Richi Bertini und Martin Vogel im BSINTI

Du Mami, der schöne Rock, den du anhast, ist der vom Papi?»

«Ja, kannst denken! Wenn ich mich auf den verlassen würde, hätte ich nicht einmal dich.»

Von Witzen über Braunwald-Anekdoten, Dialekte im Glarnerland, Swiss-Zeiten hin zu Märchen für Erwachsene – Richi Bertini und Martin Vogel heizten am Freitagabend im BSINTI dem Publikum ein und trieben selbst dem Lehrer, dem Dorfältesten, eine gesunde Schamesröte ins Gesicht.

 



Richi Bertini und Martin Vogel im BSINTI

Mit grossen Augen und ruhiger Haltung schaut Richi Bertini am Freitagabend auf das neue Wandbild in Linthals Wartehalle. Es macht Lust auf Frühling, in jeder Jahreszeit lassen sich Geschichten erzählen, der erste BSINTI-Abend ist nun vorbei. Neben ihm erzählt Martin Vogel die nächste Geschichte – die des neuen Wandbildes, das trotz des noch vorhandenen Schnees längst die Vorfreude auf schneefreie Zeiten weckt. Fünf Minuten vor dieser Geschichte sassen sie noch im 21-Uhr-Bähnli. Coiffeur Willi bedankt sich für diesen «wirklich gelungenen» Abend, seine Lachmuskeln sind noch angespannt.

Braunwald-Anekdoten und «Unter-der-Gürtelline-Witze»

Sitzend begrüssen beide 19.20 Uhr die Gäste, kurze Zeit später schon wandern die beiden bei ihren Geschichten hin und her. Martin Vogel erfährt von Richi Bertini, warum noch heute einige Molliser den Hinterlanddialekt sprechen und erklärt, dass er auch mal so schlimme Witze des Nachts in der Braunwaldbahn erzählte und das wohl der Grund sei, warum er heute hier zusammen mit dem eigentlichen Glarner Witzeerzähler zusammensitzt. Den Witzepart überlasse er aber lieber dem Richi, er wird Braunwald-Anekdoten erzählen und sogleich fängt er mit der wahren Geschichte des gestohlenen Märlihotel-Tresors an.

Diebstahl in Braunwald

In einer kalten Februarnacht habe sich ein Diebstahl in Braunwald zugetragen – was unser Märchenonkel niemals für möglich gehalten hätte, da es ja nur diesen einen Fluchtweg übers Braunwaldbähnli gibt, und doch war auf einmal der komplette Tresor weg, spurlos verschwunden, auch im 6-Uhr-Bähnli fuhren nur drei Einheimische am Morgen ins Tal. Als er die Polizei anrief, sagte ihm der Polizist, dass sie denjenigen wohl schon gefunden hätten. «Da muss man sich mal vorstellen, da hat nun der Dieb allein den Tresor auf einen Fahrradanhänger auf dem Bergweg nach Linthal chauffiert. Zwei Meter Schnee hatte es gehabt.» Als sich der «glückliche» Dieb nach der gelungenen Bergschneewanderung samt Tresor über den Klausenpass absetzen wollte, blieb er erneut stecken. Strassensperrung ab Urnerboden. Zu riskant schien es ihm, mit dem Tresor zurückzufahren und knackte ihn noch vor Ort. Doch er wurde gesehen – von einem kleinen Mädchen, das die Umwelt schützen wollte. «Mami, guck mal, was der Mann dort macht. Der entsorgt bestimmt radioaktiven Müll» – Mami rief die Polizei und der Dieb wurde überführt.

Von der Braunwald-Anekdote zum Einbrecherwitz

«Nun kommst du aber sicher wieder mit etwas Lustigem», fordert der Märli-Onkel sein Gegenüber auf, händereibend gibt nun Richi den Diebstahl zum Besten. Bertini erzählt nun vom Kleintal, dass man dort die Autos offen liess, ebenso die Häuser – bis dann eine Kleintalerin mal nach Netstal zog:

«Du jetzt musst du mir mal sagen, warum du überall im Haus Licht brennen lässt», sagt eine Nachbarin zur Kleintalerin.

«Ja weisst, wir gehen in die Ferien.»

«Ja und da lässt du im ganzen Haus das Licht brennen?»

«Ja weisst – wegen der Einbrecher.»

«Musst du doch nicht. Die haben doch alle Taschenlampen.»

Ein Abend, von dem man selbst in Luxemburg erzählt

Rund eineinhalb Stunden werden am Freitagabend die Lachmuskeln trainiert. Das Publikum ist begeistert, der eine oder andere «bösere» Witz verziehen. «Lachen ist so wichtig, wir sollten es öfter tun», erzählt die Luxemburgerin Bruni Moritz, die schon seit Mitter der 80er-Jahre nach Braunwald kommt und wohl schon so einige Geschichten vom Märlionkel hören konnte. Diesen Abend wird sie so schnell nicht mehr vergessen und so wandern einige Braunwald-Geschichten und Glarner Witze nun sogar über die Landesgrenzen.