Der Glarner Singverein nahm sein diesjähriges Hauptkonzert zum Anlass, französische Gregorianik mit den Werken seines Dirigenten Christoph Kobelt zu kontrastieren. Kobelt, der sich früh auf den Schwerpunkt Geistliche Musik festgelegt hat und der an der Stadtkirche Winterthur das Musikleben pflegt, ist im Glarnerland immer wieder auch als Komponist in Erscheinung getreten. 1991 mit der Auftragskomposition «Canticum perpetuum», 1999 anlässlich der Renovation der Stadtkirche mit der «Psalmenmesse» und 2007 mit dem Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken op. 28 im Auftrag des Glarner Kammerorchesters.
Kontrastreiche Werkwahl
Das erste Werk des Abends war die Passionskantate «Ehre sei dir Christe» für Sopran-Solo, Chor, 2 Trompeten, Horn, Posaune und Orgel. Hier fielen die kräftigen Akzente auf, welche die Posaune setzte. Sopranistin Ursula Oelke überraschte mit einem dunklen und schönen Timbre und einer kräftigen Interpretation. Der Chor sang stark und hielt sich an die zwingende Direktion von Kobelt.
Anschliessend erklang ein «Cruzifixus» für Orgel vierhändig und Pauke. Kobelt dirigierte an der Seite des Paukisten, der die rhythmischen Akzente setze. Emanuele Jannibelli, der Organist der Stadtkirche, spielte hier zusammen mit dem jungen Musiker David Kobelt, der noch vor zwei Woche sein eigenes Kantatenkonzert mit der Kantorei Niederurnen bewältigte. Das Zusammenspiel von Pauke und Orgel war hochdramatisch und leitete über zum Hauptwerk des Abends, dem «Requiem» op. 9 von Maurice Duruflé.
Ein mühevoller Prozess
In 60 Jahren wurden nur gerade zehn seiner Werke veröffentlicht. Duruflé komponierte in einem langsamen und mühevollen Prozess und wählte eine retrospektive Haltung, die sich an den grossen französischen Komponisten Debussy, Ravel und Fauré orientierte. Das Requiem ist sein grösstes und bedeutendstes Werk.
Von der Empore aus liessen sich die verschiedenen Elemente des Werkes gut verfolgen. Christoph Kobelt strahlte eine grosse Dirigierfreude aus, die auf Chor und Orchester übergriff. Die oft kaskadenartigen Tonfolgen perlten im Raum, die gregorianischen Melodien verzauberten die Zuhörer. Kaum ein Husten war aus dem Kirchenschiff unten zu hören, so konzentriert waren alle.
Die neun Teile des Requiems klingen alle sehr unterschiedlich, jeder hat einen ganz eigenen Charakter, der im Konzert am Samstag auch gut zum Ausdruck kam. Sowohl der Text wie auch die Musik flossen natürlich vorwärts, die Akzente wurden sanft gesetzt und Chor und Orchester kosteten die grossartige expressive und rhythmische Freiheit, die ihnen Duruflé in seinem Requiem gewährt, auch aus. Es war ein Abend, der nach der christlichen Kreuzes-Erfahrung mit spirituellem Optimismus und alles durchdringender Ruhe endete.




