordination, Beweglichkeit, Ausdruck, Kondition, musikalisch sich bewegen, Kraft und Stabilität.»

Welches sind ihre nächsten Ziele? «Ich möchte weiterhin nationale und internationale Wettkämpfe bestreiten. Mich weiter fordern mit neuen Sachen. Ein Ziel sind auch die Winter World Master Games in Finnland im Jahr 2028.» Ausserdem wünsche sie sich sehr, dass sie bis 70+ noch eislaufen dürfe, und zwar unfallfrei. Dazu drücken wir ihr fest die Daumen!