Porträt: Wertschätzung ist wichtig

Sie ist in einer politisch aktiven Näfelser Familie aufgewachsen und führt die Tradition weiter: Das Engagement von Daniela Gallati-Landolt aus Näfels für die Öffentlichkeit ist sehr gross.



Daniela Gallati engagiert sich vielfältig, kocht gerne, und ihr Markenzeichen ist das Velo. (Bilder: Madeleine Kuhn-Baer)
Daniela Gallati engagiert sich vielfältig, kocht gerne, und ihr Markenzeichen ist das Velo. (Bilder: Madeleine Kuhn-Baer)

Das Velo sei ihr Markenzeichen, schmunzelt Daniela Gallati bei unserem Besuch zu Hause oberhalb des Zentrums von Näfels. In der Schule kenne man sie nur mit Fahrrad. Die 59-Jährige unterrichtet Handarbeit, Hauswirtschaft und Zeichnen. Oder wie man heute sagt: TTG (Textiles und Technisches Gestalten), WAH (Wirtschaft, Arbeit, Haushalt) und BG (Bildnerisches Gestalten).

Aufgewachsen ist sie in Näfels zusammen mit ihren Eltern Christa und Hans Landolt-Grieb, einem älteren Bruder sowie zwei jüngeren Schwestern. Nach den obligatorischen Schuljahren absolvierte sie die Haushaltlehre und schloss «nach fünf abwechslungs- und lehrreichen Jahren» im zugerischen Seminar Menzingen ihre Ausbildung ab. Anschliessend unterrichtete sie während 22 Jahren in Schänis und seit 15 Jahren nun in Näfels. Zudem bildete sie sich erfolgreich als Katechetin, Fussreflexzonen-Masseurin und Erwachsenenbildnerin aus.

Am Mittagstisch politisiert

Dass sie in ihr Heimatdorf zurückgekommen ist, hat mit ihrem Mann zu tun: 1992 heiratete sie Bruno Gallati, Lokomotivführer bei den SBB. Seither unterstützt sie den Vollblut-Kommunalpolitiker und ehemaligen Landratspräsidenten tatkräftig.

Sie übernahm aber auch selber immer wieder öffentliche Ämter. Dies hat mit ihrer Familie zu tun, die sich stets für das Dorfleben engagierte: «Meine Eltern waren in der Pfadi und im Blauring sowie in diversen anderen Vereinen. So war es für uns Kinder selbstverständlich, dass wir uns auch im Dorfleben wohlfühlten und mitmachten, sei es im Blauring, in der Kirche und in der Mädchenriege. Die Vielseitigkeit des Lebens, des sozialen Umgangs und die Wichtigkeit der Gemeinschaft wurde uns sozusagen in die Wiege gelegt.»

Am Mittagstisch seien jeweils politische Fragen oder über das Weltgeschehen diskutiert worden, schildert Daniela Gallati. So erstaunt denn auch die Fülle ihrer bisherigen, teils noch aktuellen Engagements wenig: Pro Senectute, Spitex kommunal und kantonal, Samariter, Kirche kommunal und kantonal und schweizweit, CVP Kanton Glarus und Schweiz, Winterhilfe, Kantonalvorstand Lehrerverein, Leitung Netzwerk TTG/WAH/BG. «Meinen Mann unterstütze ich in der Politik, ich habe mich mehr gemeinnützigen Organisationen zugewandt. Gerne stelle ich hier mein Fachwissen, meine Ideen und Kreativität zur Verfügung.»

Was gefällt ihr dabei besonders? Was weniger? Gut gefalle ihr, dass durch den Austausch mit anderen Menschen, durch das gemeinsame Erarbeiten von Themen und vor allem durch das Umsetzen zum Wohle aller Beteiligten wertvolle, bereichernde Kameradschaften und Freundschaften, also ein soziales Netzwerk entstünden.

Zu Unrecht das Vertrauen entzogen

«Immer Mühe hatte ich und werde ich wohl zeitlebens haben, wenn nicht offen kommuniziert oder das Kollegial-Prinzip hintergangen wird respektive Absprachen nicht eingehalten oder eigenmächtig gemeinsam getroffene Beschlüsse umentschieden werden», so unsere Gesprächspartnerin.

Sie weiss, wovon sie spricht. Wer sich einsetzt, setzt sich aus. Aber bei ihrem Amt als katholische Kirchgemeindepräsidentin ist ihr gemäss Aufsichtsbehörde zu Unrecht das Vertrauen entzogen worden. War sie sehr enttäuscht? «Irritiert über meine damaligen Ratskollegen trifft eher zu. Das duale System in der Schweiz ist einmalig, und gerade deswegen hätte es gar nicht geschehen dürfen. Nach langjähriger Zusammenarbeit, gemeinsamer Ratserfahrung und Kameradschaft verstand ich nicht, weshalb nicht Rücksprache mit mir genommen wurde. Jeder der damals Anwesenden wusste, dass ich für keine weitere Amtsdauer mehr zur Verfügung stehen würde.»

Eine Klarstellung sei nie erfolgt. «Ich weiss bis heute nicht, worum es eigentlich ging. Machtspiele? Ränkespiele? So am Pranger zu stehen, war etwas, das ich nicht kannte und auch nicht in mein Weltbild passte und schon gar nicht in das Bild von Kirche und Katholisch.»

