Er sei ein gemütlicher Mitmensch, der sich gerne engagiere und das Kleinräumige schätze, sagt Thomas Fridolin Tschudi-Plaz über sich selber. Wir sitzen an einem grossen runden Tisch im Departement Bau und Umwelt, welchem unser Gesprächspartner seit zwei Jahren vorsteht. Dies, weil Regierungsrat Kaspar Becker damals ins Departement Bildung und Kultur gewechselt hat. «Er war früher mein Lehrmeister bei der Bank Linth in Niederurnen. Ist schon lustig», schmunzelt Thomas Tschudi.
Aufgewachsen ist er mit zwei Schwestern und einem Bruder in Näfels. Sein Vater war Kaminfeger und langjähriger Gemeinderat, seine Mutter Hausfrau. «Ich war deutlich der Jüngste.» Er lebt nach wie vor in Näfels, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er gehört verschiedenen Dorfvereinen an, war Verwaltungsrat einer Genossenschaft für Alterswohnungen und Mitglied des Kantonalen Katholischen Kirchenrates. «So durfte ich mich schon vielerorts für ‘Land und Lüüt’ engagieren.»
Vom Kochlehrling zum Finanzanalytiker
Sein Lebenslauf offenbart noch weitere spannende Details. Zum Beispiel, dass er 1994 eine Kochlehre im Hotel «Schwert» in Näfels begonnen hat. Bald habe er gemerkt, dass es nicht das Richtige für ihn sei, meint er. Aber: «Es war ein guter Fehler. Ich koche nach wie vor gerne.»
Nach der abgebrochenen Lehre folgte ein halbjähriges Praktikum in einem Kinderhort in Emmenbrücke, geführt von italienischen Ordensfrauen. «Ich habe schon als Jugendlicher Kinder gehütet», sagt er zu seiner Motivation. Die Nonnen seien am Anfang sehr distanziert gewesen. «Doch am Schluss flossen Tränen.»
Anschliessend absolvierte er die ISA Berufswahlschule in Jona und dann die kaufmännische Lehre bei der Bank Linth in Niederurnen. Als er in der Folge bei einem Vortrag eines Fondsmanagers eine Frage stellte, offerierte ihm dieser gleich ein Praktikum in New York. «Ich machte zunächst einen Sprachaufenthalt in San Francisco und reiste dann nach New York. Ich als Landei zum ersten Mal in einer grossen Stadt!», lacht er. «Es hat mir aber gut gefallen, und es sind auch schöne Freundschaften entstanden.»
Apropos Sprachaufenthalt: Neben San Francisco gab es auch solche in Edinburgh, Dublin, Cannes, La Reunion und Florenz.
Er bildete sich zum diplomierten Betriebsökonom FH HWZ weiter, errang das eidgenössische Diplom des Finanzanalytikers und Vermögensverwalters und arbeitete bei verschiedenen Banken.
Politische Karriere
2012 wurde er in den Landrat gewählt, wo er von 2022 bis 2024 die Geschäftsprüfungskommission präsidierte. Zudem stand er von 2012 bis 2019 der SVP Glarus Nord vor und war anschliessend Vizepräsident der SVP des Kantons Glarus.
2024 folgte die Wahl in den Regierungsrat. «Als Mitglied des Präsidiums war es uns bewusst, dass wir als stärkste Partei unseren Wählern früher oder später eine Kandidatur für einen zweiten Sitz im RR ‘anbieten’ müssen», sagt er zu seiner Kandidatur. «Meine Frau hat diese Entscheidung mit allen Vor- und Nachteilen mitgetragen und mich im Wahlkampf sehr stark unterstützt. Sie war eine wichtige Wahlkampfhelferin.»
