Porträt: Mit viel Freude und Herz

Kreiskommandant Walter Rhyner aus Elm kann sich an keinen Tag erinnern, an dem er nicht gerne nach Glarus zur Arbeit gefahren ist. Ende 2025 wird er nach 44 Jahren beim Kanton pensioniert.



Für Walter Rhyner war die Tätigkeit als Kreiskommandant nicht einfach ein Beruf, sondern auch eine Berufung. (Bilder: mb)
Für Walter Rhyner war die Tätigkeit als Kreiskommandant nicht einfach ein Beruf, sondern auch eine Berufung. (Bilder: mb)

Wir treffen einander im Zeughaus in Glarus, seit 2006 Arbeitsplatz von Walter Rhyner. Speziell ist nicht nur das historische Gebäude mit den alten Gemälden, sondern auch die persönliche Begrüssung auf der Eingangstafel. Da fühlt man sich gleich willkommen.
Das Büro des Kreiskommandanten befindet sich im obersten Stockwerk. Hier beantwortet der Elmer bereitwillig die Fragen. Ruhig und zuvorkommend, ganz seiner Persönlichkeit entsprechend.

Seit 1982 beim Kanton angestellt

Walter Rhyner ist im Dezember 1960 geboren und in Elm als Ältester von drei Geschwistern aufgewachsen. Heute noch lebt er als Single in der hintersten Sernftaler Gemeinde, wo er ein Haus gekauft hat. Seine Mutter wohnt im alten Teil, er im Anbau. «Ich fühle mich einfach wohl hier. Man kennt einander, und die Gegend ist auch sehr schön», sagt er.
Nach dem Besuch der Primarschule in Elm und der Sekundarschule in Matt absolvierte er eine KV-Lehre bei der Brauerei Erlen in Glarus. 1980 folgte die Rekrutenschule, die ihm «recht gut» gefallen hat: «Als ‚Bürolist‘ war ich viel im Kompaniebüro eingesetzt. Der damalige Instruktionsoffizier Fritz Stüssi motivierte mich zum Weitermachen Richtung Fourier und Quartiermeister. Wer hätte damals gedacht, dass Fritz Stüssi – mein grosses Vorbild – Jahrzehnte später mein Vorgänger als Kreiskommandant würde?»
Die Brauerei Erlen unterstützte seine militärische Weiterbildung und bot ihm nach der Lehre eine Festanstellung an. Doch es kam anders: «Mitten während des Abverdienens rief mich der Direktor der Brauerei Erlen, Ernst Jakober – der Vater des damaligen Kreiskommandanten mit gleichem Namen –, an und teilte mir mit, dass die Glarner Traditionsbrauerei an eine Grossbrauerei verkauft werde und mein Arbeitsplatz nicht gesichert sei. Aber sein Junior Ernst Jakober suche einen Sachbearbeiter fürs Kreiskommando, ich solle mich doch bei ihm bewerben.» Während dem nächsten militärischen Wochenendurlaub konnte sich Walter Rhyner bei Kreiskommandant Ernst Jakober vorstellen und wurde ab 1. Januar 1982 als Sachbearbeiter des Kreiskommandos angestellt.

Einer von 26

2009 wurde er sodann Kreiskommandant und damit einer von 26 in der Schweiz. Was gefällt ihm bei dieser Aufgabe? «Man ist eine wichtige Verbindungsperson zwischen den Armeeangehörigen und der Armee. Man begleitet sie vom Orientierungstag über die Rekrutierung, die RS und die Wiederholungskurse bis zum Entlassungstag. Dies ist eine hohe Verantwortung, aber auch eine grosse Ehre», erzählt unser Gesprächspartner. Die Glarnerinnen und Glarner schätzten die unkomplizierte und effiziente Unterstützung auf ihrem militärischen Werdegang. Es sei ihm immer ein grosses Bedürfnis gewesen, die Dienstleistenden zu unterstützen und bei Problemen echte Hilfe anzubieten. So freue ihn besonders, dass er bei der Entlassung aus der Wehrpflicht oft ein strahlendes «Danke» höre von den Wehrpflichtigen, die ihren Einsatz beendet und hie und da von der Hilfe profitiert hätten.
«In einem kleinen Kanton wie Glarus repräsentiert man einerseits die Armee, ist aber anderseits auch Sachbearbeiter und kümmert sich um die Militärverwaltung. Zudem kommandiert man ein Betriebsdetachement, bestehend aus versierten Moderatorinnen und Moderatoren für die Rekruten-Orientierungstage (OT). Es ist genau diese Mischung zwischen Führen, Repräsentieren und Schreibtischtätigkeit, die mir sehr gefällt und welche ich auch mit grossem Stolz ausführe. Zum Glück habe ich mit Jeannine Schiesser noch eine Mitarbeiterin, welche im Hintergrund die Fäden zusammenhält», meint der heutige Major.
Und so ist er denn auch des Lobes voll über seine Tätigkeit: «Ich habe das grosse Privileg, dass ich seit über 40 Jahren eine berufliche Tätigkeit ausüben darf, welche mir nach wie vor viel Spass macht. Ich kann mich deshalb auch nicht an einen Tag erinnern, an dem ich nicht gerne nach Glarus zur Arbeit gefahren bin.»

