«Produkte von heute sind der Rohstoff von morgen»

Die Kreislaufwirtschaft benötige eine komplett andere Denk- und Sichtweise, sei aber Zukunft der Wirtschaft, waren sich die drei Referenten am 15. Innovationsapéro am letzten Freitag im «Glarnerhof» sicher. Gerade durch die Bestrebungen in der EU können sich auch die Schweizer Unternehmen dem anderen Konzept nicht verschliessen.



15. Glarner Innovationsapéro im Saal vom Glarnerhof (Bilder: e.huber)
15. Glarner Innovationsapéro im Saal vom Glarnerhof (Bilder: e.huber)

«Wir können mit den Ressourcen unseres Planeten nicht mehr so umgehen wie bisher», ist sich Olaf Hohlenstein vom Innovationsnetzwerk Ostschweiz sicher. Auf der einen Seite werden die Ressourcen immer knapper, auf der anderen Seite müsse man aufhören Abfall auf Halden zu vergraben oder gar zu verbrennen. «Wir müssen im Kreis umdenken», betonte dazu Albin Kälin am 15. Innovationsapéro der Wirtschaftsförderung, Glarner Wirtschaftskammer und Glarner Gewerbeverein am letzten Freitag im «Glarnerhof». Bisher würden meistens Ressourcen genutzt, um Produkte herzustellen, die irgendwann weggeworfen werden. «Recycling ist eine gute Sache, verzögert den Weg aber nur.» In der Kreislaufwirtschaft wird ganzheitlich betrachtet, woher man die Materialien beziehen kann und vor allem wie man die Bestandteile des Produktes wieder in den Kreislauf einfügen kann. «Das Vorbild ist die Natur; sie kennt nämlich keinen Abfall.» Das Modell des «Cradle to Cradle» sieht dabei zwei mögliche Kreisläufe für Bestandteile. Beim biologischen können Restmaterialien an die Natur abgegeben werden, am meisten würde aber der technologische Kreislauf genutzt werden. Wie das aussehen kann, berichtete Hans Marti Heierling, Besitzer des Skischuherstellers mit dem gleichen Namen. «Dieser Schuh besteht ja mit dem harten Aussenschuh und dem weichen Kern aus sehr unterschiedlichen Teilen.» Beim ersten haben sie es geschafft, dass der Aussenschuh und die Schnallen mit wenig Aufwand nach der ersten Benutzung wieder aufbereitet und so neuwertig wieder angeboten werden können. Auch aus hygienischen Gründen sei dies beim Kern nicht gleich möglich, er besteht aber aus komplett kompostierbaren Materialien. Wichtig sei dabei, dass bereits bei der Entwicklung des Produkts modular und bis zur Wiederverwertung gedacht wird. Dazu müsse man in Netzwerken denken. «Denn mein Abfall kann die Ressource für ein Produkt für ein anderes Unternehmen sein.» Damit man die Ressource aber auch wieder weitergeben kann, müsse man vom Kunden das Produkt wieder zurückerhalten. «Wenn es im Abfalleimer landet, fliegt es auch meistens aus dem Kreislauf raus.»

In der Schweiz werde das Thema Kreislaufwirtschaft bisher noch sehr stiefmütterlich behandelt. «Ausserdem sind wir Weltmeister bei der Abfallverbrennung», meinte dazu Kälin. Gerade in der EU sind durch Investitionen aber auch Regulierungen grosse Schritte in dieser Richtung geplant. «Wenn man in diese Länder liefern will, kann man sich diesem Prozess nicht verschliessen.» In diesem nicht einfachen Schritt sind die Schweizer Unternehmen aber nicht allein. So bietet unter anderem das Innovationsnetzwerk Ostschweiz Workshops und Coaching Unterstützung in diesem Bereich an. «Da der Kanton Glarus ebenfalls dazu gehört, können es auch unsere Unternehmen nutzen», erklärte Andreas Mächler, von der Kontaktsteller für Wirtschaft zum Abschluss der Inputveranstaltung.

*Jürg Huber ist Pressebeauftragter der Glarner Wirtschaftskammer.