Es ist heiss, sehr heiss bei unserem Treffen im Buchholz Glarus. Die Hitze macht der 15-jährigen Soraya Matos aber nichts aus – ebenso wenig Kälte und Regen oder Schnee, wenn sie auch im Winter draussen trainiert. Sie dribbelt auf dem Rasen und jongliert gekonnt den Fussball auf Kopf und Gesicht.
«Soraya hat schon sehr früh eine hohe Ballaffinität gezeigt», sagt ihre Mutter lachend. Seit sie laufen könne, sei alles rund um den Ball ihr Hobby, bestätigt die 15-jährige Nidfurnerin: «Überall, wo es einen Ball gab, kickte ich und fand durch meine Schnelligkeit und gute Technik immer einen spannenden Zugang zu den verschiedenen Menschen.»
Zunächst in Jungenmannschaften
Geboren wurde sie am 1. April 2011, zwei Minuten vor ihrer Zwillingsschwester Désirée. Deren Hobby sei aber nicht Fussball, sondern Reiten, schmunzelt Soraya Matos.
Ihre Begeisterung für die Ballsportart hat sie wohl geerbt: Ihr Vater war schon Fussballspieler, ebenso ihr Grossvater in Spanien. Sie selber begann bereits im Alter von fünf Jahren, beim FC Schwanden zu spielen. In einer reinen Jungenmannschaft – was für sie kein Problem war: «Meine Mitspieler haben mich gut aufgenommen.»
Durch die vielen Matches lernte sie schnell viele Gegenspieler und Trainer kennen. Der Schritt zum FC Glarus – wieder in eine reine Jungenmannschaft – war dann für sie logisch und diente ihrer Weiterentwicklung und Weiterreise im Fussball. «Ein Trainer von mir, Mehmet Kurtishaj, unterstützte und stärkte mich in der reinen Jungenmannschaft, mittlerweile war ich zehn Jahre alt», erzählt sie. Er meldete sie für die Sichtung beim FC Rapperswil-Jona an, und dazu konnte sie beim TGL (Team Glarnerland) mitspielen. Die Sichtung war erfolgreich, und so spielte sie mit elf Jahren bei der Footeco, wiederum mehrheitlich mit Jungs.
Nach einem Jahr und der Einzel-Kabine als Mädchen entschied sie sich, beim FCRJ zu den Frauen U14 zu wechseln. «Eine interessante Erfahrung, erstmals in einer reinen Frauenmannschaft», meint sie. Während dieser Zeit durfte sie auch «die Herausforderung und Chance annehmen, gegen Teams aus Dänemark, den Färörer Inseln, Schweden und Norwegen zu spielen». Weitere Highlights waren Matches in Deutschland und Österreich.
Dank der Swiss Olympic-Talentkarte und der Kaderzugehörigkeit konnte sie dann an die Sportschule Glarnerland wechseln. Nach den Sommerferien besucht sie dort die 3. Sekundarschulklasse. «Die Sportschule bietet mir viel Freiraum und Unterstützung, dass ich in der Schule vorankomme und meine Trainings unter einen Hut bringe», betont sie.
«Unbeschreibliches Kribbeln»
Nach wie vor ist sie begeistert vom Fussballsport. Vor allem gefalle ihr, dass sie körperlich und geistig in Bewegung sei, immer wieder neue Menschen kennenlernen und Erfahrungen machen könne. «Und dieses Kribbeln, das ich verspüre, wenn ich auf dem Platz stehe, ist unbeschreiblich. Ich lerne, mit Niederlagen und Verletzungen umzugehen, klar zu kommunizieren und mich zu fokussieren. Ich kann aber auch ganz gross mit Mädels feiern und schöne Freundschaften erleben.»
Aktuell belegt sie in der Schweiz Platz vier der Torschützenliste. Wie erklärt sie sich diesen Erfolg? «Es liegt wohl daran, dass ich das tue, was ich am liebsten mache. Ich kicke, und es beflügelt mich für neue Wege und Ideen. Es beinhaltet Kraft, Kreativität, persönlichen Erfolg und Wachstum.»
Der Preis dafür ist allerdings eiserne Disziplin und ein hohes Mass an Eigenmotivation: «Im Winter draussen zu trainieren oder bei starkem Regen anderthalb Stunden durchzubeissen, braucht manchmal ganz viel Kopf- und Willensarbeit. Dazu kommt die Reisezeit. Und trotzdem: Am Ende sehe ich immer die überwiegenden Momente von Sonnenschein, neuen Fussballplätzen, neuen Orten, oft begleitet von meiner Familie und engen Freunden.»
Will gefordert werden
Mitte Juni hat sie zu Future Champs Ostschweiz in St. Gallen in die U16-Frauenmannschaft gewechselt. Für sie «eine interessante Chance, da ich dort vermehrt auf Widerstand stossen und mich weiter entwickeln kann». Im Probetraining in St. Gallen habe sie bemerkt, dass die Abläufe und Wendigkeit der Mitspielerinnen schneller und impulsiver seien als beim FCRJ. Darauf freue sie sich sehr.
Drei Mal pro Woche trainiert sie nun in St. Gallen, und am Wochenende stehen Matches an. Aber auch das macht ihr nichts aus: «Ich will gefordert werden», sagt sie. Aktuell befindet sie sich in den Sommerferien in Galizien – samt Trainingsplan von St. Gallen notabene.
Hat sie mal etwas freie Zeit, verbringt sie diese im familiären Umfeld und einer Handvoll echten Freunden. «Sie unterstützen mich in einem grossen Masse und stärken mich für das Leben. Sie geben mir in ständigem Wandel Beständigkeit», meint sie schon fast philosophisch.
Was sind ihre nächsten Ziele? «Ich möchte eine Ausbildung beginnen, welche mir Freude bereitet und bei der ich meine Stärken oder Gaben gezielt einsetzen kann. Parallel dazu arbeite ich daran, um vielleicht in Zukunft in der Schweizer Nati zu spielen. Aber eines nach dem anderen, denn das Wichtigste ist, dass ich gesund bleibe, glücklich und zufrieden mit mir bin und mir bewusst ist, welch privilegiertes Leben ich habe.»






