Radio Luna – tic; eine Ausstrahlung, die es in sich hatte

Das Studio der riesig talentierten Radiomacherinnen befand sich für einmal im Gemeindezentrum zu Schwanden. Gäste waren das Duo Luna – tic mit «On Air» auf Einladung des Kulturvereins Glarus Süd. Und was angeboten war, ist mit Worten kaum zu erfassen.




Es war eine Vermischung von Munterkeiten, Gefühlswallungen, Herzlichkeit, Sehnsüchten aller Art, Anbiederung, musikalischer und gesanglicher Virtuosität, Bewegungssynchronisationen, «Pianobearbeitungen», die man so kaum einmal sieht und vernimmt, Tanz, Adrettem, Derbem und Beschwörungen. Alles gelangte so locker und gekonnt über den fiktiven Äther zu geschätzten 3000 Zuhörerinnen und Zuhörern.

Verantwortlich für den Mix waren die Genferin Stéfanie Lang und die in Berlin geborene Judith Bach.

Getroffen haben sie sich erstmals während ihrer Ausbildung an der Scuola Teatro Dimitri im tessinerischen Verscio. Im Theaterkeller habe es nur ein einziges Klavier gegeben. Es wurde von den beiden Theaterfreudigen bearbeitet – und wie! Auszugsweise gaben die beiden, äusserlich so ungleichen, eine offensichtlich unerschöpfliche Energie und Kreativität ausstrahlenden Frauen einiges zum Besten, was damals ausprobiert worden war. Wer nun glaubt, dass sie sich auf dem Klavierhocker niederliessen und vierhändig klassische Ohrwürmer und anderes interpretierten, täuscht sich gewaltig. Da wird verrenkt, gehüpft, die Plätze getauscht, aufs Klavier gehockt, rasch ein paar Tanzschritte hingelegt, ins Publikum gestrahlt – selber sind jene schuld, die das nicht gesehen haben.

Seit 14 Jahren sind die beiden Damen als Claire und Olli unterwegs, mit verständlichen Erfolgen und einem gewiss unaufhaltsam wachsenden Heer von sogenannten «Followern». Laut Programmvorschau handelt es sich um «klavierakrobatikliederkabarett». Stéfanie Lang ist die Graziöse, Romantikerin, Sehnsuchtsvolle, Feingliedrige, aufs Etikett grossen Wert legend, ist enorm stilvoll, anmutig, von Poesie und Lieblichem erfüllt. Im Haar trägt sie so schön drapierte aneinandergereihte farbenstarke Blumen. Sie kann sehr ungehalten und schnippisch werden, wenn es die wirblige, kleine Judith Bach wieder mal zu bunt treibt. Sie ist Garantin für Derbes, betont Männliches, zur gelegentlichen leichten Depression neigend, sich knurrig äussernd. Ihr Markenzeichen sind der ewig rutschende Jupe, der wohl ab Stange gekauft worden war und die unnachahmlich kraftvoll hindrapierte Haarfülle.

Und beide sind sie beneidenswert hochklassige Sängerinnen mit Hang zu leicht Akrobatischem, wenn am Flügel rumhantiert wird, sie tanzen adrett und rassig, sie kommentieren liebenswürdig und tragen in sich eine bewegend wechselvolle Gefühlswelt.
Sie sind zuweilen so innig, verträumt, dann wieder riesig keck, flechten viel Unerwartetes ein, wechseln temporeich von einem Geschehen zum anderen.

Und dass der Aufführungsort – nachdem man ihn auf Umwegen, dank Ortskenntnissen und von innerer Zufriedenheit erfüllt erreicht hatte – avancierte noch vor Ascona zur unerreichbar schönen Feriendestination. Im Radiostudio wird die Arbeit aufgenommen. Wer mit der Ausstrahlung erreicht wird, ist den Ansagerinnen nicht bekannt. Sie versuchen, das Publikum einzubeziehen. Ein Gast ist der – fiktive – Heiri aus Schwanden, der trotzig, verschnupft und traurig von seiner so dominanten Ehehälfte berichtet und sich am Wunschkonzert ganz und gar nicht beteiligen will. Und in diesem Studio geht im wahrsten Sinne des Wortes «die Post ab». Oft muss die Ausstrahlung – nicht nur aus technischen Gründen – kurz unterbrochen werden. Das Wunschlied mit «Mein kleiner grüner Kaktus» folgt irgendwann. Man wandelt auf gefährlichen Pfaden mit, rasende Autos sind unterwegs, verloren pfeift irgendwo ein Nachtvogel, eine Katze miaut. Claire zieht über Ollie her, dass die Hinhörenden fast verlegen werden. Versöhnlich, formschön und riesig innig dann «Sound of Silence». Urplötzlich sind die beiden auf dem Mond, kommentieren ab Innerem des Flügels die Aussicht auf die Erde. Olli trifft ihren heiss geliebten und herbeigesehnten Paul einfach nie – obwohl er als Astronaut auf dem Mond sein müsste.

Zurück auf der Erde ist es Zeit für eine Komposition von Prokofjew, vierhändig, sich zuweilen akrobatisch bewegend.

Furios ist das Ende dieses Gastspiels, bewegend schön sind die drei Zugaben mit dem «Schacher Seppli», einer Steppeinlage und «Dorma bain», nochmals so innig, abgestimmt und formschön.