Es ist ein heisser Sommertag. Im Buchholz Glarus flimmert die Luft wegen der Hitze. Früher war dies der Trainingsort von Liana Trümpi, heute hat er sich nach Zürich verlagert. Nach unserem Gespräch fährt sie denn auch in die Limmatstadt, um nachmittags zu trainieren. Trotz Hitze? «Man lernt, damit umzugehen. Wir trainieren ja bei jedem Wetter», sagt die 21-jährige Leichtathletin lachend.
Training, Studium, Nebenjob
Liana Trümpi weilt am Wochenende in Glarus, wo sie aufgewachsen ist und die Matura absolviert hat. Unter der Woche wohnt sie in Zürich; sie hat seit diesem Sommer ein Zimmer in einer WG in Oerlikon, zusammen mit ihrer Trainingskollegin Catia Gubelmann. Dennoch muss sie regelmässig pendeln: Seit September 2024 studiert sie an der Ostschweizer Fachhochschule in St. Gallen Management und Recht im Teilzeitmodell. Heisst: Vor Ort ist sie nur am Montag und Dienstag. Aber das drei- bis vierstündige Training in Zürich findet auch an diesen zwei Tagen statt. Ganz schön stressig!
Kein Wunder also, dass sie bei der Frage nach Hobbies stutzt. Schliesslich sagt sie: «Leichtathletik. Das ist Hobby und Beruf für mich.» Viel Zeit bleibt tatsächlich nicht mehr neben Training und Studium. Trotzdem arbeitet sie in einem kleinen Pensum noch bei der Trümpi AG in Mitlödi. «Das ist für mich ein toller Ausgleich», meint die Glarnerin.
Nie langweilig
Zur Leichtathletik kam sie durch ihren jüngeren Bruder Curdin. «Er hatte am UBS Kids Cup teilgenommen, und dies wollte ich auch tun», erzählt sie. Bei der ersten Teilnahme war sie 13-jährig. Zwei Jahre später trat sie dem LAV Glarus bei und begann dort mit einem Training pro Woche. Der 16 Monate jüngere Curdin und dessen Zwillingsbruder Laurin haben sich dann übrigens nicht wie sie der Leichtathletik, sondern dem Unihockey verschrieben.
Wie kam sie zum Siebenkampf, der Königsdisziplin? «Grundsätzlich beginnt man in der Leichtathletik immer mit Mehrkampf», erklärt sie. Ihr Vater Simon Trümpi, früher selber Zehnkämpfer, ermunterte sie, es doch mal zu probieren. «So bin ich reingerutscht und nicht mehr weggekommen.»
Am besten gefällt ihr die Vielseitigkeit: «Es ist ein toller Mix aus Sprint, Sprung, Wurf und Läufen. Die Kombination aus Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer und Technik fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Das Training ist sehr abwechslungsreich und wird nie langweilig. Es gibt immer Dinge zu verbessern, und wenn es mal in einer Disziplin nicht läuft, hat man noch sechs andere.»
Hervorragende Resultate
Aktuell ist Liana Trümpi sensationelle Schweizer Meisterin im Siebenkampf und hat an der U23-EM in Norwegen den 5. Platz erreicht, nur 230 Punkte hinter Bronze. Hat sie mit diesen hervorragenden Resultaten gerechnet? «Ich wusste, dass ich über den Winter viel Neues gelernt und vielversprechende Fortschritte gemacht hatte. Aber dass das Ganze so enden würde, damit habe ich nicht gerechnet. Der Schweizermeistertitel mit 6071 Punkten und der 5. Rang an den Europameisterschaften waren eindeutig zwei sehr grosse Highlights für mich. Ich denke, rechnen kann man nie damit. Man hofft natürlich auf die besten Resultate, die in einem stecken. Doch es ist Mehrkampf. Da läuft selten alles nach Plan.»
Drei Qualitäten zeichnen Liana Trümpi aus: Sie ist schnell, sprungkräftig und adaptiert Bewegungsabläufe im Nu. Früher wurde sie von ihrem Vater und dem ehemaligen Zehnkampf-Nationaltrainer Markus Bucher gefördert. Vor einem Jahr wechselte sie zu Manuel Evangelista, in dessen Trainingsgruppe am Nationalen Leistungszentrum Zürich sie an sechs Tagen pro Woche trainiert. In der reinen Frauengruppe fühlt sie sich wohl. Und wie gut sie auf das andere Trainingskonzept, die Umstellungen und die anderen Reize angesprochen hat, zeigen ihre hervorragenden Resultate.
Nun stehen die Elite-Schweizermeisterschaften in Frauenfeld an. Ihr Ziel: «Nochmals ein paar solide Resultate abliefern. Ohne Druck, einfach noch zum Spass.» Im Oktober, nach einer kurzen Pause, geht es in den Winteraufbau. Ziel in der kalten Jahreszeit ist dann ein Start am X-Athletics in Aubière im Hallen-Fünfkampf. Und in der Outdoor-Saison will sie natürlich auf den 6071 Punkten aufbauen.
Wir wünschen ihr weiterhin viel Erfolg!







