«Regionale Nähe schafft Vertrauen»

Das vierte Symposium «Gesundes Glarus» war dem Thema Gesundheitsregionen am Beispiel des Kantons Aargau gewidmet. Dabei soll der Mensch im Mittelpunkt stehen, nicht die Krankheit.



In Zukunft wird es mehr ältere Menschen und mehr Menschen mit (mehrfachen) chronischen Krankheiten geben. Bei deren Behandlung besteht ein grosser Koordinationsbedarf zwischen den beteiligten Arztpersonen, Pflegenden und Therapeuten. Der Bund hat deshalb das Projekt «Koordinierte Versorgung» lanciert.

Denkanstoss aus dem Kanton Aargau


Weshalb ein regionaler, bevölkerungsorientierter Versorgungsansatz sinnvoll sein kann, erläuterte Urs Zanoni vom aargauischen Departement Gesundheit und Soziales am Symposium für medizinische Fachpersonen im GH Ennenda: «Regionale Nähe schafft Vertrauen.» Der «Masterplan Integrierte Versorgung Aargau» wolle die Partner im Gesundheitswesen besser vernetzen, um die Behandlungsqualität und die Patientensicherheit zu verbessern. Das heutige System führe zu Über- oder Fehlversorgung, unnötigen Hospitalisationen, Finanzierungslücken und Irrläufen von Patienten.

Der Referent präsentierte in diesem Zusammenhang die Idee der Gesundheitsregionen. Dabei bilden die Versorgungspartner gemeinsam eine Trägerschaft, verpflichten sich zu verstärkter Zusammenarbeit und beziehen die ganze Bevölkerung mit ein. «Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht Krankheiten», betonte er. Einbezogen seien Gesunde, Risikogruppen und Kranke jeden Alters; Gesundheitsförderung und Prävention nähmen einen hohen Stellenwert ein. Er plädierte auch für einen Blickwechsel der Fachpersonen, hin zu einer Stärkung der Patienten(-perspektive).

Als konkretes Beispiel stellte Urs Zanoni die im März dieses Jahres gestartete Vision «Gesundes Freiamt» vor. Vorbild war das vor zehn Jahren ins Leben gerufene deutsche Projekt «Gesundes Kinzigtal». Dort sei aus dem Ärztenetz ein grosses, Berufsgruppen übergreifendes Gesundheitsnetz geworden – bis hin zu den Schulen und Vereinen. Dabei konnten viele Effekte nachgewiesen werden. «Und es hat Geld gespart», betonte der Referent.

Die rund 30 anwesenden medizinischen Fachpersonen diskutierten die Idee der Gesundheitsregion in Gruppen. Dabei stellten sie fest, dass im Kanton Glarus schon viele Voraussetzungen bestünden. Es brauche aber eine Stelle, die am Anfang die Führung übernehme. Mit dabei sein sollten alle, «von der Wiege bis zur Bahre».

Gemeinschaft bilden


Vor dem Referat gab es so genannte «Blitzlichter». Orsolya Ebert, Hauptabteilungsleiterin Gesundheit beim Departement Finanzen und Gesundheit des Kantons Glarus, berichtete über den aktuellen Stand der Umsetzung von E-Health. Eckpfeiler seien die beiden Standbeine «Digitale Vernetzung mit anderen Regionen/Kantonen» sowie «physische Vernetzung innerhalb des Kantons». Deren Ausgestaltung müsse nun im Dialog mit den Leistungserbringern definiert werden. «Für den Erfolg notwendig ist der Zusammenschluss möglichst vieler in einer Gemeinschaft», so die Hauptabteilungsleiterin.

Spitaldirektor Markus Hauser sagte, der Kanton Glarus sei «per se eine Versorgungsregion»: Erstens von der geografischen Situation her und zweitens, da 82 Prozent der Glarner Patienten am hiesigen Kantonsspital behandelt würden. «Wenn wir wollen, können wir die Versorgungsregion stärken mit klar benannten Themen.» Beispiele seien E-Health, Palliativ-Netzwerk oder Notfallversorgung.

Christian Hess, Leiter Patientenwesen am Kantonsspital Glarus, stellte schliesslich das neue Zuweiserportal vor. Damit können Ärzte ihre Patienten direkt ans Spital überweisen.

Geleitet wurde das Symposium der Gemeinde Glarus von Vizepräsidentin Andrea Fäs-Trummer. Zum Abschluss gab es wie immer einen Apéro, an welchem das Networking ausgiebig gepflegt werden konnte.