Auch eine Berufung

Ende 2025 wird er nun pensioniert. Eine Tatsache, die ihn sowohl wehmütig als auch froh stimmt: «Wenn man diese Arbeit so lange und so gern gemacht hat, wird man sicher einiges vermissen. Kreiskommandant ist ja nicht einfach ein Beruf. Es ist auch eine Berufung, wo man nicht nur den Verstand, sondern auch das Herz einsetzt.» Vor allem werde er die vielen erfreulichen Kontakte auf allen Stufen – Bund, Kantone, Kommandanten, Mitarbeitende und sein OT-Team – vermissen. Aber auch die Armeeangehörigen, welche dankbar für die Unterstützung waren.
Anderseits freue er sich aber, mehr Zeit für seine Hobbies zu haben: «Als Kreiskommandant ist man oft auch am Wochenende unterwegs, weshalb ich froh bin, ab Januar 2026 mehr Zeit für eigene Bedürfnisse zu haben.» Erholung findet er gegenwärtig «zu Hause in Elm oder in der freien Natur. Gerne sitze ich aber auch hie und da an einem Stammtisch und geniesse den gegenseitigen Austausch, denn es ist ja alles wahr, was dort verhandelt wird.» Natürlich ironisch gemeint …

Auf die Pensionierung vorbereitet

Er hat sich also bereits Gedanken über sein Leben nach der Pensionierung gemacht. «Sie kommt ja nicht überraschend, so kann man sich schon etwas vorbereiten. Ich wohne in Elm, wo ich mich bei ‚Land und Leuten‘ sehr wohl fühle. Deshalb engagiere ich mich auch bei verschiedenen Projekten in meiner schönen Wohngemeinde: Bei der IG Dorf Elm und bei der Meliorationsgenossenschaft erledige ich die Administration, beim Verwaltungsrat der Sportbahnen Elm schreibe ich das Protokoll. Der Skiclub Elm bedeutet mir auch viel, ich war dort 40 Jahre im Vorstand. Deshalb werde ich bei Clubanlässen wieder vermehrt als Funktionär mitwirken.»
Zudem wolle er mit seinen Bergkameraden gerne weiterhin tolle Hochtouren unternehmen und auch wieder einmal eine Skitour. «Die Felle habe ich schon jahrelang nicht mehr aufgezogen!»
Er koche auch gerne, hatte aber bis anhin zu wenig Zeit, dieses Hobby ausgiebig zu pflegen. «Mein ,OT-Team‘ wird dann einmal als ‚Testesser‘ herhalten müssen.»
Und im kommenden Frühjahr werde wieder ein junger Labrador-Hund bei ihm einziehen. Dessen Vorgänger sei kürzlich nach zwölf Jahren gestorben. «Das wird vor allem zu Beginn wieder eine herausfordernde Aufgabe, die ich kaum erwarten kann.»
Abgegeben hat er soeben nach 14 Jahren seine Vorstandstätigkeit als Kassier bei der Glarner Offiziersgesellschaft. Angesichts des für 2026 angekündigten Rücktrittes des Präsidenten Hans Jörg Riem wollte er einen geordneten Übergang sicherstellen. «Wir bleiben aber nach wie vor freundschaftlich verbunden und werden sicher wieder gemeinsame Zugfahrten quer durch die Schweiz machen», sagt Walter Rhyner schmunzelnd.

Kontakte weiter pflegen

Für die Zukunft hofft er, «dass ich die nun etwas ruhigere Zeit ebenso geniessen kann wie die vergangenen Jahre. Ich möchte auch die vielen beruflichen Kontakte, die sich mit den Jahren zu Freundschaften entwickelt haben, weiter pflegen.»
Seinem Nachfolger Christian Middendorf wünscht er, «dass er als neuer Kreiskommandant auch so viel Wertschätzung erleben darf, wie ich dies jahrelang spüren durfte, und er diese Tätigkeit mit ebenso viel Freude ausführen kann. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ihm dies mit grossem Erfolg gelingen wird.»