Damals wurde er im zweiten Wahlgang mit nur 74 Stimmen Vorsprung auf Daniela Bösch-Widmer gewählt. 2026 bei den Gesamterneuerungswahlen reichte es ihm bereits zum zweiten Platz hinter Markus Heer. Worauf führt er diesen Erfolg zurück? «Weshalb ich so viele Personen vom RR Tschudi überzeugen konnte, kann ich Ihnen nicht sagen. Vielleicht hat man in den zwei Jahren meiner Amtszeit einen anderen Thomas Tschudi kennen gelernt als jenen, welchen man sich vor den Wahlen erdacht hat. Es würde mich selber wundernehmen, was Leute dazu veranlasst hat, mich zu wählen. Der Stau wird es nicht sein», sagt er schmunzelnd.
Verkehr als Dauerthema
Gutes Stichwort. Der Verkehr hat ihn in den zwei Jahren begleitet. «Er wird mir auch täglich in Erinnerung gebracht, wenn ich vom Zug oder aus dem Auto in entgegengesetzter Richtung die Kolonne auf der Hauptstrasse sehe», meint er. Gab es deswegen schon Anfeindungen? «Nein, die Glarner Bevölkerung ist sehr anständig.» Einmal habe es bei einem Austausch «wenig differenzierte Voten» gegeben. Aber damit müsse man umgehen können. Er versuche, die Leute an den Tisch zu holen, Offenheit zu zeigen und sich der Kritik zu stellen.
Bus-Spur, Verlagerung der Velostrecke oder Verlegung von Fussgängerstreifen seien kleine Pflästerli, an denen sie arbeiteten. «Interessant sind die grossen Unterschiede bezüglich Staus unter der Woche. Die Frequenzen, die reduziert werden müssen, sind nicht gross. Einige Autos mehr oder weniger führen zu Staus oder eben nicht», betont er.
Generell bezeichnet der 48-Jährige die Vielseitigkeit der Aufgabe als Regierungsrat und Vorsteher des Departements Bau und Umwelt als gewaltig. «Es ist eine Herausforderung, aber auch ein reizvoller Aspekt des Jobs. Die gute Zusammenarbeit im Regierungsteam, aber auch im Departement sind hilfreich, um Probleme angehen zu können. Es ist freundschaftlich, vertrauenswürdig, aber auch immer wieder fordernd in einer positiven Art.» Schade findet er den Zeitdruck: «Man hat oft zu wenig Zeit, um Themenstellungen vertieft anzuschauen.»
«Einä vu üs»
In einem Interview vor der Wahl 2024 hat er gesagt, er wolle auch nach einer möglichen Wahl «einä vu üs» bleiben. Ist ihm das bisher gelungen? «Ich glaube Ja. Ich bin weiterhin ein Teil der ganz normalen Bevölkerung. Es ist im Kanton Glarus aber einfach, ‘einä vu üs’ zu bleiben.»
Im Internet liest man zudem, er sei als «stolzer und politisch aktiver Glarner» mit den aktuellen Herausforderungen unseres Kantons bestens vertraut. Worauf ist er denn besonders stolz im Glarnerland? Die Antwort ist deutlich: «Auf fast alles! Auf den Stereotyp Glarner, der meistens nicht vorlaut ist, obwohl er viel zu bieten hat. Auf unsere wunderschöne Natur, welche sich über verschiedene Vegetationstypen auf kleinstem Raum erstreckt. Auf unser direktdemokratisches System, welches auf Respekt, Toleranz und Eigenverantwortung beruht.»
Die obligate Frage zum Schluss: Wo erholt er sich von seinen vielfältigen Verpflichtungen? «Zu Hause mit der Familie, beim morgendlichen Kaffeedate mit meiner Frau (um 6.15 Uhr), in der Natur und noch lieber auf einem Berggipfel (kommt aber immer mehr zu kurz) sowie beim Joggen, Skifahren, Biken oder Rennvelofahren (auch dies kommt zu kurz).» Er räumt aber sogleich ein: «Wenn man den Job gerne macht, braucht man weniger Erholungsphasen. Ich habe immer gerne gearbeitet. Solange es mir Spass macht, belastet es mich nicht.»