Nun sei sie um eine Erfahrung reicher, «auch in Bezug auf anonyme Bedrohungen mir und meiner Familie gegenüber. An der letzten, von mir geleiteten Kirchgemeindeversammlung war die Polizei inkognito anwesend.» Schlimm, dass es so weit kommen musste.

Obwohl in der Schweiz «üble Nachrede» strafbar sei, habe sie bewusst auf eine Anzeige verzichtet. «Glücklicherweise hatte ich ein enges, aber starkes Netz um mich, welches mir zur Seite gestanden ist und mich unterstützt hat, wofür ich sehr dankbar bin.»

Wie geht sie denn generell mit Anfeindungen um? «Bei ungerechtfertigten Anfeindungen stosse ich an meine persönliche Grenze. Daran arbeite ich und lerne jeden Tag dazu. Mein Ziel ist es, mit Diplomatie und Gelassenheit angemessen zu reagieren», so Daniela Gallati.

Vor einem Jahr hat sie ihr langjähriges Engagement im Stiftungsrat der Pro Senectute Glarus beendet. Nach gut 20 Jahren im Stiftungsrat, davon über zehn als Präsidentin. Dabei ist ihr für «die stets kompetent geführte langjährige Leitung, die den Stempel Umsicht und wertschätzende, wohlwollende Zusammenarbeit trug», gedankt worden. Umsicht, Wertschätzung und Wohlwollen sind denn auch die Werte, die ihr wichtig sind. Hinzu kämen eine Prise Humor und ein offenes Ohr, wie sie sagt.

Von Kindheit geprägt

Was hat sie geprägt in ihrem Leben? «Meine Kindheit war sehr prägend mit freudigen und traurigen Erlebnissen», meint sie. Gerne erinnert sie sich daran, wie ihre jüngste Schwester zur Welt kam. Da war sie acht Jahre alt. Am Nachmittag hatte ihre Mutter hochschwanger noch Äpfel abgenommen. In der Nacht weckte der Vater die drei Kinder dann mit den Worten: «Ihr habt ein Schwesterlein bekommen.» Alle gingen in die Küche, wo der Vater Ovomaltine machte, mit der sie auf die kleine Schwester anstiessen. «So süsse Ovi bekamen wir sonst nie», lacht Daniela Gallati. Am anderen Tag durften sie dann Mutter und Kind im Spital besuchen.

Ein trauriges Beispiel war, als ihre Eltern sehr krank waren und die ganze Familie von einem Tag auf den anderen zur Kur musste. «So aus allem herausgerissen zu werden und nicht zu wissen, ob man die Mutter wieder lebend sieht, prägt einen jungen Menschen», sagt unsere Gesprächspartnerin. Zum Glück kam alles gut.

Es gebe aber auch heute noch viele schöne prägende Erlebnisse im Alltag, erzählt sie weiter: «Zum Beispiel wenn ein Schüler plötzlich etwas kann, was ihm zuvor schwergefallen ist. Und der Besuch von lieben Menschen oder gute, tiefgründige Gespräche haben oft genauso eine nachhaltige Wirkung.»

Zugfahrt als Erholung

In ihrer Freizeit bewirtet sie gerne Gäste im Ferienhaus im Oberseetal, kocht und backt, liest, liebt das Aquafitten, Reisen (speziell Zugfahren), Handarbeiten, Märchen, Musical und Theater. Auch Düfte interessieren sie: «Dieses Hobby teile ich seit mehr als 20 Jahren mit lieben Freundinnen vorwiegend im Winter.»

Apropos Zugfahren: Man könnte meinen, diese Vorliebe sei durch ihren Mann entstanden. Die Ursprünge reichen aber in ihre Kindheit zurück. Ihr Grossvater mütterlicherseits arbeitete bei der Deutschen Bahn als Oberzugführer. Ab der ersten Schulklasse reiste sie mit dem Zug nach Deutschland. Allein. Ihre Mutter setzte sie in Ziegelbrücke in den Direktzug nach Mannheim, wo sie ihr Opa abholte. Der Kondukteur wusste natürlich Bescheid. «Ich hatte einen Rucksack mit etwas zu essen, Spielsachen und ein rotes Köfferchen mit Kleidern dabei», erinnert sie sich und lacht. So sei sie schon immer gerne mit dem Zug unterwegs gewesen.

Letzteres bedeutet für sie Erholung. Zwar kann sie auch zu Hause, bei einem Spaziergang, in der Natur oder auf einer Reise abschalten. Aber: «Ab und zu setze ich mich einfach in den Zug, nehme eine Handarbeit oder ein gutes Buch mit und fahre der Nase nach. Oder ich statte Einsiedeln oder einem Museum einen Besuch ab. Oder … Es gibt so vieles.»

Sie schliesst mit einem Gedicht eines unbekannten Autors, welches zu ihrem Lebensmotto geworden ist:

Nimm dir Zeit zum Träumen, das ist der Weg zu den Sternen.

Nimm dir Zeit zum Nachdenken, das ist die Quelle der Klarheit.

Nimm dir Zeit zum Lachen, das ist die Musik der Seele.

Nimm dir Zeit zum Leben, das ist der Reichtum des Lebens.

Nimm dir Zeit zum freundlich sein, das ist das Tor zum Glück.